wenn sie verliebt sind , sie Lampen haben müssen mit hellrosa Gazeschleiern . Da saß sie im rosa Lampenschein , das hübsche Wachspuppengesicht ganz feierlich , das Haar glänzend schwarz , in ihrem violetten Kleide wie ganz in weiche Veilchen eingehüllt , und wartete auf ihn . Und es wird immer später , und das Wachspuppengesicht wird immer starrer und endlich weint sie , wie nur die kleine Lydia Dachhausen weinen kann , ganz mühelos einen Strom von Tränen über das Gesicht schüttend , das sich nicht verzieht , das unbewegt bleibt , sie weint , wie Puppen weinen würden , wenn sie weinen könnten . Egloff lächelte , der Gedanke an die einsam unter ihren rosa Lampen um ihn weinende Frau tat ihm wohl , und dann plötzlich mußte er an Fastrade denken , an die Fastrade der Kindheit , an das kleine Mädchen , das ihn mit der geballten Faust vor die Brust stößt und » Pfui ! « sagt . Unruhig drehte er sich auf die Seite , griff nach dem Glase und trank , endlich drückte er auf den Knopf der elektrischen Klingel . Als Klaus erschien , befahl Egloff : » Der Jude Laibe soll zu mir heraufkommen , wenn er seine Zeremonien beendet hat . « » Zu Befehl « , sagte Klaus . Egloff legte sich wieder zurück , zog an seiner Zigarre und wartete ungeduldig auf den Juden Laibe . Nach einer Weile wurde die Tür vorsichtig geöffnet , und der Jude Laibe schob sich in das Zimmer , er war fest in seinen grüngrauen Rock eingeknöpft , das graue Haar und der dichte , graue Bart waren glatt gestrichen , und sein Gesicht verzog sich zu einem unendlich liebenswürdigen , freundlichen Lächeln . Er verbeugte sich mehrere Male , rieb sich die Hände und sagte : » Gut Schabbes , Herr Baron , gut Schabbes . « - » Du kannst dich da an den Kamin stellen und wärmen , « bedeutete ihm Egloff , » wenn du willst , kannst du dich auch auf den kleinen Stuhl dort setzen . « Laibe setzte sich , legte die Handflächen auf die Kniescheiben und fuhr fort , sein süßes Lächeln vor sich hin zu lächeln . Egloff betrachtete ihn aufmerksam . » Was ist denn geschehen , « fragte er dann , » eben noch kriechst du durch den Schnee im dunklen Walde wie ein klagender Hase und jetzt kommst du herein , reibst dir die Hände wie ein Ballherr und machst ein Gesicht , als ob du Hochzeit halten solltest . « » Ein Dach überm Kopfe , Herr , « sagte Laibe , » ist was Gutes , und eine warme Stube ist auch was Gutes , warum soll ich mich dann nicht freuen ? « » Ist das alles ? « meinte Egloff . Laibe wurde ernster , strich mit der Hand über seinen Bart und rollte seine blanken , sirupfarbenen Augen . » Das nu versteht der Herr Baron nicht , das ist unsere Religion , heute muß man froh sein , ob man will oder nicht . « » So , so , nur weil es befohlen ist « , sagte Egloff . » Weil es befohlen ist , « bestätigte Laibe , » die ganze Woche schindet man sich und fürchtet sich , und an einem Tag erinnert man sich , daß alles einmal ganz gut werden wird . Versprochen ist es , nun , und man wartet . « » Wartet « , wiederholte Egloff höhnisch . » Was kann man anders tun , man wartet « , versetzte Laibe mit Bestimmtheit . Egloff richtete sich ein wenig auf und sagte plötzlich ungewöhnlich heftig : » Und dieses Warten macht uns alle zum Narren , man wartet und wartet , man tut dies und das , um sich die Zeit zu vertreiben , aber das Große , die Hauptsache , die soll noch kommen . Und die Zeit vergeht , und nichts kommt , und wir sind die Narren . « Ärgerlich ließ Egloff sich in die Kissen zurückfallen , der Jude warf einen schnellen ängstlichen Blick auf den Baron , krümmte den Rücken und sagte leise und demütig : » Das Warten ist nichts für die großen Herren , ein Edelmann hat hitziges Blut , der wartet nicht gern , aber ein armes Judchen hat nichts anderes . « » Du hast doch dein Geld , « warf Egloff ein , » das macht dich doch glücklich . Wenn du einen Bauer betrogen hast , dann bist du glücklich , wenn du was über die Grenze geschmuggelt hast , dann bist du glücklich , wenn du ein Kalbsfell unterm Preise gekauft hast , dann bist du glücklich . « Laibe wiegte bedächtig seinen Kopf : » Glücklich , Spaß , ein schönes Glück . Dann ist der auch glücklich , der recht hungrig ist , und um ihn herum stehen lauter Braten , und die dampfen und die riechen gut , und er darf sie alle riechen und keinen anrühren . Glücklich , wenn ich immer nur an dem Geld der anderen vorübergehen und vorüberfahren muß . Und da fahre ich durch den Wald , schöne , große Stämme , reines Geld , aber nicht mein Geld . Komme ich an einer Scheune vorüber , die ist ganz voll mit Geld , aber nicht mein Geld . Das ist auch so ' n Glück . « Laibe lachte höhnisch in seinen Bart hinein . » Sag ' mal « , begann Egloff nachdenklich , » hast du immer an Geld gedacht ? Du bist doch auch jung gewesen , und in der Jugend hat man doch auch andere Gedanken im Kopf , da gibt es doch lustige Sachen . « Aber Laibe lachte wieder sein leises , höhnisches Lachen : » Ei , ei , meine Jugend , lieber Herr , was war das schon für eine Jugend . Ich war ein Bocher von