süßen Flüssigkeit ertrunken war und alle meine Wiederbelebungsversuche nichts mehr fruchteten . « » So hast du dich ganz vergeblich bemüht ; dieser Brief , der uns vielleicht von großem Vorteile sein könnte , wird uns keinen Nutzen bringen . Oder hast du es daran mangeln lassen , den Kahwedschi in der richtigen Weise auszufragen ? « » Nein , gewiß nicht , ganz gewiß nicht , Sihdi . Du kennst mich da nur zu wohl und weißt , daß ich den Mund auf der Stelle habe , wo er sitzen muß , wenn man jemandem ein Geheimnis abzulocken hat ; aber die Geheimnisse dieses Mannes waren infolge seiner Betrunkenheit so außerordentlich geheim , daß er sie selbst nicht mehr kannte . Da war alle meine Mühe umsonst . Wenigstens glaube ich nicht , daß du , wenn du an meiner Stelle gewesen wärest , mehr als ich erfahren hättest . « » Möglich ! Erzähle mir richtig der Reihe nach , was du mit ihm gesprochen hast ! Wir sind in Bagdad übereingekommen , daß du einen Ring der Sillan stets bei dir haben sollst . Ich brauchte dir ihn heut ' also nicht erst zu geben . Als du hier von uns fortgingst , saß der Kahwedschi da draußen im Vorraume auf seinem Kissen . Der Somali war bei ihm , schnarchte aber schon . Wir haben uns hier absichtlich laut und angelegentlich unterhalten , als ob wir gar keine Zeit hätten , zu bemerken , daß du so lange Zeit nicht bei uns warst . Nun weiter ! « » Weiter , Sihdi ? Ich habe ja noch gar nicht angefangen ! Ich steckte den Ring an den Finger und schlenderte hinaus zu dem Kahwedschi hin . Ich war ihm sehr willkommen , und er fing sofort selbst mit mir an , denn er war sehr neugierig , zu erfahren , wer Ihr seid . « » Jedenfalls hast du da den Mund sehr voll genommen ! « » Warum soll ich das nicht ? Wenn ich einmal etwas in den Mund nehme , so muß es etwas Ordentliches sein , damit ich auch wirklich einen Genuß davon habe . Ich gab dich für den ersten Minister des Sultans von Sitschilia16 und Mr. Lindsay für den obersten Sterndeuter des Kaisers von Antakijeh17 aus . Von mir selbst sagte ich , daß ich ein Montefik-Beduine bin und von Euch gemietet sei , Euch nach Buschir und Schiras zu begleiten . Sobald mir dies über die Lippen gegangen war , glaubte ich , einen Fehler gemacht zu haben , denn der Kahwedschi brauchte doch nicht zu wissen , wohin wir wollen . Aber es waren mir nicht gleich andere Namen in den Mund und andere Gegenden in den Kopf gekommen , und es stellte sich nachher heraus , daß grad diese beiden Städte mir sein Herz geöffnet hatten . Er lud mich ein , mich zu ihm zu setzen , und als ich das gethan hatte , sprachen wir zunächst von den unendlichen Vorzügen des heißen Zuckerwassers , welches die eigentliche und richtige Weihe seines Vorhandenseins erst durch einen Zuguß von Araki bekommt . Dabei hielt und bewegte ich die Hand in der Weise , daß er den Ring sehen mußte . Es dauerte das zwar ziemlich lange , denn der Araki hatte die Zahl seiner Augen so vermehrt , daß er , wie er mir gestand , mich fünfzigmal sah und meine Hände sogar über zweihundertmal erblickte . Er schien also zweitausend Finger vor sich zu haben , was ihn so in Anspruch nahm , daß er für den Ring zunächst keine Spur von Aufmerksamkeit besitzen konnte . Aber als er ihn erst einmal entdeckt hatte , war der Eindruck , den er von ihm bekam , auch um so größer . Er bat mich , ihn betrachten zu dürfen . Natürlich erlaubte ich es ihm . Er gab mir die Hand und begrüßte mich als Sill , als Schatten , als Verbündeten , als heimlichen Kameraden . Er hielt mir eine große Rede , die aber so wenig Sinn hatte , daß sie nicht einmal als Unsinn bezeichnet werden kann . Ich konnte von hundert Worten , welche er sprach , kaum zehn verstehen , denn sein Mund glich einer mit Riri18 gefüllten Tandschara19 , in welcher sich die Zunge wie ein Quirl bewegte . Er erkundigte sich immer wieder , ob ich wirklich nach Buschehr und Schiras gehen werde , und als ich dies oft genug bejaht hatte , fragte er mich , ob ich da wohl der Sill sei , der den Brief abholen solle , welcher an Ghulam abzugeben sei . Es versteht sich ganz von selbst , daß ich vorgab , dieser Mann zu sein und die beiden Fremden , den Minister und den Sterndeuter , nur aus dem Grunde in dieses Kaffeehaus geführt zu haben , um die Gelegenheit zu finden , den Brief in Empfang zu nehmen . « » Das war richtig , lieber Halef . Aber hast du denn nicht herausbringen können , wer und was dieser Ghulam ist ? « » Nein . Ich sage dir , ich habe meinen ganzen Scharfsinn zusammengenommen ; aber erstens war der Kahwedschi so betrunken , daß er alles vergessen hatte und sich auf nichts besinnen konnte , und zweitens mußte er doch annehmen , daß ich diesen Ghulam wenigstens ebenso gut kenne wie er . Eine unvorsichtige Frage hätte mich verraten ; sie wäre das Eingeständnis gewesen , daß ich der Sill nicht sei , für den ich gelten wollte . Du siehst ein , daß ich mich sehr in acht zu nehmen hatte und keine Erkundigung , die ihm auffallen mußte , aussprechen durfte . Ich setzte zwar die Worte so , daß sie ihn eigentlich hätten zwingen müssen , sich über Ghulam auszusprechen , aber der Raki hatte ihm nur den hundertsten Teil seines an und für sich schon armselig kleinen Verstandes übrig gelassen , und so redete er