Der Schuller gab ihr keine Antwort ; er sah zum Fenster hinaus auf die Straße . Schräg gegenüber beim Schuhsteffel standen noch einige Kirchgängerinnen und steckten die Köpfe zusammen . Hie und da drehte sich eine herum und warf einen geschwinden Blick herüber . Da sagte der Schuller : » Bäurin , tua mir an Rock außa . I geh ' ins Wirtshaus . « » Geh , bleib dahoam ! De red ' n heut ' do nix anders , als wia vo dera Predigt . « » Grad ' desz ' weg ' n geh ' n i. Sinscht moana d ' Leut ' , i vasteck ' mi . « Er legte den dunkelblauen Feiertagsrock an und ging durch das Dorf . Die Bäcker Ulrich Marie , welche sich hinter ihre Haustüre stellte und ihm lange nachsah , wunderte sich über seine ruhige Miene und sagte zu der Zwergerin : » Er muaß ' s no it wissen . « Die Zwergerin kannte die Menschen besser . » Do bist irr ' , « sagte sie , » wenn ' st moanst , der Schuller loßt si was mirk ' n. Der woaß ' s scho lang ' . « Beim Wirt saßen viele Leute ; man hörte ihre Unterhaltung schon im Hausgange . Aber wie der Schuller eintrat , war es mit einem Male still , und alle drehten sich nach ihm um . Er grüßte kurz und setzte sich wie immer an den Ofentisch , wo die größeren Bauern saßen . Der Haberlschneider rückte ein wenig hinein und machte ihm Platz . » Wo kimmst denn her ? « fragte ihn der alte Lochmann . » I ? Von dahoam . « » I ho mir denkt , du bist z ' Webling g ' wen . « - » Na . « Es trat wieder eine Pause ein , und der Webergütler , der ein oft gesehener Gast im Pfarrhofe war , zahlte sein Bier und ging . Der Haberlschneider unterbrach die Stille und fragte : » Bist scho bald firti mit ' n bau ' n , Schuller ? « » No nit völli . D ' Schaffelbroat ' n hab ' i no , nacha is g ' schehg ' n. « » Was baust denn ? « » An Woatz . « » Hast z ' letzt an Raps dort g ' habt ? « » Ja . « » Er waar scho recht , da Raps , wann ma no net gar so weni löset dafür . « Das Gespräch war in Gang gekommen , und der Schuller konnte seine Sachkenntnis zeigen . Aber wie der alte Lochmann aufstand , rückte der Geitner um einen Platz herauf . Er war als ein Mann bekannt , der gerne herumhorchte . Niemand traute ihm , aber da er jedem schön tat und offene Feindseligkeit vermied , kam keiner dazu , daß er ihm die Wahrheit gründlich sagte . Der Geitner rückte herauf und sagte plötzlich , indem er mit der Hand auf den Tisch schlug : » Und dös glaub ' i amal net , daß der Schuller a schlecht ' s Hauswesen führt . Dös glaub ' i durchaus gar net . « Obwohl niemand widersprach , steigerte er seinen Eifer und schrie so laut , daß ihn alle Leute hören mußten : » Dös glaub ' i net . Und bal ' s oana anderst sagt , nacha bin i scho do ! Der Schuller wirtschaft ' it schlecht . Dös gibt ' gor it . « » Geh , sei staad ! « sagte der Haberlschneider . » Na , do bin i it staad . Dös glaub ' i amal net . Siehg ' st , Schuller , i woaß , daß di dös verdriaßen muaß , was heut ' über di g ' red ' t worn is . Aba bei mir , host g ' hört , do find dös koan Glaub ' n. Du vastehst mi scho . « In der Stube wurde es still , und alle schauten neugierig , was der Schuller wohl tun werde . Der stand langsam auf und sagte : » I vasteh ' di guat , Geitner , aba i sag ' dir bloß dös . Der schlechtest Mensch is der Ehrabschneider , und wann oaner de Kircha dazua hernimmt , nacha is er zwoamal schlecht . Und dös derfst überall verzähl ' n , wo ' st magst . « » I ? Was glaabst denn ? I steh ' ja durchaus bei dir ! Da gibt ' s gar nix . « Der Schuller gab ihm keine Antwort und ging mit dem Haberlschneider aus der Stube . Sie nahmen nicht den Weg durch das Dorf , sondern bogen hinter dem Wirtshaus in einen Feldweg ein . Der Schuller fragte kurz : » Was sagst denn du dazua ? « » Daß da Geitner a Tropf is . « » Und de Predigt ? « » Dös hat mi gar it g ' wundert , Schuller . I hab ' das g ' sagt , der Pfarra paßt dir an Weg ab . Hoaß is er scho lang auf di , und jetzt erst recht , weil er woaß , daß mir di zum Bürgermoasta hamm woll ' n. « Der Schuller blieb stehen . » Wia ' st mi vor acht Täg g ' fragt hast , hon i dir mit Wahrheit g ' sagt , daß i net gern Bürgermoasta wer . Aber jetzt , Haberlschneider , sieh ' gst , jetzt möcht ' i ' s wer ' n. Und wenn ' s bloß desz ' weg ' n waar , daß mi der ander it ganz veracht ' n derf . « Fünftes Kapitel Es war ein frischer Herbstmorgen in Nußbach . Aus den großen Schornsteinen der Bierbrauerei zum Stern stieg der Rauch gerade in die Höhe , und der Gockel auf dem Kirchturme