, wie falsch es ist , Schlimmes in den geheimen Künsten zu sehen . Über die ganze Erde hat Gott den Menschen gesetzet , also auch über ihre geheimen Schätze . Wie die Abendburg ist die Erde - heget Gold und Edelgestein , dem gemeinen Volke verschlossen , und nur dem Adepten zugänglich . Werde drum ein Adepte , Johannes . Hebe den Schatz , so nach himmlischer Bestimmung für dich bereit lieget . Willst du das , Johannes ? Nun wohl , so werde ich Mittel und Wege dazu ausfindig machen . Bist du aber auch bewandert in der Kunst des Schweigens ? Gänzlich unerläßlich ist sie dem Jünger geheimer Wissenschaft . Zu schweigen gilt es gegen jedermann - merke , auch gegen deine Eltern . Bist groß genung , jetzt ohne der Mutter Schürzenbändel deinen Weg zu gehen . « Da ich nun beteuerte , ich habe zum Schweigen jeglichen guten Willen und auch bereits etliche Kraft , loderten des Oheims Augen , und er sprach priesterlich : » Wohlan , so nehme ich dich zu meinem trauten Gesellen und Famulo an und verheiße , dich einzuweihen in alle Fertigkeiten , so ich errungen habe oder noch erringen werde . Künftigen Sonntag soll die Lehre anheben . « Dann wandte er das Angesicht zum Fenster , starrte nach den blauen Bergen und murmelte dunkle Worte . Als wir am Sonntag aus der Kirche heimgekehrt waren und zu Mittag gegessen hatten , richtete ich meine Augen ernst und fragend auf den Oheim . Er nickte mir zu , erschloß den Riegel der bunten Truhe und langte geheftete Skripturen heraus . Im Triumphe hielt er sie hoch : » Siehe hier den Mittler , so dich zum Goldschatz geleiten wird . Komm her und lies ! « Voll Ehrfurcht empfing ich die Skripturen , setzte mich an den Tisch und wollte still für mich lesen . Doch der Oheim nahm bei mir Platz und sprach : » Lies nur laut ! Nicht oft genung kann ich diese Wissenschaft vernehmen . Auch ist nötig , daß wir Rates darob pflegen . « So erhub ich denn die Stimme und las die verblichene Schrift , zu manchen Malen stockend und vor Beklommenheit seufzend . Der verschnörkelte Titul aber lautete : » Nachrichten von den Walen - wer sie gewesen , wo sie Golderz aufgesuchet und gefunden , wie solches geschmelzet und zu gut gemacht - auch wie sie aus Erzen und Kräutern Gold gebracht - nach alten Schriften denen Liebhabern des Bergwerkes und der chymischen Kunst eröffnet . « » Walen « - so sagte die Schrift - » heißet ein fremdländisch Volk . « Von diesen Leuten sind viele seit alter Zeit im Bergwerke wohl erfahren und haben ihre Kenntnis der Erze oftmals in teutschen Landen probieret . Sind als Landfahrer und Scholaren ins Erzgebirge und Schneegebirge gezogen , daselbst verborgene Edelmetalle auszuspüren . Nachdem sie erkundschaftet , wo die besten Goldkörner oder Edelgesteine liegen , haben sie an Felsen und Bäumen Erkennungszeichen angebracht , auch in Bücher geschrieben , wie man zu den Orten gelanget . Wie kostbar aber der Walen Wissenschaft , geht aus folgender wohlverbürgten Nachricht herfür . Vor mehr als einem Saeculo kam alle Jahr ein fremder Mann mit einer Hucke vom Gebirgskamm niedergestiegen . Was aber der Hucke Inhalt gewesen , ist hinterher an Tag gelanget . Ein Junker , so auf der Jagd hin und wieder dem Manne begegnet ist , kommt nach Venedig und siehet denselbigen fremden Mann in fürnehmer Kleidung mit Dienerschaft in einer Gondel fahren . Den Junker erkennend , lässet dieser Venediger anhalten , grüßet unsern Teutschen und ladet ihn ein , seinen Palazzo zu besichtigen . Nach der Gasterei bezwingt der Junker nicht länger seine Begierde und forschet , wie es denn hergegangen , daß aus einem armen Huckenträger solch ein Nobile worden . » Eben vom Huckentragen , « antwortet lächelnd der Venediger ; » denn in der Hucke ist eurer Berge Gold gewesen . « Und es hat nun der teutsche Junker vom Venediger vernommen : Hoch auf dem Reifträgergebirge , nahe bei dem zweispitzigen Steine habe er , der Huckenträger , auf einer Wiese Markasit gewaschen bis zur Größe einer Erbse . Damit er nun desto besser auf diesem goldreichen Gebirge ausdauere , habe er für eine Woche Proviant mitgenommen und bei klarem Wetter den Aupengrund hinter der Schneekoppe besucht . In einer Einöde seien Gerippe von Menschen gelegen , die sich vorzeiten an den goldreichen Ort begeben haben , doch , nicht genugsam verproviantieret , Hungers gestorben sind . Dorten nun habe er kostbare Edelsteine aufgelesen , auch viel gutes Gold , Körner wie Haselnüsse . Nachdem der Venediger solchen Bericht getan , hat er seinem teutschen Gaste im Marmor der Speisehalle folgende Inschrift gewiesen : » Montes corconos fecerunt nos dominos . « Zu teutsch : » Das Reifträgergebirge hat uns zu großen Herren gemacht ... « Hier stutzete ich und riß die Augen auf . Der Oheim nickte mir zu : » Ja , ja - unser Reifträger , auf der böheimischen Seite Korkonosch geheißen . Doch nun schlage einmal das Kapitul auf , so mit einem Buchzeichen angezeiget ist . « Und ich las weiter : » Bei Hirschberg in Schlesien ist ein Dorf , Schreibers Hau . Gehe oben zum Dorfe hinaus über den Schwarzberg , so kommst du zum Weißen Bach . In einen Tränketrog fließen zwei Wässerlein . Am Wässerlein zur Rechten geh immer fort gen Abend . Findest auf Bergeshöh die Abendburg , einen haushohen Stein . Ist hohl , und tief innen liegt eines Königes Goldschatz begraben . Wie aber der Schatz zu heben , wird nur einem Adepten oder Johanniskinde offenbar ... « Ich hielt inne und sahe den Oheim fragend an . Dabei stellte sich meinem innern Auge die Abendburg dar , wie sie mein Vater geschildert . Den düstern Felsen sah ich durch Zauber zum Schlosse werden , gleißend vom roten Golde wie Abendgewölk .