' s ! Der soll nur wieder gehen ! « Da hielten wir uns ganz still und horchten , bis wir ihn wieder fortgehen hörten ; das Kathreinl lief in die Speiskammer und sah durch das dichte Fliegengitter hinaus nach dem Weg , dann sagte sie : » Er geht schon wieder heim . Heut laß ich keinen Menschen mehr ins Haus , und morgen ... « Sie schwieg plötzlich und sah mich ganz traurig an , so daß ich fragte : » Was ist ' s morgen ? « » Morgen müssen wir halt fort - hinaus aus dem Haus « , sagte sie gepreßt , » der Bürgermeister hat mir befohlen , daß ich alles gut verschließen solle und ihm die Schlüssel bringen , damit er nicht selber herausgehen müsse wegen der Verlassenschaft . « » Und du ? « fragte ich erstaunt und erschrocken . » Ich muß halt schauen , wo ich unterkomm derweil « , sagte sie , » ich bin ja bloß ein Balg , eine Hergelaufene ; da muß erst die Verlassenschaft entscheiden , was mit mir geschieht . « Da stieg ein großer Zorn gegen die von der Verlassenschaft in mir auf , obgleich ich das Wort nicht verstand ; ich brachte es aber mit dem Begriff Verlassensein in enge Verbindung und dachte , daß das Kathreinl nun niemanden mehr habe auf der Welt , außer mir . Darum sagte ich entschlossen zu ihr : » Da hat gar niemand was zu entscheiden wegen dir , als wie ich ; und du mußt mit mir zu der Weidhoferin gehen , und sie muß dich nehmen . Und dann bleibst du bei mir . « Ich war , obgleich ich noch gar nicht wußte , ob alles so hinausginge , so erfreut über die Lösung , daß ich das Mädchen ganz fidel mit mir in der Stube herumzog und mit vielen Worten mein Glück pries , daß sie bei mir bliebe . Wir brachten den übrigen Tag ziemlich nutzlos zu und gingen fast nicht aus der Kammer . Und da wir das Vieh eingetrieben und gemolken hatten und es allmählich dunkel wurde in der Stube , begann sich das Kathreinl zu fürchten und sagte , daß sie sich nicht in ihre Kammer traue , worauf ich wieder mein Bett mit ihr teilte und die halbe Nacht mit ihr redete und sie unterhielt , bis uns endlich beiden die Augen zufielen . Die Hexenjungfer Es war schon heller Tag , als ich erwachte und mich nach dem Kathreinl umsah ; doch ihr Platz war leer , und ich hörte sie schon draußen vor dem Haus am Brunnen werken und waschen . Da stand ich gleichfalls auf und half ihr , das Tägliche zu verrichten . Wir fütterten das Vieh und gaben ihm frische Streu , darauf machte ich mich ans Melken , während das Mädchen die Morgensuppe kochte , mein Bett richtete und den Hausflöz mit dem Tannenbesen auskehrte . Und nachdem wir das Vieh auf den Anger getrieben , unsere Suppe verzehrt und das Haus verschlossen hatten , machten wir uns auf den Weg nach Sonnenreuth . Das Kathreinl hatte sein bestes Gewand angelegt und prangte in einem rotschillernden Kleid und einer leuchtendblauen Schürze mit schwarzen Blonden . Ihr kunstreich abgenähtes Mieder wurde von einem reichen Silbergeschnür zusammengehalten , und den Hals zierte eine vielreihige Silberkette mit schwerer Schließe . Um die Schultern trug sie ein buntgesticktes Seidentuch , und ihre Füße staken in weißen Strümpfen und feinen , lederbesetzten Zeugschuhen mit großen Schnallen . Diese Tracht trugen zu jener Zeit alle Mädchen und Frauen der Sonnenreuther Gegend , und dazu setzten sie schwarze Filzhüte mit langen Goldquasten und reicher Goldverschnürung auf . In einem rotbestickten Sacktuch trug das Kathreinl die Schlüssel des Hauses , eine grobe Schürze und ein Stück trockenen Brotes . Da wir unter das Kreuz kamen , wo die Mutter lag , blieben wir eine Weile still und wünschten der Toten mit Andacht die ewige Ruh und den Frieden . Dann gingen wir baß drauflos und kamen gegen zehn Uhr in der Früh nach Sonnenreuth und an das Haus des Bürgermeisters . Dem übergab das Mädchen die Schlüssel , sagte , daß die Mutter schon eingegraben sei und daß die Kuh und die Geißen auf den Abend wieder melken bräuchten ; darauf faßte sie mich bei der Hand und ging rasch und ohne dem Alten auf seine Fragen etwas zu erwidern mit mir hinaus . Wir hielten uns auch beim alten Schnepfalucka , dem Leichenbeschauer , nicht lange auf ; das Kathreinl klopfte rasch an seiner Tür und rief hinein : » Die Irscherin ist schon eingegraben ! « Dann liefen wir wieder davon und kamen gegen den Weidhof . Meine Ziehmutter wollte eben den Hennen Futter streuen , da traten wir Hand in Hand durch den Gadern in den Hof . Erschreckt schüttelte sie den ganzen Weidling voll Körner unter die Hühner , beschattete die Augen mit der Hand , um besser zu sehen , und schrie : » Daß ' s Gott gsegn ' ! Unser Bub ! Und mit der Hexenjungfer ! « Und sie bekreuzte sich und wollte rasch ins Haus ; aber ich zog das widerstrebende Mädchen hinter mir her und vertrat meiner Ziehmutter den Weg : » Haltet , Mutter ! Bleibt noch ein wenig ! Ich bring wen mit - ein Waisl , das Ihr aufnehmen mögt ! ... « Aber sie erhob abwehrend beide Hände , wandte das Gesicht weg und lief ins Haus , während dem Kathreinl langsam eine Träne nach der andern über die Wangen rollte . Das gab mir einen Stich ins Herz , und ich lief der Mutter nach und faßte sie am Gewand und schrie sie an : » Ihr sollt sie nicht weinen machen , Mutter ! Ihr sollt gnädig sein und gut , weil sie auch gut ist ! « Und da sie nicht hören mochte , drohte ich : » Wenn Ihr sie