soviel , wie man in diesen Dingen haben kann . « » Sehr wahr , sehr wahr . « » Was meinst du damit ? « » Nun , ich meine nur ... Aber das ist ja ganz gleich . Sprich nur weiter ; ich bin ganz Ohr . « » Ich fragte also rundheraus , wie ' s stünde , und weil ich bei ihrem eigenen Charakter einen feierlichen Ton vermeiden und alles so leicht wie möglich , ja beinah scherzhaft nehmen wollte , so warf ich die Frage hin , ob sie vielleicht den Vetter Briest , der ihr in Berlin sehr stark den Hof gemacht hatte , ob sie den vielleicht lieber heiraten würde ... « » Und ? « » Da hättest du sie sehen sollen . Ihre nächste Antwort war ein schnippisches Lachen . Der Vetter sei doch eigentlich nur ein großer Kadett in Leutnantsuniform . Und einen Kadetten könne sie nicht einmal lieben , geschweige heiraten . Und dann sprach sie von Innstetten , der ihr mit einem Male der Träger aller männlichen Tugenden war . « » Und wie erklärst du dir das ? « » Ganz einfach . So geweckt und temperamentvoll und beinahe leidenschaftlich sie ist , oder vielleicht auch , weil sie es ist , sie gehört nicht zu denen , die so recht eigentlich auf Liebe gestellt sind , wenigstens nicht auf das , was den Namen ehrlich verdient . Sie redet zwar davon , sogar mit Nachdruck und einem gewissen Überzeugungston , aber doch nur , weil sie irgendwo gelesen hat , Liebe sei nun mal das Höchste , das Schönste , das Herrlichste . Vielleicht hat sie ' s auch bloß von der sentimentalen Person , der Hulda , gehört und spricht es ihr nach . Aber sie empfindet nicht viel dabei . Wohl möglich , daß es alles mal kommt , Gott verhüte es , aber noch ist es nicht da . « » Und was ist da ? Was hat sie ? « » Sie hat nach meinem und auch nach ihrem eigenen Zeugnis zweierlei : Vergnügungssucht und Ehrgeiz . « » Nun , das kann passieren . Da bin ich beruhigt . « » Ich nicht . Innstetten ist ein Karrieremacher - vom Streber will ich nicht sprechen , das ist er auch nicht , dazu ist er zu wirklich vornehm - , also Karrieremacher , und das wird Effis Ehrgeiz befriedigen . « » Nun also . Das ist doch gut . « » Ja , das ist gut ! Aber es ist erst die Hälfte . Ihr Ehrgeiz wird befriedigt werden , aber ob auch ihr Hang nach Spiel und Abenteuer ? Ich bezweifle . Für die stündliche kleine Zerstreuung und Anregung , für alles , was die Langeweile bekämpft , diese Todfeindin einer geistreichen kleinen Person , dafür wird Innstetten sehr schlecht sorgen . Er wird sie nicht in einer geistigen Öde lassen , dazu ist er zu klug und zu weltmännisch , aber er wird sie auch nicht sonderlich amüsieren . Und was das schlimmste ist , er wird sich nicht einmal recht mit der Frage beschäftigen , wie das wohl anzufangen sei . Das wird eine Weile so gehen , ohne viel Schaden anzurichten , aber zuletzt wird sie ' s merken , und dann wird es sie beleidigen . Und dann weiß ich nicht , was geschieht . Denn so weich und nachgiebig sie ist , sie hat auch was Rabiates und läßt es auf alles ankommen . « In diesem Augenblicke trat Wilke vom Saal her ein und meldete , daß er alles nachgezählt und alles vollzählig gefunden habe ; nur von den feinen Weingläsern sei eins zerbrochen , aber schon gestern , als das Hoch ausgebracht wurde - Fräulein Hulda habe mit Leutnant Nienkerken zu scharf angestoßen . » Versteht sich , von alter Zeit her immer im Schlaf , und unterm Holunderbaum ist es natürlich nicht besser geworden . Eine alberne Person , und ich begreife Nienkerken nicht . « » Ich begreife ihn vollkommen . « » Er kann sie doch nicht heiraten . « » Nein . « » Also zu was ? « » Ein weites Feld , Luise . « Dies war am Tage nach der Hochzeit . Drei Tage später kam eine kleine gekritzelte Karte aus München , die Namen alle nur mit zwei Buchstaben angedeutet . » Liebe Mama ! Heute vormittag die Pinakothek besucht . Geert wollte auch noch nach dem andern hinüber , das ich hier nicht nenne , weil ich wegen der Rechtschreibung in Zweifel bin , und fragen mag ich ihn nicht . Er ist übrigens engelsgut gegen mich und erklärt mir alles . Überhaupt alles sehr schön , aber anstrengend . In Italien wird es wohl nachlassen und besser werden . Wir wohnen in den Vier Jahreszeiten , was Geert veranlaßte , mir zu sagen , draußen sei Herbst , aber er habe in mir den Frühling . Ich finde es sehr sinnig . Er ist überhaupt sehr aufmerksam . Freilich ich muß es auch sein , namentlich wenn er was sagt oder erklärt . Er weiß übrigens alles so gut , daß er nicht einmal nachzuschlagen braucht . Mit Entzücken spricht er von Euch , namentlich von Mama . Hulda findet er etwas zierig ; aber der alte Niemeyer hat es ihm ganz angetan . Tausend Grüße von Eurer ganz berauschten , aber auch etwas müden Effi . « Solche Karten trafen nun täglich ein , aus Innsbruck , aus Verona , aus Vicenza , aus Padua , eine jede fing an : » Wir haben heute vormittag die hiesige berühmte Galerie besucht « , oder wenn es nicht die Galerie war , so war es eine Arena oder irgendeine Kirche » Santa Maria « mit einem Zunamen . Aus Padua kam , zugleich mit der Karte , noch ein wirklicher Brief . » Gestern waren wir in Vicenza . Vicenza muß man