. Man leistete durch Spanndienste und Handdienste der Herrschaft ab , was man ihr schuldig war . Großen Wohlstand hatte man dabei nicht sammeln können ; dazu war auch die Kopfzahl der Familie meist zu stark gewesen und der Boden zu ärmlich . Aber man hatte nichts eingebüßt an Land und Kraft in den Zeiten der Hörigkeit , die nur zu viele Bauern herabgedrückt hat zur Unselbständigkeit und Stumpfheit des abhängigen Subjekts . Und der Hausverband , die Zusammengehörigkeit der Familie war gewahrt worden . Unter dem Großvater des jetzigen Besitzers trat die Bauernbefreiung in Kraft . Die Erbuntertänigkeit wurde aufgehoben , alle Fronden abgelöst . Bei der Regelung verlor das Bauerngut ein volles Dritteil seiner Fläche an die Herrschaft . In dem Vater des jetzigen Büttnerbauern erreichte die Familie einen gewissen Gipfelpunkt . Er war ein rühriger Mann , und es gelang ihm , sich durch Fleiß und Umsicht , begünstigt durch gute Jahre , zu einiger Wohlhabenheit emporzuarbeiten . Durch einen günstigen Kauf verstand er es sogar , den Umfang des Gutes wieder zu vergrößern . Vor allem aber legte er das erworbene Geld in praktischen und bleibenden Verbesserungen des Grund und Bodens an . Es war kein kleines Stück für den Mann , sich dem Vordringen des benachbarten Rittergutes gegenüber , das sich durch Ankauf von kleineren und größeren Parzellen im Laufe der Jahre zu einer Herrschaft von stattlichem Umfange erweitert hatte , als selbständiger Bauer zu erhalten . Unter diesem Besitzer war die Familie , dem Zuge der Zeit folgend , in alle Windrichtungen auseinandergeflogen . Nur der älteste Sohn , Traugott , war als zukünftiger Erbe auf dem väterlichen Hofe geblieben . Als der alte Mann ziemlich plötzlich durch Schlagfluß starb , fand sich kein Testament vor . Als echtem Bauern war ihm alles Schreibwesen von Grund der Seele verhaßt gewesen . Gegen Gerichte und Advokaten hatte er ein tiefeingefleischtes Mißtrauen gehegt . Zudem war der Alte einer von denen , die sich nicht gern daran erinnern ließen , daß sie dieser Welt einmal Valet sagen müssen . Auch schien jede Erbbestimmung unnötig , weil als selbstverständlich angenommen wurde , daß , wie seit Menschengedenken , auch diesmal wieder der Älteste das Gut erben werde , und daß sich die übrigen Geschwister murrlos darein finden würden . Das kam nun doch etwas anders , als der Verstorbene angenommen hatte . Es waren fünf Kinder vorhanden und die Witwe des Dahingeschiedenen . Traugott , der Älteste , war durch den Tod des Vaters Familienoberhaupt und Bauer geworden . Der zweite Sohn hatte vor Jahren das Dorf mit der Stadt vertauscht . Ein dritter war auf der Wanderschaft nach Österreich gekommen und dort sitzen geblieben . Außer diesen drei Söhnen waren zwei Töchter da . Die eine war mit dem Kretschamwirt von Halbenau verehelicht , die andere hatte einen Mühlknappen geheiratet , mit dem sie später von Halbenau fortgezogen war . Im Erbe befand sich nur das Bauerngut mit Gebäuden , Vorräten und Inventar . Das bare Geld war zu Ausstattungen der Töchter und zu Meliorationen verwendet worden . Der älteste Sohn erklärte sich bereit , das Erbe anzutreten und die übrigen Erben mit einer geringfügigen Auszahlung abzufinden , wie es der oftmals ausgesprochene Wunsch des Verstorbenen gewesen war . Aber der Alte hatte da mit einer Gesinnung gerechnet , die wohl in seiner Jugend noch die Familie beherrscht hatte : der Gemeinsinn , der aber dem neuen Geschlechte abhanden gekommen war . Zugunsten der Einheitlichkeit des Familienbesitzes wollte keiner der Erben ein Opfer bringen . Es wurde Taxe verlangt zum Zwecke der Erbregulierung . Als diese nach Ansicht der Pflichtteilsberechtigten zu niedrig ausfiel , focht man die Erbschaftstaxe an und forderte Versteigerung des Gutes . Der älteste Sohn , der sein ganzes Leben auf dereinstige Übernahme des väterlichen Gutes zugeschnitten hatte , wollte den Besitz um keinen Preis fahren lassen . Er erstand schließlich das Gut zu einem von seinen Geschwistern künstlich in die Höhe geschraubten Preise . Natürlich war er außer stande , die Erben auszuzahlen . Ihre Erbteile wurden auf das Gut eingetragen ; Traugott mußte froh sein , daß man ihm das Geld zu vier Prozent stehen ließ . So saß denn der neue Büttnerbauer auf dem väterlichen Grundstücke , das mit einem Schlage aus einem unbelasteten in ein über und über verschuldetes verwandelt worden war . Es kamen Kriege , an denen Traugott Büttner teilnahm . Die schlechten und die guten Zeiten wechselten wie Regen und Sonnenschein . Aber die guten Jahre kamen dem Braven nicht recht zu statten , da er nicht kapitalkräftig genug war , um den allgemeinen Aufschwung und die Gunst der Verhältnisse auszubeuten . Die schlechten Jahre dagegen drückten auf ihn wie ein Panzerkleid auf einen schwachen und wunden Leib . Der Büttnerbauer war freilich nicht der Mann , der sich leicht werfen ließ . Sein Gut war ausgedehnt , die äußersten Feldmarken lagen in beträchtlicher Entfernung von dem am untersten Ende eines schmalen Landstreifens gelegenen Hofe . Der Boden war leicht und die Ackerkrume von geringer Mächtigkeit . Dazu waren die Witterungsverhältnisse nicht einmal günstige ; denn nach Norden und Osten lag das Land offen da , vom Süden und Westen her aber wirkten Höhezüge ein , Kälte und Feuchtigkeit befördernd und die warme Jahreszeit abkürzend . Der Acker trug daher nur spärlich zu , der Emsigkeit und der rastlosen Anstrengung des Bauern zum Trotze . Die Zinsen verschlangen die Ernten . Die Schulden mehrten sich langsam aber sicher . An Meliorationen konnte man nicht mehr denken . Wenn der Bauer auch hie und da einen Anfang machte , stärker zu düngen , Abzugsgräben baute , an den Gebäuden besserte und flickte oder auch neues Gerät anschaffte , so warfen ihn unvorhergesehene Unglücksfälle : Hagelschlag , Viehseuchen , Erkrankungen , Tod und sonstiges Elend immer wieder zurück und verdarben ihm seine Arbeit . Es war der Verzweiflungskampf eines zähen Schwimmers in den Wellen , der sich mit aller Anstrengung gerade nur über Wasser zu erhalten vermag .