Pensionären das Essen bereitet . Zwei von den dreien müssen auch geweckt werden , sie haben auch um sieben Kolleg . Da poltert schon einer in die Küche , um sich die Stiefel zu putzen . Ein ordentlicher Mensch , dieser Bernstein ; der Einfall , daß sich jeder hier selbst die Schuhe zu putzen habe , stammt von ihm . » Kocht das Wasser , Laure Anaise ? Ein Ei für jede Person ; wir haben Kolleg bis elf in einem Ruck , dann komm ich heim . Nur zwei Grad heute morgen ? Zieh Hermannli die wollenen Strümpfe an , die ich zurecht gelegt habe , und laß Rösli nicht ohne Jäckchen in den Garten . - Guten Morgen Kollege ! Ist Ihr Referat fertig ? Ich brauche einen hellroten Farbenstift , können Sie mir aushelfen ? Ich werde mich blamieren heut im Präpariersaal , Sie sollen sehen ! « Bernstein ruft zum Tee . Bernstein macht immer den Tee morgens . Er hat seinen Samowar dazu hergegeben . Ein ordentlicher Mensch , dieser Bernstein . Immer gelassen , hilfbereit , ohne Galle . Er steht neben dem Samowar und liest . Das ganze Zimmer ist voll Holzkohlendampf . Zwei Bücher hat er unter dem Arm , die Pelzmütze liegt vor ihm auf dem Teller . Er liest halblaut , murmelnd und blickt nicht auf , wenn jemand kommt . Laure Anaise lacht über Bernstein , aber Bernstein ist ein ordentlicher Mensch . Den heißen Tee geschluckt , die Kinder geküßt , die sich erwachend die Augen reiben , noch ein paar Anordnungen an Käthe wegen des Mittagessens , und hinaus in den Wintermorgen . Die Laternen brennen rot . An der Spitalscheuer heult der Hund an der Kette . Ein Wagen fährt ganz langsam in den Spitalhof ein ; ein anderer mit einem schmucklosen Sarge rasselt hinaus . Beide , der Krankenwagen und der Totenwagen , fahren an Josefine vorüber , die in das Auditorium der Anatomie geht . Sie blickt sich nach dem Sarge um , trübe Gedanken wollen sich ihrer bemächtigen . Da läuft es eilig heran durch den Nebel über den knirschenden Kies . Eine Kollegin . » Hören Sie , schlägt ' s schon ein Viertel ? Nachher sind unsere Plätze fort . « Sie stürmen vorwärts . Atemlos hinein und auf die Plätze . Die ganze Wandtafel ist schon vollgezeichnet , der Assistent wäscht sich eben die Hände . Man gähnt , zeichnet nach und gähnt . Richtig , der hellrote Farbenstift fehlt . Fatal ! Ist da schon der Professor ? Wischt der Assistent die Zeichnung schon ab ? Es ist ja noch niemand fertig ! Was für eine Art ist denn das , abzuwischen , ehe jemand fertig ist ? » Meine Herren und Damen - « Zwicky wird die Zeichnung haben , denkt Josefine , während sie eifrig nachschreibt . Zwicky ist der zweite Pensionär . Auch ein ordentlicher Mensch , aber hitzig und ehrgeizig , nicht so wie Bernstein . In den Präpariersaal jetzt . Nun , was ist da für ein Auflauf ? Etwas besonders interessantes ? Ach nein , nur eine frische Leiche , eben aus dem Wasser gezogen . Eine Frau , die mit ihrem Kinde in die Siehl gesprungen ist ; sie wird sofort » verteilt « . Josefine weicht zurück , es ist ihr immer noch schwer . Der Prosektor sagt etwas . Ein einziger lacht . Dann dröhnendes Gescharre . » Was hat er gesagt ? « Das Scharren will kein Ende nehmen . » Geniert Sie das , meine Herren ? « piepst die schwache Stimme des Prosektors . » Sehen Sie her , es ist , wie ich sage . Wir haben noch keinen Proletarier seziert , der nicht auch sein bißchen Fett gehabt hätte . « Sie scharren wieder . Der Prosektor ist durchaus unbeliebt . Josefine geht mit ihrem Präparat an ihren Tisch . Die Hand ist ' s , die sie bekommen hat , die rechte Hand der Selbstmörderin . Eine feine , jugendliche Hand , die Finger von Nadeln zerstochen . Die Hand einer fleißigen Näherin . Nun starr , bläulich , gekrümmt . » Ist Ihnen schlecht ? « ruft die Kollegin vom Nachbartische , » wollen Sie eine Zigarette ? « Josefine bezwingt sich , raucht und beginnt ihre subtile Handarbeit an der zernähten Hand . Eine Mutter mit ihrem Kind im Arm - in der Siehl gestern - heute hier - zerstückt - von einer anderen Mutter , die an ihrem toten Leibe den Bau - die normale Anatomie studiert . » Was ? ich werde doch nicht ohnmächtig ? Kollegin , Wasser ! Nein , ich laufe hinaus ! Aber ich komme sofort wieder . Lassen Sie niemand mein Präparat wegnehmen , bitte - oh - Luft ! « Josefine kommt zurück , noch etwas blaß , aber gefaßt . Sie schämt sich ihrer Schwäche . Sie möchte sich verteidigen . » Ich begreife das nicht . Ich stehe ganz ruhig und interessiert , schneide vorsichtig , habe keine Spur von Widerwillen , und plötzlich fühle ich etwas unter den Fußsohlen , so eine Schwäche - es dreht sich langsam alles im Kreis - der Magen wird ungemütlich - im Munde - « Sie schüttelte sich , sie fürchtete eine Wiederholung des Anfalls . » Ich denke gar nichts , « sagte die Nachbarin ruhig . » Tun Sie das auch . Ich finde , diese Präparate sind wirklich angenehm . Neulich hatte ich mal eins mit Würmern unter der Haut . Das war widerlich . Es muß ja doch sein . « » Können Sie sogar hier essen ? « ruft Josefine fast erschrocken . Die Kollegin kaut . » Nur Beefsteak , englisch , nicht . Es ist ' ne gewisse Ähnlichkeit . Aber mein harmloses Butterbrot - warum nicht ? « Warum nicht ? Es muß ja sein . Man muß ja essen , alles muß so sein ,