lesen : fünf Zeilen . Und es stand auch nichts darin , als was sie durch Adele bereits wußte . Dennoch starrte sie mit zusammengezogenen Brauen auf das Blatt , als gäbe es da ein Geheimnis zu entziffern . Die Hand , in der sie es hielt , fing an zu zittern . Ärgerlich ließ sie es in den Kasten fallen . Ich weiß nicht , was das ist , murmelte sie . Das ist mir im Leben noch nicht begegnet . Im Leben hat mich noch nicht nach einem Menschen so gedürstet . Es ist positiv lächerlich . Aber sie lachte nicht . Die Brauen zogen sich nur noch düsterer zusammen , während sie , den Blick auf den Teppich geheftet , in dem Zimmer hin und wieder zu gehen begann . Und ich glaubte ihn mir ganz aus dem Sinne geschlagen zu haben - hatte es auch - drei oder vier Tage lang - da kam es wieder - mir that es so leid , daß ich ihn vor seiner Frau brüskiert hatte - die Frau selbst - eine grundehrliche Person , wie es schien , mit dem breiten Munde und der Stumpfnase - die reine Köchin - glaub ' s , daß er sich bei der unglücklich fühlt - seine Hände freilich - die stimmen zu der Köchin . Wenn der Mensch nur nicht so wunderschöne Augen hätte ! O , mon dieu , diese Augen ! Es ist ein Glanz drin , ein Feuer ! Eine Liebesglut - eine verhaltene ! Eine , die noch nie hat herauslodern können ! - Das ist gerade das Anziehende ! Diese anderen - Fernau - - Viktor - wie oft hat das da schon gebrannt ! - alles Asche ! - Und das quält sich denn ab , uns glauben zu machen , es brenne lichterloh ! pah ! - Aber so eine taufrische , jungfräuliche Liebe - ach ! ihn nur einmal , ein einziges Mal - Sie hatte es , immer hastiger schreitend , bald leiser , bald lauter vor sich hingemurmelt und blieb jetzt erschrocken stehen vor einem Geräusch aus dem Nebenzimmer . Elimars ! Er konnte doch nichts gehört haben ? Die Thür that sich auf , Elimar stand auf der Schwelle . Ach , gnädige Frau - Verzeihung ! ich sollte mich ja einer vertraulicheren Anrede bedienen . Ich hörte vorhin sprechen , konnte aber die Stimme nicht erkennen . Wo ist denn Adele ? Sie macht Toilette . Das pflegt bei ihr nicht lange zu dauern . Nun , und wir wollen heute abend endlich die Quadratur des Zirkels finden ? Ich setze meine Hoffnung auf den Professor Winter . Wenigstens scheint es , daß wir mit unserem Latein zu Ende sind . Ich glaube , es war ein Fehler von Fräulein Stephanie , zwei Kunstlöwen auf einmal in die Schranken zu fordern . Man hätte voraussehen können , daß sie sich einander auffressen würden . Ich habe mich halb tot gelacht . Es war lächerlich genug , obgleich doch im Grunde dieser völlig blinde Haß hinüber und herüber im Interesse der Kunst tief bedauerlich ist . Daran denkt unsereine nicht . Als ob Sie so , mir nichts , dir nichts , » unsereine « wären ! Was denn sonst ? Der Hauptmann zuckte lächelnd die Achseln . Bitte , bitte ! so kommen Sie nicht fort ! Ich will wissen , wie ich in Ihren Augen dastehe ; wofür Sie mich eigentlich halten ? Elimar war einen Schritt näher getreten und blickte aus seiner Höhe lächelnd auf sie hinab . Wie Sie in meinen Augen dastehen ? Nun , ich glaube einen lebhaften Sinn für Frauenschönheit zu haben ; da würde es vielleicht Ihre Bescheidenheit verletzen , wenn ich es sagte . Und wofür ich Sie halte ? Wollen Sie es wirklich wissen ? Ich bestehe darauf . Nun denn ! Für eine Frau , die mit ihren herrlichen Gaben des Geistes und auch des Herzens eine für Menschen ganz seltene Anwartschaft auf Glücklichsein hätte , wenn ihr nicht eines fehlte - Das ist ? Genügsamkeit . Was verstehen Sie darunter ? Die Einsicht , daß uns Menschen Vollkommenes nun einmal nicht wird und werden kann ; wir überall und zu jeder Zeit auf einen mehr oder weniger peinlichen Erdenrest gefaßt sein müssen und auf Kompromisse , die wir machen dürfen , ohne unserer Würde etwas zu vergeben . Das sagen Sie , weil Sie alles besitzen , was Sie wünschen . Umgekehrt : ich besitze alles , weil ich nichts wünsche . Auch nicht , in noch sehr absehbarer Zeit es bis zur Excellenz zu bringen ? Um ihre Lippen spielte ein so malitiöses Lächeln , aus den halb zugekniffenen Augen , die zu ihm aufblinzelten , flimmerte ein so drolliger Ausdruck - Elimar mußte lächeln , wie ernst es ihm auch zu Sinn war . Sie unverbesserliches Weltkind , Sie ! sagte er . Wer kann Ihnen bös sein ! Die Thür wurde aufgerissen ; Adele stürzte herein . Kinder , es hat geklingelt ! Gott sei Dank , daß ich noch fertig geworden bin ! Bis auf die Schleife , die entschieden an eine andere Stelle gehört , sagte Klotilde , an ihrem Anzug nestelnd . Meinst Du ? Na , stecke sie hin , wo Du willst ! Der Hauptmann von Luckow und der Landschafter Christian Wollberg waren zugleich gekommen ; dann erschien Stephanie in Begleitung ihrer beiden Brüder ; nach einer kleinen Weile der Legationsrat von Fernau mit dem Historienmaler Professor Hederich ; als der letzte , Albrecht . Klotilde war so in ein Gespräch mit dem Legationsrat vertieft - Adele mußte sie erst auf den Nachzügler aufmerksam machen . Ah , sagte sie , ihm die Hand reichend , wie lieb von Ihnen , daß Sie gekommen sind ! Haben Sie daran gezweifelt , gnädige Frau ? Offen gestanden : ich fürchtete , wir würden einen Korb bekommen . Weshalb ? Mein Gott , ein