an Bedeutung verlieren . Eine grosse imperialistische Politik bedingt die Herrschaft einzelner grosser Führer , und da haben die Länder den Vorteil , wo ein einzelner Mann an der Spitze des Staates steht . « » Sehen Sie , Bridgewater « , sagte Anstruther lachend , » dieser Fremde prophezeit uns einen Kaiser , wenn wir auf dem Pfade der Intervention , Protektion , Expansion , der Kriege und des Inselschluckens verharren . « » So wollen wir ihn aus dem Klub der Vierzig wählen « , antwortete unser Wirt , » dann werden wir sicher sein , dass er gescheit ist . « » Ja , gescheit und voll moderner Ideen sollte Sam I. von Amerika freilich sein - sonst müsste er sich ja vor den europäischen Kollegen schämen . « Auf dem Heimweg sprachen mein Bruder und ich davon , wie oft man hier die Empfindung bekommt , dass die Amerikaner uns Europäer als bemitleidenswert zurückgeblieben ansehen . Nachdem sie uns moderne Geschäftsmethoden gelehrt haben , wollen sie uns jetzt mit modernen Prinzipien im allgemeinen versehen und mit allem , was uns sonst auf geistigem Gebiet fehlen mag . Klingt das nicht sonderbar ? Und sie haben doch eigentlich alles von uns , stehen auf unseren Schultern . Mein Bruder sagt , er erinnere sich noch sehr gut der Zeit , wo man nach Amerika kam und für alles so ein gewisses elterliches Wohlwollen hatte ; die Amerikaner fragten damals begierig , ob man wirklich alles bei ihnen » sehr gross « fände , und freuten sich , wenn man was lobte . Jetzt sind sie überzeugt , uns überflügelt zu haben . Na , es muss ja vorkommen , dass Kinder ihren Eltern über sind - wie wäre sonst das erste Genie entstanden ? 13 New York , Dezember 1899 . Lieber Freund ! Wir sind seit einigen Tagen aus dem ebenso schönen wie teuren Waldorf-Astoria fortgezogen und haben sehr nette Zimmer in einem Boarding House in der Nähe des Central-Parks gefunden , wo auch Mme. Baltykoff wohnt . Ta ist natürlich bei uns und bildet hier wie im Waldorf die Freude der weissbemützten Stubenmädchen . Er ist hier viel weniger reserviert gegen uns als in Peking . Dort erfuhren wir eigentlich nie etwas über das Leben unserer Boys . Sie waren immer da , wenn man sie brauchte , verrichteten ihre Arbeit lautlos , kannten all unsere kleinen Gewohnheiten offenbar ganz genau - aber mit dem Augenblick , da sie aus unseren Häusern hinaus auf die Strasse traten , verloren sie sich in einer uns unbekannten Welt , und von diesem Teil ihres Lebens hörten wir nie ein Wort . Nur wenn sie mal einen etwas längeren Urlaub haben wollten , hiess es , ihr Vater oder ihre Mutter lägen im Sterben . Anfänglich rührte mich das sehr , ich bewilligte ihnen immer den Urlaub , bot ihnen auch Arzneien an . Aber sie hatten wirklich zu viel sterbende Väter und Mütter - mein Vorrat an Mitgefühl ward so sehr beansprucht , dass er sich schliesslich erschöpfte . Hier ist es ganz anders ; Ta ist oft recht mitteilsam gegen mich und erzählt mir von den Stubenmädchen , die ihn seines langen Zopfes halber gern als Dame verkleiden und ihn sogar auf einen ihrer Bälle mitgenommen haben . Hier bin ich ihm offenbar » Vater und Mutter und Beschützer der Armen « , wie die Inder sagen ; ich erscheine ihm als einziges Bindeglied zwischen seinem früheren und jetzigen Leben . Seitdem er hier so viel Neger gesehen , hält er , glaube ich , weisse Leute überhaupt für beinahe stammverwandt . » Das sind keine Menschen , das sind schwarze Teufel « , sagte er ganz ernsthaft , und will keinesfalls zugeben , dass sie Christen wie er sein könnten . Auf andere herabzuschauen , ist für Wesen aller Nüancen nun mal eine freudige Genugtuung . Ta hat ein paarmal Briefe von seiner Heimat bekommen . Er ist an solchen Tagen immer sehr still und traurig , und ich fragte ihn , ob er Heimweh habe . Er antwortete , nein , gar nicht , er sei sehr gern hier , aber seine alte Mutter liesse ihm immer schreiben , er solle doch wieder kommen , sie möchte ihn gern bei sich haben . » Ist es nicht eher deine junge Frau ? « fragte ich . » Oh nein ! « rief er entrüstet , als habe ich ihn einer beschämenden Schwäche beschuldigt , » Frau gar nichts , Mutter alles ! « Mein Bruder hat nun für die Mutter Geld nach Peking geschickt , was sie hoffentlich beruhigen wird . Mit Tas Hilfe habe ich jetzt ausgepackt und unsere Wohnung eingerichtet . Es war eine solche Freude , all die lieben gewohnten Dinge wiederzusehen : die Nephritschalen und Bronzevasen , die Figuren des Laotse , mit dem langen Kopf , aus Elfenbein geschnitzt , die chinesischen Sammte , die mit dem Alter einen ganz chinesischen Charakter angenommen haben , die feinen verblassten Damaste und Stickereien . Ich habe alles möglichst so gestellt und drapiert , wie es im Pekinger Häuschen war ; in der Dämmerstunde , wenn Ta lautlos ins Zimmer tritt , glaube ich manchmal , wieder dort zu sein und würde mich gar nicht wundern , wenn er Sie anmeldete . Auch einen Buddha-Altar habe ich über dem Kamin aufgebaut , und da thronen all die seltsamen Gestalten , die Sie allmählich bei bestechlichen Bonzen , in verlassenen Tempeln und verstaubten Antiquarläden für mich aufgestöbert haben . Noch ehe ich Sie in Peking kannte , hatte ich die Manie , Buddhas zu sammeln . Ich hatte mehrere von Händlern gekauft , die sie , in ihren weiten Ärmeln versteckt , zu uns trugen und dabei geheimnisvoll flüsterten , diese Götzen stammten aus kaiserlichen Tempeln , und es sei ein grosses Risiko , sie zu mir zu bringen . Ich zeigte Ihnen sehr stolz diese Schätze ; Sie schauten sie einen Augenblick