: da mußte er Gewalt anwenden ! Hein Mück , der erst gegen Morgen von Musik gekommen war , konnte kaum die Augen offen halten , aber sein Tappen half ihm nichts : er bekam die nassen Fausthandschuhe zu schmecken und mußte tüchtig daran glauben . Halbermittag ging Kap Horn den Deich entlang , um anzusagen für die große Arbeit , die gleich nach dem Essen angegriffen werden sollte . Kap Horn war der rechte Mann für so etwas , denn er konnte gut klönen ; zwar dauerte es Stunden , bis er die hundertfünf Häuser abgeklopft hatte , aber er hatte dafür auch die Genugtuung , acht Tassen Kaffee und zwei Kirschenschnäpse eingegossen bekommen und alle an Land befindlichen Mannsleute angeworben zu haben . Störtebeker begleitete ihn ein Stück und lief dann nochmal nach dem Schuster und mahnte ihn um die langen Stiefel , freilich ohne daß er sie gekriegt hätte . Dann trabte er wieder nach dem Neß und half seinem Vater , dem er in allen Schiffsdingen der unermüdlichste und aufmerksamste Helfer war . Ein so großer Stankmacher und Ausfresser der Junge sonst war : solange er bei seinem Vater stand , vergaß er alles andere und war nur noch der lerneifrige , vielfragende Schiffsjunge . Nach Mittag standen sie dann im Sonnenschein auf dem Ewer , der schon in seiner großen Wake trieb : Schiffer , Knecht , Junge , Spielvogel und Hund . Hein Mück pumpte noch etwas , bis die Pumpe röchelte , und Störtebeker drängte das Ruder von Backbord nach Steuerbord und von Steuerbord nach Backbord , als habe er wirklich zu steuern . Klaus Mewes und Kap Horn aber schleppten die beiden schweren Trossen über das Eis . Da kamen sie vom Deich herunter und über das Eis gegangen , die Seefischer , die Wattfischer , die Lüttfischer , die Frachtschipper , es kamen der Gastwirt , der Reepschläger , der Blockmacher , der Krämer und der Segelmacher , weit über hundert Mann , alle in großen Stiefeln steckend , laut lachend und sprechend , in Gruppen und einzeln . Und die gewaltige Schar versammelte sich um den Ewer , einigte sich über den Weg , den sie nehmen wollte , und verteilte sich auf die beiden langen Kurrleinen . Alles Görenzeug lief und rannte auf den Schallen umher , und oben auf dem Deich standen die Frauen und Mädchen und guckten und warteten . Am Bollwerk und auf den Schallen aber lag die Menge der Fahrzeuge , denen der große Tag die Freiheit bringen sollte . Die vergoldeten Flögel blinkten im Sonnenschein , und in den Klüsenaugen leuchtete es vor Hoffnung . Der große Tag , - der größte Tag der Finkenwärder Fischerei , an dem sie die Mächtigkeit ihrer Flotte , die Stärke ihrer Mannschaft , die Brüderlichkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Fahrensleute am besten bewies . Allen , die ihn erlebt haben , die den großen Triumphzug vom Bollwerk bis an das weit entfernte Fahrwasser gesehen haben , hat er sich unauslöschlich in die Seele eingegrücktt . Nicht wahr , du Finkenwärder : up den Dag kannst du di ok noch besinnen ? Es kamen immer noch mehr Fahrensleute über das Eis : alle , alle wollten helfen , alle wollten dabei sein ! Nun waren der Hilfsleute genug : Klaus Mewes stand am Steven wie ein König und gröhlte , die Leinen müßten noch weiter auseinander . Und als das getan war , da rief er über das Eis , so laut er konnte : » All klor ! Een , twee , dree : allemann inne Gangen ! Huroh ! Huroh ! Huroh ! « Da sprang Kap Horn nach dem Ruder und warf es herum : die Fahrensleute aber setzten sich mit Huroh und Jümmerbeterbi und Hödjihöh in Bewegung und zogen die Leinen steif : der Ewer kam in Fahrt und schoß durch das offene Wasser , dann krachte und knackte er gegen das Eis , zerbrach es , schob es zur Seite , drückte es unter sich , bäumte sich auf , senkte sich wieder , kam aber dann zum Stehen und blieb vor einem Eisberge sitzen ! Aber ein schönes Stück war schon bewältigt . Störtebeker sprang wie ein Wiesel , hüpfte wie ein Heister , wie ein Wippsteert auf dem Ewer umher : als aber das Brechen losging , stand er neben seinem Vater , der unermüdlich anfeuerte , und hielt sich am Vorderpoller fest . Das war was für ihn . » Junge , Junge , Vadder , so geiht he god . « Stoppi - stoppi - Nun mußte ein Tau achteraus geschoren werden , und sie mußten den Ewer ein Stück rückwärts ziehen , damit sie Anlaufraum gewännen . Klaus Mewes und seine Leute gingen mit Haken daran , die Schollen vor dem Bug zu entfernen . Kord Külper aber , der spaßige , der Ontjekolontje hieß ( er hatte aus dem bremischen Dreimaster , der mit Stückgut nach Valparaiso wollte und auf Scharhörn strandete , eine ganze Kiste Kölnischen Wassers - Eau de Cologne - erbeutet und bespritzte seitdem Taschentuch und Südwester , Buscherump und Ölbüx damit , wie behauptet wurde , jedenfalls aber roch alles an ihm nach Ontjekolontje ) , Kord Külper kam heran und rief : » Klaus Störtebeker mütt no achtern gohn , anners speel ik ne mihr mit : de drückt dat Fohrtüch vör to deep dol . « » Deit he ok ! « riefen einige Knechte zur Bekräftigung . Da trat Störtebeker schweigend ab , wie Wallenstein auf dem Reichstag zu Regensburg , ging langsam nach dem Heck und stellte sich neben Kap Horn ans Ruder , damit der Ewer den Steven höher höbe . Und Jan Kröger , der laute , kam über das Eis und sagte zu Klaus Mewes : » Klaus , du büst en fixen Kirl bi de Klütenpann , dat weet wi all , du weest , wat vör un achter is annen Schipp un büst vörn doten