, vornehm . Ich bilde mir auch ein , zu wissen , was vornehm ist . Und ich sag Ihnen , Reiff , Vornehmheit ist anders . Vornehm ! Ein Schlaukopf ist er und weiter nichts . Oder glauben Sie , daß er die kleine Rotblondine mit den ewigen Schmachtaugen geheiratet hat , weil sie Caparoux hieß oder meinetwegen auch de Caparoux ? Er hat sie geheiratet , weil sie die Schwester ihrer Schwester ist . Du himmlischer Vater , daß ich einem Polizeirat solche Lektion halten muß . « Der Polizeirat , dessen Schwachheiten nach der erotischen Seite hin lagen , las aus diesen andeutenden Worten ein Liebesverhältnis zwischen dem Major und Melanie heraus und sah den langen hagren Duquede von der Seite her betroffen an . Dieser aber lachte und sagte : » Nicht so , Reiff , nicht so ! Carrièremacher sind immer nur Courmacher . Nichts weiter . Es gibt heutzutage Personen ( und auch das verdanken wir unsrem großen Reichsbaumeister , der die soliden Werkleute fallen läßt oder beiseite schiebt ) , es gibt , sag ich , heutzutage Personen , denen alles bloß Mittel zum Zweck ist . Auch die Liebe . Und zu diesen Personen gehört auch unser Freund , der Major . Ich hätte nicht sagen sollen , er hat die Kleine geheiratet , weil sie die Schwester ihrer Schwester ist , sondern weil sie die Schwägerin ihres Schwagers ist . Er braucht diesen Schwager , und ich sag Ihnen , Reiff , denn ich kenne den Ton und die Strömung oben , es gibt weniges , was nach oben hin so empfiehlt wie das . Ein Schwager-Kommerzienrat ist nicht viel weniger wert als ein Schwiegervater-Kommerzienrat und rangiert wenigstens gleich dahinter . Unter allen Umständen aber sind Kommerzienräte wie konsolidierte Fonds , auf die jeden Augenblick gezogen werden kann . Es ist immer Deckung da . « » Sie wollen also sagen ... « » Ich will gar nichts sagen , Reiff ... Ich meine nur so . « Und damit waren sie bis an die Bendlerstraße gekommen , wo beide sich trennten . Reiff ging auf die Von-der-Heydt-Brücke zu , während Duquede seinen Weg in gerader Richtung fortsetzte . Er wohnte dicht an der Hofjäger-Allee , sehr hoch , aber in einem sehr vornehmen Hause . Siebentes Kapitel Ebenezer Rubehn Wenige Tage später hatte Melanie das Stadthaus verlassen und die Tiergarten-Villa bezogen . Van der Straaten selbst machte diesen Umzug nicht mit und war , sosehr er die Villa liebte , doch immer erst vom September ab andauernd draußen . Und auch das nur , weil er ein noch leidenschaftlicherer Obstzüchter als Bildersammler war . Bis dahin erschien er nur jeden dritten Tag als Gast und versicherte dabei jedem , der es hören wollte , daß dies die stundenweis ihm nachgezahlten Flitterwochen seiner Ehe seien . Melanie hütete sich wohl zu widersprechen , war vielmehr die Liebenswürdigkeit selbst und genoß in den zwischenliegenden Tagen das Glück ihrer Freiheit . Und dieses Glück war um vieles größer , als man , ihrer Stellung nach , die so dominierend und so frei schien , hätte glauben sollen . Denn sie dominierte nur , weil sie sich zu zwingen verstand ; aber dieses Zwanges los und ledig zu sein blieb doch ihr Wunsch , ihr beständiges , stilles Verlangen . Und das erfüllten ihr die Sommertage . Da hatte sie Ruhe vor seinen Liebesbeweisen und seinen Ungeniertheiten , nicht immer , aber doch meist , und das Bewußtsein davon gab ihr ein unendliches Wohlgefühl . Und dieses Wohlgefühl steigerte sich noch in dem entzückenden und beinah ungestörten Stilleben , dessen sie draußen genoß . Wohl liebte sie Stadt und Gesellschaft und den Ton der großen Welt , aber wenn die Schwalben wieder zwitscherten und der Flieder wieder zu knospen begann , da zog sie ' s doch in die Parkeinsamkeit hinaus , die wiederum kaum eine Einsamkeit war , denn neben der Natur , deren Sprache sie wohl verstand , hatte sie Bücher und Musik und - die Kinder . Die Kinder , die sie während der Saison oft tagelang nicht sah und an deren Aufwachsen und Lernen sie draußen in der Villa den regsten Anteil nahm . Ja , sie half selber nach , in den Sprachen , vor allem im Französischen , und durchblätterte mit ihnen Atlas und historische Bilderbücher . Und an alles knüpfte sie Geschichten , die sie dem Gedächtnis der Kinder einzuprägen wußte . Denn sie war gescheit und hatte die Gabe , von allem , worüber sie sprach , ein klares und anschauliches Bild zu geben . Es waren glückliche stille Tage . Möglich dennoch , daß es zu stille Tage gewesen wären , wenn das tiefste Bedürfnis der Frauennatur : das Plauderbedürfnis , unbefriedigt geblieben wäre . Aber dafür war gesorgt . Wie fast alle reichen Häuser hatten auch die van der Straatens einen Anhang ganz- und halb-alter Damen , die zu Weihnachten beschenkt und im Laufe des Jahres zu Kaffees und Landpartien eingeladen wurden . Es waren ihrer sieben oder acht , unter denen jedoch zwei durch eine besonders intime Stellung hervorragten , und zwar das kleine verwachsene Fräulein Friederike von Sawatzki und das stattlich hochaufgeschossene Klavier- und Singefräulein Anastasia Schmidt . Ihrer apart bevorzugten Stellung entsprach es denn auch , daß sie jeden zweiten Osterfeiertag durch van der Straaten in Person befragt wurden , ob sie sich entschließen könnten , seiner Frau während der Sommermonate draußen in der Villa Gesellschaft zu leisten , eine Frage , die jedesmal mit einer Verbeugung und einem freundlichen » Ja « beantwortet wurde . Aber doch nicht zu freundlich , denn man wollte nicht verraten , daß die Frage erwartet war . Und beide Damen waren auch in diesem Jahre , wie herkömmlich , als Dames d ' honneur installiert worden , hatten den Umzug mitgemacht und erschienen jeden Morgen auf der Veranda , um gegen neun Uhr mit den Kindern das erste und um zwölf mit Melanie das