Niagara kennen lernen werden , und dann wird es sich ja finden , wie wir uns zu Beiden zu stellen haben , um sie nicht zu zwingen , in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten . Der Doktor sprach gestern von einem Dämon in ihnen . Dieser Dämon hat uns hier aufgefunden , hat uns entdeckt . Es ist der Sandersche Zwang zum Morde . Du siehst , unsere Reise beginnt , sehr interessant , ja hochinteressant zu werden , noch ehe wir die ersten Schritte tun . « » Siehst du Gefahr voraus ? « » O nein ! Ich sehe nur , daß wir hinüber müssen , um den Mount Winnetou und Tatellah-Satah , den Bewahrer der großen Medizin , kennen zu lernen . Er schreibt mir , daß ich meinen Winnetou retten soll . Habe ich das zu tun , so gibt es für mich keine Gefahr . Etwa für dich ? « » Für mich ebensowenig . Ich gehe fröhlich mit ! « » Dann vorwärts also , und wohlauf zur glücklichen Fahrt ! « - - - Zweites Kapitel Nach der Teufelskanzel Und nun waren wir bei den Niagarafällen . Wir wohnten im Clifton-House , unweit der kanadischen Mündung der Hängebrücke . Man hat von diesem Hotel aus einen geradezu unvergleichlichen Blick auf das grandiose Schauspiel der stürzenden Wassermassen . Die besten Zimmer liegen in der ersten Etage und sind den Fällen zugewendet . Sie münden alle auf eine lange , vielleicht acht Schritte breite Plattform , die ein gemeinschaftliches Säulendach überragt . Wer vom Korridor aus seinen Raum betritt , ihn quer durchschreitet und sich durch die gegenüberliegende Tür hinaus auf die Plattform begibt , der hat beide Fälle , den geraden und den hufeisenförmigen , genau in eindrucksfähiger Perspektive vor seinen Augen . Wenn dieses Hotel in Deutschland läge , so würde man die Gemeinschaftlichkeit dieses Altanes für alle Bewohner dieser Zimmerreihe als einen Uebelstand empfinden , der durch Zwischenwände schleunigst zu beseitigen sei . Da drüben aber hat jeder Gast eine zwar unsichtbare aber so hohe und so starke Mauer um sich gezogen , daß gar keine hölzernen Scheidewände nötig sind , um Jedermann gegen Zudringlichkeiten und Indiskretionen zu sichern . Dennoch freute ich mich darüber , daß , als wir kamen , grad die den Fällen nächstgelegene Ecke dieser Zimmerreihe freigeworden war , so daß wir also anstatt zwei nur einen einzigen Nachbar haben konnten . Und dieser Eine war ein Paar , und dieses Paar hieß - - Hariman F. Enters und Sebulon L. Enters . Es hatte mir geahnt , daß die Brüder nicht warten , sondern sich hier einquartieren würden , um bei unserer Ankunst sofort anwesend zu sein . Aber daß unsere beiderseitigen Zimmer aneinander stießen , das war ein Umstand , den man mit einer Ahnung wohl kaum hätte erreichen können . Ich muß gestehen , daß es mir keineswegs unlieb war , grad diese Beiden neben mir zu haben . Ein jeder neu eingetretene Gast des Clifton-Hotels hat sich sofort in der am Parlour liegenden Office einzutragen . Das ist die einzige Auskunft , die man von ihm verlangt . Ich schrieb uns als » Mr. Burton und Frau « in das Buch . Dieses Pseudonym war deshalb notwendig , weil man mich verpflichtet hatte , den eigentlichen Grund , der mich hinüberführte , geheimzuhalten . Ich war also gezwungen , auf meinen wirklichen Namen , den man da drüben sehr wohl kennt , für jetzt zu verzichten . Unsere Wohnung bestand aus drei Räumen , die , wie bereits gesagt , eine Ecke ausfüllten . Das Zimmer meiner Frau lag nach dem Hufeisenfalle , war größer als das meinige , hatte aber keinen Balkon . Das meinige hatte die Aussicht nach dem Vereinigten-Staaten-Katarakt , war kleiner , öffnete sich dafür aber nach der großen Plattform , auf der ich mich so häuslich einrichten konnte , wie es mir nur immer beliebte . Zwischen diesen beiden Zimmern lag der Garderobe- und Toilettenraum , der sie in amerikanisch praktischer Weise vereinigte . Als uns dieses Logis angewiesen und gezeigt wurde , fragte ich den Kellner , der dies tat , wer neben uns wohne . » Zwei Brüder , « antwortete er . » Sie sind Yankees und heißen Enters . Aber sie wohnen eigentlich nur halb in unserm Hause . Sie schlafen nur hier ; sie speisen anderswo . Sie gehen früh fort und kommen erst abends wieder , wenn es keine Tafel mehr gibt . « Er machte dabei ein so eigenartiges Gesicht , daß ich mich erkundigte : » Warum tun sie das ? « Er zuckte die Achsel und antwortete : » Unser Clifton-House ist ein Hotel ersten Ranges . Wer diesem Range nicht angehört , der wird wohl hier schlafen , nicht aber auch hier speisen und mit den andern Gästen verkehren können . Er versucht es vielleicht einmal , fühlt sich dabei aber derart schnell erkannt und abgestoßen , daß er den Versuch gewiß nicht wiederholt . « Das war sehr aufrichtig gesprochen ! Wenigstens sechzig Prozent der dortigen Kellner sind Deutsche oder Oesterreicher . Dieser aber war ein kanadischer Engländer ; daher dieser ebenso selbständige wie selbstbewußte Ton . Als er mich dabei schon mehr taxierend als forschend betrachtete , so sagte ich ihm , daß ich zu der Klasse gehöre , in der man den Betrag der Trinkgelder teilt . Die eine Hälfte gibt man sofort bei der Ankunft , um zu zeigen , daß man gern zufriedengestellt sein will , und die andere Hälfte entrichtet man dann bei der Abreise , oder man zahlt sie auch nicht , um zu zeigen , ob man zufriedengestellt worden ist oder nicht . Bei diesen Worten drückte ich ihm die erste Hälfte in die Hand . Er betrachtete die Note sehr ungeniert , um zu sehen , wie viel sie betrug ; dann aber machte er eine Verbeugung , wie kein Deutscher und kein Oesterreicher sie hochachtungstiefer hätte machen können