es kam . Und dabei fühlte ich , daß die Luft längst zu Ende war und daß ich nur mehr Ausgeatmetes einzog , das meine Lungen stehen ließen . Aber nun ist es vorbei ; ich habe es überstanden . Ich sitze in meinem Zimmer bei der Lampe ; es ist ein wenig kalt , denn ich wage es nicht , den Ofen zu versuchen ; was , wenn er rauchte und ich müßte wieder hinaus ? Ich sitze und denke : wenn ich nicht arm wäre , würde ich mir ein anderes Zimmer mieten , ein Zimmer mit Möbeln , die nicht so aufgebraucht sind , nicht so voll von früheren Mietern wie diese hier . Zuerst war es mir wirklich schwer , den Kopf in diesen Lehnstuhl zu legen ; es ist da nämlich eine gewisse schmierig-graue Mulde in seinem grünen Bezug , in die alle Köpfe zu passen scheinen . Längere Zeit gebrauchte ich die Vorsicht , ein Taschentuch unter meine Haare zu legen , aber jetzt bin ich zu müde dazu ; ich habe gefunden , daß es auch so geht und daß die kleine Vertiefung genau für meinen Hinterkopf gemacht ist , wie nach Maß . Aber ich würde mir , wenn ich nicht arm wäre , vor allem einen guten Ofen kaufen , und ich würde das reine , starke Holz heizen , welches aus dem Gebirge kommt , und nicht diese trostlosen têtes-de-moineau , deren Dunst das Atmen so bang macht und den Kopf so wirr . Und dann müßte jemand da sein , der ohne grobes Geräusch aufräumt und der das Feuer besorgt , wie ich es brauche ; denn oft , wenn ich eine Viertelstunde vor dem Ofen knien muß und rütteln , die Stirnhaut gespannt von der nahen Glut und mit Hitze in den offenen Augen , gebe ich alles aus , was ich für den Tag an Kraft habe , und wenn ich dann unter die Leute komme , haben sie es natürlich leicht . Ich würde manchmal , wenn großes Gedränge ist , einen Wagen nehmen , vorbeifahren , ich würde täglich in einem Duval essen ... und nicht mehr in die Crémerien kriechen ... Ob er wohl auch in einem Duval gewesen wäre ? Nein . Dort hätte er nicht auf mich warten dürfen . Sterbende läßt man nicht hinein . Sterbende ? Ich sitze ja jetzt in meiner Stube ; ich kann ja versuchen , ruhig über das nachzudenken , was mir begegnet ist . Es ist gut , nichts im Ungewissen zu lassen . Also ich trat ein und sah zuerst nur , daß der Tisch , an dem ich öfters zu sitzen pflegte , von jemandem anderen eingenommen war . Ich grüßte nach dem kleinen Buffet hin , bestellte und setzte mich nebenan . Aber da fühlte ich ihn , obwohl er sich nicht rührte . Gerade seine Regungslosigkeit fühlte ich und begriff sie mit einem Schlage . Die Verbindung zwischen uns war hergestellt , und ich wußte , daß er erstarrt war vor Entsetzen . Ich wußte , daß das Entsetzen ihn gelähmt hatte , Entsetzen über etwas , was in ihm geschah . Vielleicht brach ein Gefäß in ihm , vielleicht trat ein Gift , das er lange gefürchtet hatte , gerade jetzt in seine Herzkammer ein , vielleicht ging ein großes Geschwür auf in seinem Gehirn wie eine Sonne , die ihm die Welt verwandelte . Mit unbeschreiblicher Anstrengung zwang ich mich , nach ihm hinzusehen , denn ich hoffte noch , daß alles Einbildung sei . Aber es geschah , daß ich aufsprang und hinausstürzte ; denn ich hatte mich nicht geirrt . Er saß da in einem dicken , schwarzen Wintermantel , und sein graues , gespanntes Gesicht hing tief in ein wollenes Halstuch . Sein Mund war geschlossen , als wäre er mit großer Wucht zugefallen , aber es war nicht möglich zu sagen , ob seine Augen noch schauten : beschlagene , rauchgraue Brillengläser lagen davor und zitterten ein wenig . Seine Nasenflügel waren aufgerissen , und das lange Haar über seinen Schläfen , aus denen alles weggenommen war , welkte wie in zu großer Hitze . Seine Ohren waren lang , gelb , mit großen Schatten hinter sich . Ja , er wußte , daß er sich jetzt von allem entfernte nicht nur von den Menschen . Ein Augenblick noch , und alles wird seinen Sinn verloren haben , und dieser Tisch und die Tasse und der Stuhl , an den er sich klammert , alles Tägliche und Nächste wird unverständlich geworden sein , fremd und schwer . So saß er da und wartete , bis es geschehen sein würde . Und wehrte sich nicht mehr . Und ich wehre mich noch . Ich wehre mich , obwohl ich weiß , daß mir das Herz schon heraus hängt und daß ich doch nicht mehr leben kann , auch wenn meine Quäler jetzt von mir abließen . Ich sage mir : es ist nichts geschehen , und doch habe ich jenen Mann nur begreifen können , weil auch in mir etwas vor sich geht , das anfängt , mich von allem zu entfernen und abzutrennen . Wie graute mir immer , wenn ich von einem Sterbenden sagen hörte : er konnte schon niemanden mehr erkennen . Dann stellte ich mir ein einsames Gesicht vor , das sich aufhob aus Kissen und suchte , nach etwas Bekanntem suchte , nach etwas schon einmal Gesehenem suchte , aber es war nichts da . Wenn meine Furcht nicht so groß wäre , so würde ich mich damit trösten , daß es nicht unmöglich ist , alles anders zu sehen und doch zu leben . Aber ich fürchte mich , ich fürchte mich namenlos vor dieser Veränderung . Ich bin ja noch gar nicht in dieser Welt eingewöhnt gewesen , die mir gut scheint . Was soll ich in einer anderen ? Ich würde so gerne unter den Bedeutungen bleiben ,