neuen Wegen , was ginge sie ' s an ? Hat sie mein erstes Leid gerührt ? « » Darum kehre wieder zu mir zurück in meinen Steinbruch , dessen Felsen die Hölle verriegeln . Wer will Dich dort anfechten ? « » Die Dich anfechten , sagen sie nicht , Du seiest ein verlorener Mann , und dem Untergang bleibe geweiht , wer sich an Dich hält , an Deine Lehre und Dein Leben ? « Sie hob fragend den Kopf . » Ich fürchte nichts , so lang ' ich mir selbst Treue halte . Glaube mir , Magdalena . « » O Dein Leben , ist ' s nicht schauerlich ? Und triebest Du das seligste Werk , nimmer wirst Du Deinen Lohn finden . Du bist anders als die Andern , das ist Dein Verbrechen in ihren Augen . Anderssein ist Schuld . Ist nicht alles verdorben von Anfang an ? « » Ich bin getröstet , wenn Du bei mir bleibst . Dein gutes Schicksal will ich sein . Säume nicht länger , folge mir ! « » Du leidest Hunger und Durst im Steinbruch und Dein Leib friert , wie soll Dein Beispiel der Menge fruchten , die nach Wohlleben lüstet , die kein Laster und Verbrechen scheut , Wohlleben zu erreichen ? Armer Mann , Du treibst ein traurig Handwerk ! Und die Welt geht an Dir vorüber , zuckt die Achseln und verachtet Dich . « » Ich gehe an der Welt vorüber und weihe ihr mein Mitleid , « klang des Mannes Stimme . » Spricht sie nicht , Du seist ein Überflüssiger und Dein Mitleid Thorheit ? « » Die Welt ist , so lange ich sie will , sie ist nicht mehr , werfe ich den Willen von mir . « » Hörst Du die Isar rauschen ? Begrabe Deinen Willen in ihrer Flut und Du hast Ruhe . Alles fließt und zerfließt und sammelt sich wieder . Rauscht die Isar nicht auch an Deinem Steinbruch vorüber ? « Das Weib richtete sich auf . » Sie rauscht vorüber , aber ich höre sie nicht . Ich höre nur Dein Herz an dem meinigen schlagen und fühle Dein Elend . Komm ' wieder zu mir , daß ich Deine Last tragen helfe . Es ist Zeit , folge mir ! « Weich , bittend sprach ' s der Mann . » Geh ' an der Zeit vorüber . Es ist nichts . « » Du zitterst . Deine Hände sind kalt . Feucht fühle ich Deine Haare . Mitternacht naht und verscheucht die Wachenden . Ich trage Dich in meinen Armen davon . Dulde , daß meine Liebe Gewalt braucht ... Das Frührot findet uns geborgen im Steinbruch , Dich und mich ... « Ein Herabgleiten , ein Wanken , ein Mühen , auf die Beine zu kommen . Endlich war das rätselhafte Paar müden Schritts auf dunklem Waldwege verschwuden . - Mit sanftem Blinken schlüpfte die Sichel des abnehmenden Mondes aus dem Gewölke und umhüllte Isarlandschaft mit zartem bläulichen Schein . - - 3. Brigitta rieb sich wiederholt die Nase . Das that sie gewöhnlich , wenn sie voll innerer Unruhe war . » Meine Nase juckt so , da erfahr ' ich heute gewiß noch was Neues . « Sie brachte diese Redensart in einem Ton heraus , der einem aufmerksamen Ohre sofort verraten hätte , daß die Alte mit einer obenhin gesprochenen Phrase nur vor der Kundgebung ihrer eigenen quälenden Gedanken sich flüchten , oder durch Gleichgültiges viel Wichtigeres , das in ihrer Empfindung bohrte und nach Aussprache rang , zerstreuen und ablenken wollte . Allein Max v. Drillinger besaß in diesem Augenblick die Feinheit eines aufmerksamen Hörers durchaus nicht . » Schließ das Fenster , Brigitta , ich bitte Dich ; ich bin ja in Hemdärmeln ! Die Luft ist mir zu frisch , kaum fünfzehn Grad . Und das Rauschen der Isar ist mir heute so zuwider ; das ewige Gesumme , Gesause und Geplätscher , Geklatsche und Gegurgel - schließ zu , schließ zu ! Es geht mir auf die Nerven . - So recht , mein Hausmütterchen . Danke ! « Brigitta hatte die Nase wieder hereingezogen und den halbgeöffneten Fensterflügel mit zitternder Hand zugelehnt . Nun fuhr sie tastend an dem Rahmen hinauf , drückte und klopfte , daß die Scheiben leise klirrten und die Angeln knarrten . » Ach , diese neumodischen Verschlüsse ! « seufzte sie ; » es ist jedesmal eine ordentliche Arbeit , bis man so ein hohes , schwankendes Fenster wieder zubringt . Die alten Reiber in unserem Gartenhäuschen da droben waren so einfach und hielten so gut . Es ist nichts mit dem neuen Zeug . Überhaupt - , ach , das war dort doch ein ganz anderes Wohnen , so zwischen Wiesen und Feldern und Gärten , und die Isar-Auen vor der Thür und die Stadt weit fort im Rücken und doch nah genug , wenn man sie brauchte . Das Glockengeläute hat man immer so schön in unsere Einsamkeit hereingehört . Einmal , an Ostern oder Charfreitag - - ich hör ' ihn noch , diesen tiefen , bebenden , von fern hallenden Ton , er schwebte her wie aus dem Himmel . - - Und die Isar rauschte wie Auferstehungslieder ... « So schwatzend , trippelte sie vom Tisch zur Komode , Kleinigkeiten ordnend . » Da hast Du wohl recht , Brigitta ; es ist nichts mit dem neumodischen Zeug . Aber erst das Allerneueste ! Da wirst Du was erleben , wenn wir hier wieder ausziehen müssen aus unserem stillen Winkel und weiter hinaufgedrückt werden in die Wasserstraße oder Quaistraße . So eine wachsende Großstadt - wie ein Riesenungeheuer sperrt sie den höllischen Rachen auf und frißt sich weiter und weiter in die stille , geduldige Natur hinein , und Felder und Wälder und Dörfer ringsum werden von ihr verschlungen und verschluckt wie kleine Kaninchen von der Klapperschlange . Und