inniger denn je gegen mich , weil sie meinten , ich sei es ; der warme Gewitterregen müßte mein Herz befruchtet haben , das sonst ohne Grün und Blätter nur kühle Worte zu sprechen pflege . Leopold hüpfte herum wie ein kleiner Flamingo , der seine Farbenpracht in wehenden Flügeln schillern läßt . Wenn mein Gefühl Feiertag hält , reich ' ich ihm gern dieses kleine duftende Riechfläschchen , und wenn der Herbst einen sonnigen warmen Tag bringt , da werden die Menschen alle wärmer und poetischer als im stets heißen Juni , denn die Überraschung befängt sie in goldenen Netzen , und die Überraschung ertappt das Beste im Menschen . Wir ließen uns alle auf Empfindungswogen schaukeln , und die übrigen meinten , ich sei schuld daran , weil ich endlich einmal meinen Rock aufgeknöpft hätte . Kamilla , mit der ich sonst nur in blitzenden Gefechten spiele , war weniger widersprechend , mehr ergeben , liebenswürdig , Alberta , ein südlicher Liebesgedanke , zitterte wie ein arabisch Lied in weicher Nachtluft , William war still und sanft . Wir setzten uns in eine Laube und sprachen von Sternen und Gott und Liebe . Der Graf ritt unweit von uns am Gartenzaune vorüber , er kam aus der Stadt ; William ging , ihn zu begrüßen , Leopold ward bald darauf vom Reitknecht abberufen , der ihm Briefe mitgebracht . Ich war allein mit den in Empfindung schauernden Mädchen , das Herz drängte sich in meinen Kopf , ich sprach - das nächstemal , Freund , ich sprach zuviel für unbefangene Mädchen . 8. Konstantin an Valerius . Berlin , den 6. Juni . Symb . Der nur ist ein großer Mann , Der vom Himmel nichts erbittet , Außer was man essen kann . Der inliegende Wisch - man hört aus allem nur das bittere Nein - ist von einem Vater an seinen Sohn , worin er ihm verkündet , daß er die väterliche Hand abziehe von dem Heidensohne . Ich lege Dir ihn bei , weil Du ihn vielleicht für eine bürgerliche Tragödie oder einen zivilisierten Roman brauchen kannst . Mein Vater schreibt einen lehrreichen , deutlichen Stil ; das Aktenstück kann klassisch werden . » Bardolph eine andere Farbe , aber halte sie nicht zu hoch an Deine glühende Nase . « » Nyms . Das ist eben der Humor davon . « Ich habe hier einige sehr gescheite Leute kennen gelernt und manche andere . Die Mäßigkeit ist eine schöne , aber seltene Tugend . - In meines Vaters Briefe ohne Datum befinden sich einige Grobheiten , die mit dieser Erwähnung abgefertigt sein sollen . Meine Schwester , das gute Ding , schickt mir unter der Hand einiges Papiergeld - wenn ich nur gutes Wasser habe , so lasse ich alles Bier stehen und trinke Wein . Ich werde ein Dutzend fade Lustspiele schreiben - wofür bin ich fade und lustig ? und darüber setzen » aus dem Französischen des X.Y.Z. « - Nur eine ausländische Firma hat Kredit und wird auch den Vater vergessen lehren . Töpfer macht es freilich umgekehrt , er übersetzt ein Lustspiel von Planché aus dem Englischen und schreibt ausdrücklich » Originallustspiel von Töpfer . « Es freut mich immer , wenn ich irgend einem Menschen begegne : Du schriebst mir neulich » man weiß noch zu wenig « , und dieses Bewußtsein des Nichtwissens erfüllt mich jetzt ganz und gar . Hast Du Börnes Schriften noch nicht gelesen , so rate ich Dir , sie schleunigst vorzunehmen : das ist ein kapitaler Kerl . Gestern hab ' ich drei Festspiele geschrieben , weil ich heute essen wollte . Morgen werde ich eine Novelle schreiben in biblischem Stile : » Wie der ungeratene Sohn nach Berlin reist und sich betrügen läßt . « Weil ich jetzt edieren will , lobe ich des alten Claudius Alphabet : V. Vor Kritikastern hüte Dich , W. Wer Pech angreift , besudelt sich . W. Wer Pech angreift , besudelt sich , V. Vor Kritikastern hüte Dich . Vor allen Dingen aber empfehle ich Dir dringend : halte Deine Pflegebefohlenen fern von aller produzierenden Poesie ! Du weißt selbst , daß sie zwar schöne Stunden schafft , weißt aber auch , daß Poeten ( nach wiederholten Bescheiden des Kammergerichts ) immer noch mit Seiltänzern , liederlichen Dirnen und sonstigem Gesindel von der » feinen Welt « auf eine Stufe gestellt werden . Ferner erzeugt die Poesie Mangel an Selbstdenken , raubt die höheren Gesichtspunkte usw. - welches alles zur instruktionsmäßigen Verwaltung vieler Ämter so unumgänglich notwendig ist , kurz , sie macht uns zu rohen , unbrauchbaren Menschen . Wir sind nun einmal von diesem Gifte angesteckt und werden es wohl nie wieder ganz los werden . Das müssen wir ertragen ; aber verhindern wollen wir doch , daß unsere heranwachsende Jugend mehr davon erschnappe , als zur Führung eines geistreichen Gesprächs in einer Teegesellschaft nötig ist . Dixi . - Wir wollen doch die Rezensionen abwarten , die sich im Jahre 18- oder 19- in irgend einem Literaturblatte verbreiten werden über » pp. sämtliche Werke , zum ersten Male gesammelt und zum Besten der Familie des zu früh Verblichenen von ppp . « - Ich verbleiche schon sehr . Was Rosa macht ? O , sie ist sehr munter , ich sah sie gestern in der Oper . Die Heinefetter sang vortrefflich , und Rosa schien sehr erfreut davon , wenigstens gebärdete sie sich sehr heiter und lustig mit ihren Nachbarn - ich kann ' s nicht verbürgen , denn ich war weit davon im Parterre , und Röschen blühte in einer Loge , und mein Glas war nicht recht durchsichtig . Übrigens lebe wohl , mein lieber Junge ! Über der ganzen Welt scheint ein unendlicher Katzenjammer zu hangen , und selbst der Mutigste erfreut sich höchstens dessen , was Tieck in bezug auf Kleist » eine herbe Frische « nennt . Die Welt ist krank , und die Zeit der Schäferspiele