leider ! « » Dem Schmutze ? « » Ja . « » Dem Nichts ? « » Nein . Ich stand ja , wie ich jetzt , erst jetzt einsehe , nicht so hoch über meinen Feinden , daß sie mir in ein Nichts zerfließen mußten . Und nun erkenne ich , daß auch ich nicht frei von Schmutz gewesen sein kann . Denn hätte er nicht auch an mir gehaftet , so wäre mein Verhalten ganz das jenes hohen , freien Geistes gewesen , von welchem du gesprochen hast . Mir scheint , ich habe Fehler einzugestehen , die mir bis zur gegenwärtigen Stunde keinesweges als Fehler erschienen sind . Du hast heut da drüben bei unserm Beit-y-Chodeh dem Pedehr gebeichtet . Ich war tief im Herzen gerührt davon . Deine mutvolle Aufrichtigkeit imponierte mir . Nun bist du rein und frei von allem , was dir angehangen hat . Ich glaubte nicht , daß auch ich mich zu reinigen haben werde . Jetzt aber weiß ich , daß es doch so ist . Ich werde denselben Mut besitzen , den du besessen hast . Auch ich werde beichten , dir , wie du dem Pedehr . Und wenn ich dann aus deinem Munde höre , daß mir verziehen werden könne , so werde ich mich für berechtigt halten dürfen , diese Verzeihung als ausgesprochen , als geschehen anzunehmen . Ich war über das hinaus , was du das erste Leben nanntest . Ich stand im zweiten Leben , denn ich fühlte , daß sich meine geistige Individualität in mir gestalten wollte . Aber es gelang mir nicht , das dritte zu erreichen . Warum ? Wir werden nach den Gründen suchen , du und ich . Und ich ahne , daß ich in diesen Gründen meine mir bisher unbekannten Fehler entdecken werde . « Als er bis hierher gekommen war , hörten wir , daß unten auf dem Vorplatze jemand dreimal in die Hände klatschte . » Das gilt mir , « sagte er . » Der Pedehr weiß , wo ich bin und daß niemand zu uns kommen darf . Ich habe mit ihm , falls man meiner bedürfen sollte , dieses Zeichen verabredet . « Er begab sich durch das Mittelzimmer auf das Vordach . Ich hörte ihn hinuntersprechen . Dann kehrte er zu mir zurück und sagte : » Ich soll zum Pedehr hinabkommen und auch dich mitbringen . Es scheint sich um etwas Wichtiges zu handeln . « » Was es ist , hat man dir nicht gesagt ? « » Nein . Ich fragte zwar , doch der Pedehr antwortete , er dürfe es mir nicht laut heraufrufen . Komm ! « Wir gingen hinunter . Der Pedehr befand sich in der Halle , in welcher ich gelegen hatte . Tifl und ein zweiter Dschamiki waren bei ihm . In dem letzteren erkannte ich den Wächter , welcher heut am Nachmittage über Stock und Stein geritten war , um uns die Ankunft der Perser zu melden . Halef schlief fest . Hanneh war auch schlafen gegangen . Sein Sohn saß bei ihm . Der Scheik der Dschamikun empfing uns mit der des Kranken wegen nur halblaut gesprochenen , aber sehr wichtigen Kunde : » Der Bluträcher ist wieder da ! « » Wo ? « fragte der Ustad im Tone der Ueberraschung . » Das wissen wir nicht . « » Wer hat ihn gesehen ? « » Mein Sohn , « antwortete der Wächter . » Hat er sich nicht etwa getäuscht ? « » Nein . Er kennt ihn ja . Er hat ihn doch heute am Nachmittage durch den ganzen Duar bis an unser Gotteshaus geführt und ihn also genau betrachten können . « » Wo ist dein Sohn ? « » Ich habe ihn mitgebracht . Er wartet draußen vor den Stufen . « » Hole ihn ! « Ich ahnte natürlich sofort , daß irgend eine Teufelei geplant werde , und war höchst gespannt darauf , ob es uns wohl gelingen werde , zu erfahren , welcher Art sie sei . Natürlich aber durfte ich mir nicht erlauben , den beiden Oberhäuptern des Stammes in Beziehung auf die einzuziehenden Erkundigungen vorzugreifen . Der Sohn des Wächters hatte ein intelligentes Gesicht . Er sah sogar etwas wie pfiffig aus . Er kam mit seinem Vater bis vor den Ustad hin . » Du hast den Bluträcher gesehen ? « fragte ihn dieser . » Ja , « bestätigte der Gefragte . » War er allein ? « » Nein . Es befanden sich noch zwei andere bei ihm . « » Woher kamen sie ? « » Von draußen . « » Wo sind sie hin ? « » Ich weiß es nicht . « » Doch wohl hierher ? « » Wahrscheinlich . « » Geritten ? « » Nein . Sie waren abgestiegen . « Da sah der Ustad den Pedehr an , und dieser mich . Dabei sagte der letztere : » Das ist eine ebenso unerwartete wie geheimnisvolle und bedenkliche Kunde ! Was meinst du dazu , Effendi ? « » Erlaubt Ihr mir , einige Fragen auszusprechen ? « erwiderte ich ihm . » Natürlich ! « » Ich hörte , daß ein Handelsmann aus Isphahan hier angekommen sei und eine Botschaft von dem Bluträcher ausgerichtet habe . Wo ist dieser Mann ? « » Er wird nun wohl schon schlafen , « antwortete der Pedehr . » Soll ich ihn vielleicht wecken lassen ? « » Das ist nur dann nötig , wenn Ihr mir nicht sagen könnt , was ich von ihm wissen will . Woher kam er ? « » Von den nördlichen Dschamikun . Er traf mit den Persern auf der Höhe des Passes zusammen . « » Wie verhielten sie sich zu ihm ? « » Weder freundlich noch feindlich . Sie kennen ihn . Sie fragten ihn , woher er käme und wohin er wolle . Er