nicht , wie es gekommen wäre , daß ich nicht eher daran gedacht hätte - ich lief sogleich fort , die Papiere zu holen ; ich konnte kaum sie finden in meiner freudigen Eile ; o einen Dank von dir , herrliches Wesen ! rief ich , und segnete mit Tränen meine Schmerzenstage , um meiner neuen Hoffnung willen ! Sie bat mich , wie ich zurück war , ihr das Geschriebne vorzulesen , freute sich innig über die goldnen Stellen , und sprach darüber ungewöhnlich heiter und lebendig . Anfangs , solange noch die süße Erwartung sich in mir regte , stimmt ich mit allem Feuer des seligen Herzens in ihre frohen Töne ein , doch wie sie endlich so lange mit dem Danke zögerte , da verstummt ich freilich ; es war etwas in meiner Betrübnis , wovon bisher keine Spur in mir erschienen war ; ich möchte fast sagen , es sei Bitterkeit gewesen . Mit einer sonderbaren Gelassenheit schied ich , als ich endlich zu gehen genötigt war . Ich hörte kaum darauf , als sie mir noch nachrief , ich danke dir , Hyperion ! Ich kam nun immer seltner hin ; blieb endlich ganz weg . Eine Totenstille , die ich kaum an mir begreife , war allmählich über mich gekommen . Ich lebte so hin , mit halbem Bewußtsein , ich suchte nichts mehr , ich half mir fort von einem Tage zum andern , so gut ich konnte ; ich achtete nichts , war mir selbst nichts mehr , trachtete auch nicht , andern etwas zu sein . Um diese Zeit begegnete mir , da ich so in meiner Finsternis draußen herumirrte , Notara mit seiner Mutter und einigen andern . Er beschwerte sich über meine Eingezogenheit ; ich sagt ihm , daß ich sein Haus nicht hätte mit der bösen Laune plagen mögen , die mich seit einiger Zeit heimgesucht hätte , und wagt es , zu fragen , wo dann Diotima wäre ? - Sie sei zu Hause , rief die Mutter , die fromme Tochter schreibe an ihren Vater . Es war traurig , wie die unschuldigen Worte mich aus meiner Dumpfheit weckten . Jetzt mußt du hin ! rief es augenblicklich in mir , und Feuer und Schrecken wechselten in meinem verwilderten Herzen . Zitternd , gedankenlos ging ich vorüber an ihrem Fenster - nein ! nein ! du gehest nicht hinauf , dacht ich , und taumelte fort nach Hause , und schloß die Türe ab . Aber wo ich hinsah , war ihr Bild , und alle die freundlichen Worte , die ich einst gehört hatte von ihr , umtönten mich . - Was willst du von mir ? rief ich vor mich hin ; was störst du meine Ruhe ? - Ich war , wie ein zürnender Geist , den die Stimme des Beschwörers aus seinem Grabe zwang . Verzeih es mir die Gute ! ich fluchte der Stunde , wo ich sie fand , und rast ' im Geiste gegen das himmlische Geschöpf , daß es mich nur darum ins Leben geweckt hätte , um mich wieder niederzudrücken mit seinem Stolze . Wie eine lange entsetzliche Wüste lag die Vergangenheit da vor mir , und wütend vertilgt ich jeden Rest von dem , was einst mein Herz gelabt hatte und erhoben . Ich muß dir danken , dacht ich , ich bettelte vor deiner Türe , und du nährtest mich mit Brosamen . Wer will es dir verargen , daß du das Beste für dich behieltst ? Was solltest du auch dich an ein Geschöpf verschwenden , das kaum des Rettens wert war ? Nein ! du hast keine Schuld auf dir . Ich war ja zertrümmert , zertreten von den andern , eh ich zu dir kam . Da war nichts mehr zu verderben , nichts mehr gut zu machen ! - Aber es ist doch wahrlich auch ein grausames Erbarmen , das Wesen , das der langen Ruhe schon nah ist , mit einer Balsamtropfe zu wecken , daß es zwiefach stirbt ! - Ich danke nun dafür ; ich wollte , du hättest dich nie bemüht . Nein ! sie hat nicht gut an mir gehandelt . Sie ist , wie alle . Die andern begannen , und sie hats vollendet - meisterlich ! - Ich erschrak endlich doch über meine Lästerungen . Die reinen Melodien ihres Herzens , die sie mir oft auf Augenblicke mitgeteilt hatte durch Red und Miene , daß mirs ward , als wandelt ich wieder im verlassenen Paradiese der Kindheit , ihre fromme Scheue , nichts zu entweihen durch übermütigen Scherz oder Ernst , wenn es nur ferne verwandt war mit Schönem und Gutem , ihre absichtlose Güte , ihr Geist mit seinen hohen Idealen , woran ihre stille Liebe so einzig hing , daß sie nichts suchte , und nichts fürchtete in der Welt , alle die lieben seelenvollen Abende , die ich zugebracht hatte mit ihr , jeder Reiz ihrer Bewegung , die , wo sie stand und ging , nur sie - das edle , unbefangne , stille Gemüt - bezeichnete , das alles und mehr , ihr ganzes himmlisches Wesen , ging wieder auf mir , wie der Boge des Friedens nach Gewittern . - Und dieser Einzigen zürnst du ? sagt ich mir ; und warum ? weil sie nicht verarmt ist , wie du , weil sie den Himmel noch im Herzen trägt , nicht eines andern Wesens , nicht fremden Reichtums bedarf , um die verödete Stelle auszufüllen , weil sie nicht unterzugehen fürchten kann , wie du , um sich mit dieser Todesangst an ein andres zu hängen ; ach ! gerade das Göttlichste an ihr , diese Ruhe , diese himmlische Genügsamkeit hast du gelästert , die Unschuld hast du um ihr Paradies beneidet ; und mit einem so zerrütteten Geschöpfe sollte sie sich befassen ? muß sie dich nicht fliehen ? o warnt , ihr guten