, als triebe es mich , ihn jetzt gerade zu kränken . Das merke dir , denn wir Frauen sind ein schwaches Geschlecht , und die Männer sind stärker als wir und gerader . « So geschah es , daß sie einen andern Bewerber offenkundig bevorzugte , einen Bergmann , der lustig die Zither zu schlagen verstand und Lieder dazu sang und fröhliche Streiche anzustellen wußte . Mit dem lachte sie viel , und es war ihr lieb , wie sie sah , daß der andre finster wurde , wenn er sie mit ihm erblickte , Und einmal ging sie denselben Weg mit diesem , den sie vorher mit dem andern gegangen , und sprachen ähnliche Gespräche zusammen und kamen an dieselbe Stelle auf der Höhe , wo das Dorf unter ihnen lag mit seinen hellen Fenstern . Da fragte er sie , ob sie ihn liebhaben wollte , und zugleich umfaßte er sie und wollte sie küssen . Wie sie aber seinen Arm verspürte , tat sie einen Schrei und lief fort , hinab ins Dorf und kam unten an in großer Angst , wiewohl sie nicht kindisch war und schon einmal sich mit einem andern herzhaft abgeküßt hatte , welches jedoch gewesen war , ehe der Jägerbursche mit ihr gesprochen . Von der Zeit an war sie verändert und wurde ernster , tanzte nicht und lachte nicht mehr mit den jungen Leuten , und kamen wohl mehrere Freier , aber sie wies alle ab . So ging es drei oder vier Jahre . Da begann sich Hansens Großvater wieder langsam an sie zu machen ; er besuchte ihre Eltern am Sonntagnachmittag , spielte mit ihren jüngeren Geschwistern und sprach mit ihr selbst viel . Von seinen damaligen Worten redeten sie nicht wieder , aber sie wußten beide , auch ohne daß sie es sich sagten , daß sie jetzt verlobt seien , und daß sie warten wollten mit dem Heiraten , bis er eine Anstellung habe . » Und siehst du , « sprach die Großmutter zu dem Enkel , » das danke ich deinem Großvater noch heute , daß er nie wieder von dem Früheren gesprochen hat , obwohl er hätte über mich triumphieren können , denn ich hätte schweigen müssen , wenn er gespottet . Aber dein Großvater war ein Mann , wie er sein muß , er war hart und ernst , aber er war auch mild und gut . Dein Vater ist auch so geworden , und du mußt dir Mühe geben , daß du ihnen nachschlägst . « Da sagte Hans : » Ja , Großmutter , das will ich . « Und die Großmutter mit ihren Augen , die schon über das Grab hinaus suchten , schwieg eine lange Weile ; sie dachte an ihren Mann , den sie nur wenige Wochen gehabt und über ein halb Jahrhundert betrauert hatte , und daß sie ihn bald wiedersehen werde ; das machte ihr eine sonderbare Freude und heftiges Heimweh . In Hans war eine wunderliche Ernsthaftigkeit , und in sein Wesen kam eine größere Reife durch diese Gespräche , wie seinem Alter gewöhnlich ist ; in aller sonstigen Erfahrung aber blieb er kindlich und unwissend , und wurde seine Erziehung gerade entgegengesetzt , wie die Erziehung heute gewöhnlich ist , da die Kinder viel Fremdes sehen und manches Neue erfahren , früh Furcht und Achtung verlieren und gewitzt werden ; dabei aber in ihr Wesen keinen Ernst bekommen und oft noch im wesentlichen kindisch bleiben , wenn sie schon Männer sein sollten . In der Küche saß Dorrel , Kartoffeln schälend , mit einem bekümmerten Antlitz . Hans setzte sich ihr gegenüber . Wie sie ihn ansah , stand sie auf , stellte ihre Schüssel ab und rumorte mit den Herdringen . Sie wollte aber verbergen , daß sie weinte . Hans fragte : » Weshalb weinst du ? « Da antwortete Dorrel nach langem Zögern und vielem Drängen , sie weine um die Großmutter , daß die nun im Sterben liege . Hans wiegte den Kopf , dann sagte er : » Darüber muß man nicht weinen . Wir müssen alle sterben , und das wissen wir . Die Großmutter aber ist eine alte Frau , die in ihre Jahre gekommen ist ; sie hat keine Sorge hinter sich , sondern weiß , daß sie meine Eltern in guter Ordnung verläßt ; dazu leidet sie keinerlei Schmerzen , sondern ihr Leben lischt aus wie ein Licht . Deshalb hat sie selbst auch nicht Kummer über ihren Tod , vielmehr freut sie sich , weil sie jetzt wieder mit dem Großvater zusammenkommt . « Dorrel hörte diesen Worten mit großer Verwunderung zu und bekam eine sonderliche neue Achtung vor Hans , die sie bis dahin noch nicht gespürt . Deshalb sagte sie nach einer Weile : » Wenn du es so nimmst , so hast du recht , aber ich weine um meinetwillen , denn sie ist mir immer eine gute Frau gewesen , und ich habe sie lieb . « Hiernach war Hans wieder eine Weile nachdenklich , dann sprach er : » Ich habe sie auch lieb , aber ich bin nicht traurig und will auch nicht weinen . « Dorrel mußte auf den Boden gehen , um Räucherware zum Abendbrot aus der Rauchkammer zu holen . Sie bedachte sich , wie sie es machen sollte , daß sie nicht allein war . Endlich befahl sie dem kleinen Hans , daß der die Laterne tragen mußte ; sie ging hinter ihm her mit Furcht . Als sie oben waren , merkte Hans , daß sie Angst hatte ; und weil er nicht wußte , welches der Grund sein konnte , fragte er sie . Sie sagte ihm , sie fürchte sich , weil ein Sterbendes im Hause sei . Da wurde er wieder nachdenklich und schüttelte endlich den Kopf über sie , aber er sagte nichts mehr . Indessen hatte er von nun an das Gefühl verloren , daß Dorrel als