kommen und bitt euch noch daß ihr manchesmal inguten an die Mutter denkt die ärmste auf der welt . « Die Lettern des Briefes waren steif und ruhig hingemalt , bei der Nachschrift hatte die Hand gezittert ; große matte Flecken auf dem Papier verrieten , daß sie unter Tränen geschrieben worden waren . Mit Mühe entzifferte der Vorleser die halbverwischten Züge , und ihn ergriff die Fülle des Leids und der Liebe , die sich in dieser armseligen Kundgebung aussprach . » Pavel « , sagte er , » du mußt deiner Mutter sogleich antworten . « Der Junge hatte sich abgewendet und starrte finster zu Boden . » Was soll ich ihr antworten ? « murmelte er . » Was dein Herz dir eingibt für die unglückliche Frau . « Pavel verzog den Mund : » Es geht ihr ja gut . « » Gut , du dummer Bub ? gut im Kerker ? « Der alte Mann geriet in Eifer , er wurde warm und beredsam ; die schönen und vortrefflichen Dinge , die er sagte , ergriffen ihn selbst , ließen Pavel jedoch kühl . Er hatte auf die Vorstellungen des Lehrers zwei Antworten , die er hartnäckig wiederholte , ob sie paßten oder nicht : » Sie sagt ja selbst , daß es ihr gut geht « , und : » Die Schwester schreibt ihr nicht , warum soll ich ihr schreiben ? « » Hast du denn gar kein Gefühl für deine Mutter ? « fragte der Lehrer endlich . » Nein « , erwiderte Pavel . Der Alte schüttelte sich vor Ungeduld : » Ich denk der Zeit , wo du ein Kind warst « , sprach er , » und brav unter der Obhut deiner braven Mutter , die dich zur Arbeit angehalten hat ... Glotz du nur ! - Brav und rechtschaffen , sag ich . Das war sie ; aber leider gar zu geschreckt und immer halb närrisch aus Angst vor dem niederträchtigen ... Na ! « unterbrach er sich - » jeder Mensch hat Mitleid mit ihr gehabt , sogar den Richtern hat sie Erbarmen eingeflößt , nur du , ihr Sohn , bist mitleidslos gegen sie . Warum denn , warum ? Ich frage dich , gib Antwort , sprich ! « Er schob die Brille in die Höhe und näherte die kurzsichtigen Augen dem Gesichte Pavels . In den Zügen desselben malte sich ein eiserner Widerstand ; aus den düsteren Augen funkelte ein Abglanz jener Entschlossenheit , die , auf eine große Sache gestellt , den Märtyrer macht . Der Alte seufzte , trat zurück und sagte : » Geh , mit dir ist nichts anzufangen . « Als Pavel schon an der Tür war , rief er ihm aber doch Halt zu ; - » Eins nur will ich dir sagen . Es ist dir nicht alles eins ; ich hab es bemerkt , wenn die Leute dich schimpfen ; eine Zeit kann kommen , in welcher du froh wärst , gut zu stehen mit den Leuten , und gerne hören möchtest : In seiner Jugend war der Pavel ein Nichtsnutz , aber jetzt hält er sich ordentlich . Für den Fall merk dir , merk dir , Pavel « , wiederholte er nachdrücklich , und eine schwache Röte schimmerte durch das fahle Grau seiner Wangen : » Mach dich nicht zu deinem eignen Verleumder . Das Schlechte , das die andern von dir aussagen , kann bezweifelt , kann vergessen werden ; du kannst es niederleben . Das Schlechte , ja sogar das Widersinnige und Dumme , das du von dir selbst aussagst , das putzt sich nicht hinweg , das haftet an dir wie deine eigene Haut - das überlebt dich noch ! « Er erhob die Hände über den Kopf , huschte so planlos und unbeholfen im Zimmer umher wie ein aus dem Schlafe gescheuchter Nachtfalter und wimmerte und stöhnte : » Vergiß meinetwegen alles , was ich dir gesagt habe ; aber den Rat vergiß du nicht , den geb ich dir aus meiner eigenen Erfahrung ! « Pavel betrachtete den Schullehrer nachdenklich ; der alte Herr tat ihm leid und kam ihm zugleich unendlich töricht vor . Worüber kränkte er sich ? Konnte es darüber sein , daß die Leute ihn einen Hexenmeister nannten ? ... Das wäre auch der Mühe wert ! Für sein Leben gern hätte er sich erkundigt , wußte aber nicht , wie die Frage stellen . Er nahm so lange keine Notiz von des Lehrers entlassenden Winken , bis dieser ihn heftig anließ : » Was willst du noch ? « Dann gab er zur Antwort : » Wissen , was den Herrn Lehrer kränkt . « Habrecht bog sich zurück , tat einen tiefen Atemzug und schloß die Augen . » Später , Pavel , später , jetzt würdest du mich nicht verstehen . « Da platzte Pavel heraus : » Das wegen der Hexerei ? « Ein unwillkürlicher Aufschrei : » Ja , ja ! « und der Lehrer packte ihn an den Schultern und schob ihn aus der Tür . Also richtig ! der Alte grämte sich über den Verdacht , in dem er im Dorfe stand . - Unbegreiflich kindisch erschien das dem Pavel ; sein Gönner wurde von Stunde an ein Schwächling in seinen Augen , und er schlug dessen eindringlichste Warnung in den Wind . Ja , sie reizte ihn sogar , ihr zuwiderzuhandeln . Die Leute sollen ihn nur für schlechter halten , als er ist , er will ' s nach Lob und Liebe geizen die Feiglinge ; sich sagen zu dürfen : Ich bin besser , als irgendeiner weiß - das ist die herbe , die rechte Wonne für ein starkes Herz . Den Brief der Mutter bemühte sich Pavel nachzubuchstabieren , und jetzt , wo er dessen Inhalt kannte , gelang es ihm so ziemlich . Vinska überraschte ihn bei der Beschäftigung , wollte wissen ,