recht vergnügt . So fanden sich denn am Sonntagnachmittag die vier Leute im Kleebinderhäusel zusammen . Die beiden Bäuerinnen saßen sich gegenüber und sagten sich weder Liebes noch Leides , sondern sprachen vom Wetter und vom Wirtschaften ; die Kleebinderin , ihrer Überlegenheit bewußt , redete ein langes und breites , und die Zinshoferin , öfter verstohlen gähnend , warf Kurzes und Schmales dazwischen . Helene bezeigte sich mehr respektvoll als freundlich , sie sah meist vor sich nieder , selten blickte sie nach Muckerl , der ihr gegenübersaß und kein Auge wandte . Er war der einzige , den die Langweile nicht anfocht , weil er sich ganz rückhaltlos zufrieden und glücklich fühlte . Vom nächsten Tage an galt es im Dorfe für ausgemacht , daß nunmehr alles zwischen dem Kleebinder-Muckerl und der Zinshofer-Helen in Richtigkeit sei . Die Dirne blieb sich übrigens in ihrem Verhalten ganz gleich , was die alte Kleebinderin veranlaßte , immer nachdrucksamer mit dem Kopfe zu schütteln . Es eilte der Helen gar nicht , sich bei der Mutter Muckerls einzuschmeicheln , sie suchte deren Umgang nicht und hielt ihr bei Begegnungen gleichmütig stand , so wie sie auch die Neigung des Burschen weder ermutigte noch ablehnte ; ja , einem weniger Gutmütigen hätte sie sicher das Schenken verleidet , sie verstand sich zu keiner Bitte und zu keinem Danke . Hatte sie Kleider oder Schuhzeug abgetragen , so sagte sie zu Muckerl : » Nun , schau einmal , wie schnell das ruiniert ! Sein doch recht betrügerische Leut , die so was verkaufen mögen , und du laßt dir auch alle schlechte War aufhängen . « Oder wenn es sie nach irgend etwas verlangte , einem Schmuckgegenstande und derlei , so fragte sie : » Meinst nit auch , daß das schön wär und mich kleiden möcht ? « Er suchte dann bessere Ware und auch das Schöne und Kleidsame herbeizuschaffen . Sie schlug es dem Muckerl rundweg ab , sich von ihm noch mal in das Wirtshaus führen zu lassen . Er tauge eben nicht unter Leute und darum sei es schwer , mit ihm unter ihnen zu sitzen . Am Kirchtag aber - das verspricht sie - geht sie mit ihm auf den Tanzboden . » O du mein Gott « , klagte die Kleebinderin , » die Dirn hat ein Stolz , wie ich nie glaubt hab , und je mehr der Bub unterduckt , je stolzer tut sie , und mit allem stellt er sich zufrieden . « Er stellte sich nicht zufrieden , er war es wirklich . Lieber wie eine , die sich z ' gring acht , muß ihm doch die Dirn sein , die sich vielleicht ein bissel z ' hoch halt , aber doch nit zu gut für ihn . Nein , das tut sie nit . Er weiß ja , was ihm auf nächste Kirchweih bevorsteht ! Es war noch ziemlich lange bis dahin . V Daß schöne Mädchen gerne unscheinbare neben sich dulden , dürfte nicht schwer zu erklären sein , und daß letztere sich den ersteren aufdrängen , hat seinen Grund wohl darin , weil im Umgange mit einer so viel Umworbenen vielseitigere Aufschlüsse über das zu erwarten stehen , was nun einmal der großen Mehrheit der Menschen das Interessanteste im Leben ist und bleibt , über das Lieben und Geliebtwerden . Daß sich die minder hübschen dabei auch mit der Hoffnung trügen , gelegentlich einen der herzwunden Abgewiesenen für sich in Beschlag zu nehmen , mag im allgemeinen wohl nur eine boshafte , durch nichts begründete Anschuldigung sein . Unter den Dirnen , die sich zu Helen gesellten , war auch die Matzner-Sepherl . Die Harthändige mit den wundernden Augen wußte sich einzuschmeicheln , sie pries so rückhaltlos die Schönheit der Kameradin und andernteils wußte sie den Muckerl nicht genug zu loben , so daß sie es nur rechtschaffen recht fand , daß die Schönste nicht mit einem der gmein Bauersleut , sondern mit einem so Kunstfertigen und Ausbündigen hausen wolle ; was ganz angenehm zu hören war . Sepherl teilte auch mit Helene die neidische Bewunderung des Sternsteinhofes , während alle anderen da unten am Fuße des Hügels sich mit dem gotteingesetzten Unterschiede zwischen reich und arm zufriedengaben und von keinem Wünschhütchen träumten , das sie auf den Gipfel versetzen könnte . Sepherl war schon zu öfteren Malen auf dem reichen Hofe gewesen , sie hatte dort eine alte Base , die seit dem vor Jahren erfolgten Tode der Bäuerin dem Hauswesen vorstand ; diese brave Schaffnerin tat sich nicht wenig auf ihre Bedeutung zugute , schätzte aber ganz richtig , daß sie selbe nur dem mächtig großen Anwesen verdanke , und ließ sich bei günstiger Gelegenheit gerne dazu herbei , ein oder das andere Dorfkind darauf herumzuführen und zu verblüffen . Ein paarmal hatten die beiden Dirnen die Alte aufgesucht , ohne mehr als deren allerdings recht wohnliches Stübchen vom ganzen großen Sternsteinhof gesehen zu haben , dann aber wurden sie auf den nächsten Sonntagnachmittag geladen , wo die Herrenleute » aus « sein würden und auch wenig Gesinde sich daheim verhalten werde . Es war ein sonniger Herbstnachmittag , an dem die beiden Dirnen in Begleitung Muckerls längs des Baches durch das Dorf schritten , bis wo in Mitte desselben , der Kirche gegenüber , die Brücke über das Wasser und auf den Weg führte , der zum Sternsteinhof hinanstieg . » Bhüt dich Gott , Muckerl « , sagten die beiden , denn der war nicht geladen worden , und ihn mitbringen wäre eine Unhöflichkeit gewesen . » Bhüt dich Gott , und laß dir unterdes die Zeit nit lang werden . « » Habt derwegen kein Sorg « , sagte er , indem er sich auf das Brückengeländer stützte . » Unterhaltet euch gut . « Helen war boshaft genug , ihm ein » Auch soviel « zuzurufen , dann eilten die Dirnen mit flinken Füßen den Hügel hinan . » Wirst sehen ,