Bratfisch . Willst Du noch die Ölflasche ? « Safur bittet um die braune mit dem langen Halse . Und auf einem Wandbrett unter alten Kruken und Gläsern , Bechern und Näpfen findet die Tarub nach längerem Suchen auch diese braune Ölflasche mit dem langen Halse ... Safur freut sich drüber . Tarub auch - sie hebt die Lederriemen , an denen das grüne Wollkleid hängt , höher . Sie spannt die Sehnen des gedrungenen braunen Halses kräftig an , stößt das Kinn und die Unterlippe vor und sieht zu , wie ihr Dichter ißt . Sie hofft , Safur werde ihr so recht was Nettes über die gelbe Sonnentunke sagen . Der hört aber gleich wieder mit dem Essen auf und redet jetzt , die Finger der braunen Rechten groß ausspreizend , mit weicher Stimme : » Ich fühle mich so sehr wohl . Ein großes Wohlbehagen empfand ich soeben . Ich empfinde das jetzt noch . Kennst Du das auch ? Es war mir in meinem ganzen Körper so unbeschreiblich wohlig . Es überkam mich so plötzlich eine ganz selige Stimmung . Ich dachte nichts , ich fühlte nur . Mein ganzer Körper fühlte . Nur ein paar Augenblicke hielt es an . Aber es war nicht eine einfache Sinnesempfindung . Ich schmeckte nichts und sah nichts - ich fühlte auch nicht nur in den Fingern - alles fühlte an mir und in mir . Ob eine so allgemeine körperliche Gesamtempfindung nur eine Magenstimmung ist ? Ich habe noch garnicht Lust zum Essen . Ich fühle mich so sehr wohl . Jetzt merke ich etwas über dem Magen - unter der Brust ... « Besorgt fragt die Tarub : » Hast Du Leibschmerzen ? « Safur schüttelt den Kopf und zerteilt wieder mit dem zierlichen kleinen Spatenmesser die Steppeneier , tut Sonnentunke mit einem Porzellanstäbchen hinauf - und ißt wieder - langsam - bedächtig - schmeckend . Der Dichter will dann Kamelsmilch . Und in einer feinen Tonschale , die mit krausen Blumen bemalt ist , reicht Bagdads berühmte Köchin die Milch ihm hin . Und er trinkt in langen Zügen - schlürfend - mit der Zunge schnalzend - lächelnd . Die Tarub pökert währenddem mit der Feuerzange in den glühenden Holzkohlen herum , rückt den Dreifuß zurecht , setzt eine Bratpfanne hinauf und schmilzt Fett darin . Sie legt sodann einen großen Windfisch ins Fett und brät den Fisch . » Mir ist behaglich zu Mute « , sagt der Dichter . Er kaut den frischen sauren Waldsalat , und dabei schweift sein Blick über die langen Reihen buntfarbiger irdener Kruken und Krüge , die auf den Wandbrettern stehen und sich prächtig von der weißen Kalkwand abheben . Viele Schüsseln stehen auch ringsum an den Wänden . Neben der Wassertonne liegt gehacktes Holz und brauner Torf . Auf einem gebeizten schwarzen Holzgestell thronen feierlich Porzellanschalen und Tassen - mit Blumen und seltsamen Figuren bemalt . Das Porzellan ward aus dem fernen China auf Dschunken nach Bagdad gebracht . An diesem Porzellan bleiben Safurs Blicke hängen , und er meint lachend : » Du , Tarub ! Jetzt habe ich bald aus allen jenen Schalen und Tassen , die dort auf dem schwarzen Gestell stehen , gegessen und getrunken , nicht ? « » Ei ja ! « erwidert das braune Mädchen , » aber sage mal : schmeckt es Dir denn auch ? Du sagst heute nichts ! « » Wie sollte mir « , ruft der oftmals überschwängliche Dichter , » das , was Du kochst , jemals nicht schmecken ? Ist doch unmöglich . Ich habe ja schon alles aufgegessen . Tarub , Niemand kocht wie Du - glaubs mir ! Gib mir Brot und den Salzbottel . « Tarub nickt vergnügt , als wär ihr was geschenkt . Der Windfisch ist gebraten - ganz knusprig . Die große Köchin kostet ihn und sagt : » Hm ! « Danach stellt sie Brot , Salz und Fisch vor ihren lieben Dichter und sagt : » Nun ? « Er streichelt ihre Hand und will noch eine Citrone - bekommt sie auch gleich . Der braun gebratene knusprige Windfisch liegt auf einem silberblanken Zinnteller . Tarub kauert sich Safur gegenüber an die Erde , betrachtet ihn - - - freut sich , daß es ihm schmeckt . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Weißt Du , Tarub ! « hebt nun der Dichter lachend an , wie er sich die letzten Gräten des Windfisches aus den Zähnen zieht , » während ich so aß , hatte ich einen prächtigen Traum , denn der Windfisch schmeckte vortrefflich - den lieb ich - besonders gebraten . Ich träumte - mir war so , als wäre ich ein Riese und säße vor dem großen Meer - und mir kamen die einzelnen Fischteile wie wunderliche kleine Inseln vor . Verstehst Du nicht ? Ich glaubte , kleine Inseln zu essen und das Meer brausen zu hören , in dem die Windfische herumspringen . « » Was Du auch Alles glaubst ! « ruft da erstaunt die Tarub . Safur aber fährt fort : » Man muß noch viel mehr beim Essen denken . Ich verstehe nur das Eine nicht : denke Dir nur - der große Weltreisende Jakuby , doch sonst ein wirklich feingebildeter Mann , versteht vom Essen nichts - wahrhaftig - nichts ; er hält die Genüsse der Zunge für ganz niedrige - für tierisch . « Entrüstet ruft die braune Köchin : » Ist es möglich ? « Der Dichter spricht nun weiter : » Ich versuchte den großen Gelehrten , der doch fast alle Länder der Erde kennt - China , Arabien , Spanien , Afrika - zu widerlegen . Ich sagte : warum soll ich mich für eine köstlich schmeckende Speise nicht ebenso herzlich begeistern wie für eine neue Stadt oder für ein neues Buch