in der Haltung und vielleicht auch etwas trockener im Ton . » Vorigen Montag - ja , gestern vor acht Tagen , besuchte Herr Geheimrat meine Mutter . Er sprach mit ihr davon , daß sie seine Tochter porträtieren solle ... « » Ach nee ? Tulla ? « » Sobald sie das Bild der Fürstin Siegstein vollendet haben würde . « » Was ? Die Fürstin Siegstein ? « » Im Laufe des Besuchs wurde Ihr Herr Vater ganz offenbar von einem ernsten Uebelbefinden befallen . Er bat , daß man ihm ein Auto hole . Ob er nun das Gefühl hatte , ihm könne unterwegs etwas zustoßen - genug , er schien ungern diese Mappe mitnehmen zu wollen und bat meine Mutter , sie ihm aufzubewahren . Gewiß hoffte er , sie am nächsten Tag abholen zu können . « Der Leutnant Rositz verließ jetzt seine Fragemanie und diesen Tonfall , der etwas Zweifelndes hatte , der immer zu unterstellen schien , daß der andere doch nicht ganz glaubwürdig sei . » Papa ist dann in der Tat im Auto bewußtlos geworden . Als sein Fahrgast hier vor dem Gittertor nicht ausstieg , sah der Chauffeur mal nach ... na , und alarmierte dann das Haus - « » Also war seine Vorsicht leider nur zu gerechtfertigt . Wie leicht hätte die Mappe ihm entgleiten , unbeachtet liegen bleiben , abhanden kommen können . Meine Mutter befand sich aber dann in einer peinlichen Lage ... « » Wieso ? In einer peinlichen Lage ? « » Sie wartete . Vielleicht konnte eine Nachricht kommen . Jemand konnte die Mappe holen . Aber niemand kam . Und Donnerstag hörte sie : es sei zu Ende . Sie wartete noch bis zum Tage der Bestattung . Und dann berief sie mich , damit ich der Familie die Mappe übergäbe . « » Deswegen ? Gott , wie umständlich ! Warum nicht einfach per Post schicken ? « Und er streckte die Hand nach dem verschnürten und versiegelten Paket aus , das zwischen ihnen auf dem Tisch lag . » Der wichtige Inhalt verbot es , denn ... « » Ihre Frau Mutter hat sich mit dem Inhalt beschäftigt ? « » Ich bitte Sie , die Maßnahmen meiner Mutter durchaus zu respektieren , « sagte scharfen Tones Raspe , » sie sind in jedem Fall die richtigen gewesen . « Leutnant Rositz verbeugte sich höchst verbindlich . » Die Mappe war nicht verschlossen . Der Inhalt konnte einen Anhalt geben , wohin der Verstorbene sie hatte bringen wollen . Aber es fand sich keinerlei Anhalt , keine Notiz . Nichts . Nicht einmal beweisen kann meine Mutter , daß diese Mappe Ihrem Herrn Vater gehörte . Der Inhalt ist der unpersönlichste von der Welt . Aber er hat doch auch Beweiskraft in sich , durch seine Art ... « » Beweiskraft ? « » Ja . Es ist nämlich Geld . Preußische Konsols . Dreißig Stück . Im Gesamtwert von einundachtzigtausend Mark . « Nun öffnete Leutnant Rositz leicht den Mund . Aber keine hastige Frage kam heraus . Er schien ganz verdutzt . Raspe ließ ihm Zeit und setzte förmlich hinzu : » Sie begreifen , daß meine Mutter Wert darauf legte , mich mit dieser Mission zu betrauen . « » Aber gewiß ! Gott , wir sind Ihnen enorm dankbar ! Wir hatten schon gesehen aus Abrechnungen , Bankzetteln und so - da mußte noch Geld sein , von dem wir nichts wußten . Ein Depotschein war da - über eine annähernde Summe - Deutsche Bank - ja - aber da mußte mehr sein . - Offenbar - Papa hat die Papiere irgendwo weggeholt , um sie anderswo zu verwahren - Gott ja - wir sind Ihnen enorm dankbar - Ihrer Frau Mutter natürlich in erster Linie auch . « Das kam alles in raschestem Tempo heraus . Raspe hörte - ein freudiger Ton klang mit und wurde im Laufe der Rede immer deutlicher . - - Wie ihn das verletzte ! Seine Aufgabe war zu Ende . Sie hatte sich leicht erledigen lassen . Er erhob sich . Viktor Rositz begleitete ihn hinaus - über den prächtigen Korridor bis zur Garderobe neben der Eingangstür , und Raspe hatte noch eine Menge rasch heruntergehaspelter Verbindlichkeiten hören können , und wie der jüngere Kamerad sich freue , durch diese so ernste und ungewöhnliche Angelegenheit einen scharmanten Kameraden kennen gelernt zu haben . Aber Raspe dachte nur : ob die Schwester nicht noch einmal zufällig des Weges käme ... Nichts rührte sich im Korridor . Da war nur der Diener , den Viktor mit einer Handbewegung in den Hintergrund gescheucht hatte , um Raspe selbst in den Mantel zu helfen . Mit einer seltsamen Empfindung verließ er das Haus . Versonnen ging er , fast zögernd , auf die Pforte zu . Und als er am Gitter entlang schritt , sah er sich noch einmal die stattlich heitere Front des weißen Barockbaues an . Da bemerkte er oben an einem Fenster ein weißes Gesicht ... Er grüßte hinauf ... Und er konnte sich selbst nicht begreifen . - Das war ja wie etwas Erwartetes und Schönes . Seine Mutter war dann wehmütig glücklich , als sie vom Verlauf des Besuches hörte . Raspe verschwieg ihr nicht , daß er die Tochter gesehen und gesprochen habe . Und das feine Ohr der Mutterliebe hörte wohl : es war Interesse in seinem Ton - fast Befangenheit . Sie seufzte in sich hinein . Möglichkeiten stiegen vor ihr auf , die zugleich schon vergingen . - Wünsche blitzten und erloschen . - Ja , wenn der Tod nicht dazwischen gekommen wäre . - Wenn der teure Freund ihr noch die Tochter hätte bringen können - vielleicht , daß Tulla und Raspe sich kennen gelernt hätten - kennen und lieben . - - Wenn Menschenhänden Macht und Recht würde , die Leben zusammenzuknüpfen , die eine schöne Verbindung bedeuten könnten . - Aber