unterhalten . Werland sprach mit Lene , nachlässig und schon ein wenig schläfrig . In einer Fensternische standen Rast und Karola . Werner konnte Karolas Profil sehen , das sich scharf und rein von dem dunkeln Vorhang abhob . Sie stand sehr gerade , die Taille ein wenig zurückgebogen . Werner hörte nur scheinbar der Geschichte von einer Trine zu , welche widerwillig war , die die Baronin Huhn ihm erzählte . Eine tiefe Verstimmung quälte ihn , ein Gefühl , als sei es nun mit etwas vorüber , das ihm lieb und nötig gewesen war . Warum lachte Lene so unnatürlich ? Und dann bewegte sie die Hände zuviel beim Sprechen , das sah ungeschickt aus . Er horchte zum Fenster hinüber . Rast schien von Pferden zu sprechen und von Rennen . Auch Karola lachte heute , wie sie sonst nicht lachte , so ein helles , girrendes Lachen . Konnte sie das denn wirklich unterhalten , was der große , schwarze Herr da erzählte ? Werner versank in Gedanken . Er sah das Zimmer vor sich , wie es an den einsamen Abenden war , wenn er hier saß , und Karola zu den Füßen ihres Gatten kauerte und mit der Hand über sein Bein hinstrich , und es ganz stille war , so still , daß sie das Nagen der Maus hinter dem Getäfel hörten , und Karola zu ihm aufsah , und er zu ihr niederschaute , und ihre Blicke ruhig und lange ineinander ruhten , und ihr Schweigen eine so seltsam erregte Zwiesprache hielt . Am Kamin war es still geworden . Werland schlief in seinem Sessel . Lene saß stumm und verlegen da . Drüben am Fenster standen sie noch immer beisammen , aber ihre Stimmen waren jetzt gedämpfter . » Ja , es ist schwer mit den Leuten « , schloß die Baronin Huhn ihre Erzählung und seufzte . Die beiden Stimmen in der Fensternische waren nun der einzige Ton im Zimmer . Der Baß weich , ein wenig singend . Karolas Alt antwortete eindringlich , schien es Werner , und mit einem kindlichen Schmollen , das er an ihr nicht kannte . Werner erhob sich . » Lene , es ist spät . « Man brach auf . Auf der Heimfahrt , im Schlitten , war Lene sehr gesprächig : sie hatte sich gut unterhalten , dieser Baron Rast war sehr merkwürdig - , interessant konnte man sagen . Man mußte mit ihm auf seiner Hut sein , mußte ihn in seine Schranken zurückweisen . Aber unterhaltend war er . » Hast du ihn in seine Schranken zurückgewiesen ? « fragte Werner spöttisch . » Gewiß « - erwiderte Lene . » Übrigens « , sagte Werner , » mußt du darauf achten , beim Sprechen nicht soviel zu gestikulieren . Das sieht schlecht aus . « » Ich gestikuliere gar nicht « , behauptete Lene gereizt . » Und übrigens gestikulieren die anderen auch . « Nun schwieg sie gekränkt . Werner war unzufrieden mit sich . Warum mußte er dieses unschuldige , kleine Selbstbewußtsein niederschlagen , warum ihr den Abend verderben ? - nur weil er sich unglücklich fühlte . Und warum war er unglücklich ? Er hatte ja nicht einmal das Recht , unglücklich zu sein . Lene aber mußte ihre kleine Rache haben . Sie äußerte : » Die Baronin hat aber heute mit dem Baron Rast kokettiert . Oh ! die geniert sich nicht . « Werner hatte aus Schloß Dumala längere Zeit nichts gehört . Der Winter mit plötzlichem Frost und dann wieder Tauwetter fing übel an . Überall herrschten Krankheiten . Werner mußte Krankenbesuche machen und Beerdigungsreden halten . Er arbeitete stark und eifrig . Der letzte Abend im Schlosse hatte etwas wie eine Unruhe , eine Qual in ihm zurückgelassen . Die mußten niedergekämpft werden , da sie ihm verdächtig erschienen . Er sah Rast zuweilen nach Dumala vorüberfahren . Lene hatte eine unangenehme Art , das jedesmal laut zu verkünden , als sei es ein Ereignis . » Da fährt der Baron Rast wieder nach Dumala . « » Nun ja , warum nicht « , antwortete Werner darin möglichst ruhig , aber es klang doch gereizt . Sonntags sah Werner Karola in ihrem Kirchenstuhl . Neben ihr saß Rast in dem seinen . Sie nickten einander zu , lächelten . Zuweilen neigte Rast sich zu ihr hinüber , sagte etwas , wie im Salon . Karola hob ihren Muff an den Mund . Werner schlug mit der Faust auf den Rand der Kanzel , donnerte auf die Gemeinde hinunter , so daß die alten Frauen aus ihrem Schlaf erwachten und verwundert zu ihm aufschauten . Beim Mittagessen sprach er sich sehr streng über dieses Benehmen in der Kirche aus . Als am Abend jedoch ein weißer Nebel sich über die Ebene legte , das Haus ringsum wie in feuchte Watte einpackte und die Welt eng , ganz eng machte , da trieb es Werner hinaus nach Dumala . Ohne einen Gedanken daran zu wenden , ohne mit sich zu streiten , zog er den Pelz an , nahm den Stock . Er kannte das an sich . Wenn es in ihm plötzlich stark nach etwas schrie , da half nichts . » Du gehst ? « fragte Lene verwundert . » Ja , ich will in Dumala nach dem Baron sehen . « - » Jetzt - plötzlich ? « - » Ja , jetzt - plötzlich . « Draußen vermochte er kaum drei Schritte weit zu sehen . Überall das weiße , kalte Fließen , das alles verhängte , in dem er allein war , ganz , ganz allein . Alles andere war ausgelöscht , selbst die Töne erstarben . Das tat wohl . Wie in einer Unendlichkeit stand er , kein Anfang , kein Ende . Hier , in dieser Einsamkeit mußte es gut sein , eines zu retten , das in Gefahr war . Heraus ans allem in