. Nun meinetwegen . « » Und darum « , so wiederholte die Alte , » hab ich Siebenhaar gebeten , als ich nun doch mal mit ihm sprach , daß er ihn gut für uns stimme . Soviel weiß ich , er gibt was auf Siebenhaar , und wenn der ihn rumkriegt und Opitz dir dann die Hand gibt , dann nimm sie , dann stoße sie nicht weg und vergiß all das Alte . Sieh , Lehnert , es hat ja doch alles seine zwei Seiten , und vielleicht hat er nicht so ganz unrecht gehabt , und du hast aus der Sache mit dem Kreuz mehr gemacht , als du hättest machen sollen . Gib nach , Lehnert ! Trotz macht Feind . Und wir brauchen Freunde , weil wir arm sind und das Geschäft schlecht geht , und gerade jetzt im Sommer . Und unser Nachbar ist er auch . Es is doch sonst mit den Försters gut gegangen . Gib nach und versöhne dich mit ihm ! Dann haben wir gute Zeit , und wenn dann mal was vorkommt , na , du weißt schon , was ich meine , so verpufft und verknallt es . Kennst ja doch unser altes Sprichwort : Der Wald ist groß , und der Himmel ist weit . « Lehnert , die Hände auf dem Rücken , ging auf und ab . Er hatte das alles schon oft gehört , nur eines nicht : daß er das mit dem Kreuz doch vielleicht schlimmer genommen als nötig . Und so hochmütig er war , so bescheiden war er auch . » Wenn es so wäre ? Wenn ich mehr daraus gemacht hätte als nötig ? « so gingen seine Gedanken . Und er nahm der Mutter Hand und sagte : » Gut , Alte . Ich will es mir überlegen . « Sechstes Kapitel Was hüben die Mutter ihrem Sohn und drüben die Frau ihrem Mann gesagt hatte , blieb doch nicht ganz ohne Einfluß , weil beide Parteien klug genug waren , das Wahre darin herauszufühlen ; Opitz war strenger als nötig , Lehnert war aufsässiger als nötig , und der schlichte Ton , worin das einem jeden gesagt wurde , tat seine Wirkung . So machte sich ' s , daß beide stillschweigend übereinkamen , sich wenigstens nicht mehr zum Tort leben zu wollen , und weil sie dabei fühlen mochten , daß das bei steten persönlichen Begegnungen sehr schwer sein würde , so faßten sie den Entschluß , sich nach Möglichkeit aus dem Wege zu gehen . In der Tat , man vermied es , sich zu sehen , und gab es unter anderm auf , zu gleicher Zeit , wie sonst wohl , im Vorgarten zu sitzen und sich über die Straße hin mit den Augen zu messen . Ja , Lehnert seinerseits ging noch weiter und machte , wenn er ins Dorf mußte , nur um die Försterei zu vermeiden , lieber den Umweg am Waldsaume hin . Auch die Hühner , die durch ihre Besuche drüben im Garten der Försterei beständig Anlaß zu Klagen und bitteren Worten gegeben hatten , hielt er besser in Ordnung , und das Steinsprengen , das mit seinem Knall und seiner aufsteigenden Rauchwolke seinen reizbaren Nachbar durch Jahr und Tag hin mehr als alles andere verdrossen hatte , gab er ganz auf . An einen völligen Ausgleich der alten Gegensätze war freilich nicht zu denken , dazu war zuviel vorgefallen , aber wenn Friede nicht sein konnte , so doch wenigstens Waffenstillstand . Und unter solchem Waffenstillstande verging eine Woche . Nun war wieder Sonntag , und die Glocken der Arnsdorfer Kirche klangen wie gewöhnlich vom Tal zu den Bergen herauf . Aber diesem Rufe folgten heute nur wenig , weil oben in Kirche Wang ein Brückenberger Paar getraut werden sollte . Das veranlaßte denn alle die , die sich mehr von der Trauung einer jungen hübschen Braut als von der Predigt des alten Siebenhaar versprachen , lieber bergauf nach Wang zu steigen , und das um so mehr , als über das wundervolle Brautkleid , das aus Hirschberg und nach andern sogar aus Breslau stammen sollte , schon die ganze Woche lang gesprochen worden war . In der Tat , Schaulust und Neugier gaben heute den Ausschlag . Aber einige stiegen doch nicht bloß als Neugierige , sondern als recht eigentliche Trauzeugen und Hochzeitsgäste hinauf , unter ihnen auch Opitz in Gala , dem sich , gleich nach Passierung des am Ausgange von Krummhübel gelegenen Rummlerschen Gasthauses , auch noch Grenzaufseher Kraatz und der alte Laborant Zölfel angeschlossen hatten . Zu diesen zur Hochzeit Geladenen hatte , wegen alter guter Beziehungen zum Bräutigam , anfangs auch Lehnert gehört ; als er aber durch Christine von Opitz ' wahrscheinlicher Anwesenheit erfuhr , war er sofort zum Fernbleiben entschlossen gewesen . Wußt er doch , daß mit Opitz , wenn dieser ein Glas über den Durst getrunken hatte , doppelt schwer zu verkehren war , und auf diese Gefahr hin wollt er eine Begegnung mit ihm nicht wagen . So zog er es denn vor , zu Hause zu bleiben und in einem von Amerika handelnden Buche zu lesen , das ihm ein alter Kriegskamerad neuerdings geliehen und das durchzusehen er sich schon ein paar Tage lang gefreut hatte . Daneben war es ihm durchaus recht , daß seine Mutter , ohne gerade zu den Geladenen zu zählen , an dem Kirchgange , nach Wang hinauf , teilnehmen und sich hinterher in dem ihr aus beßren Tagen wohlbekannten Hochzeitshause nach Möglichkeit nützlich machen wollte . So war der Plan . Und gemäß dem Plan verlief auch der Tag , der freilich unserem Lehnert , ganz gegen Erwarten , lang und schwer genug wurde . Denn bald nach Opitz waren auch Frau Bärbel und Christine nach Wang hinaufgestiegen , und so kam es , daß der auf seinem Inselchen Zurückgebliebene zwölf Stunden lang nichts als das Vorüberschießen der Lomnitz hörte ,