Das ist eine ganz rasend heitere Idee ! Das nächstemal gehen wir ihnen sicherlich erst bei Sonnenuntergang durch ! « Und der Alte am Wasser , bedenklich seine Kappe von einem Ohr aufs andere schiebend , meint : » Ich wäre wohl schon dabei , und zu Schaden sollten die jungen Herrschaften bei mir auch wohl nicht kommen ; aber schriftlich muß ich die Erlaubnis doch wohl vor mir haben ; denn nachher kenne ich sonst die Herren beim Amte gut genug , wenn ich wieder von wegen meiner Berechtigung allhier vor sie muß . In alten Zeiten , allwo man noch gar keine Papiere nötig hatte , soll das alles viel besser gewesen sein , und da hätte auch ich , nichts Schriftliches verlangt , sondern im Gegenteil . « » Dies ist doch großartig ! « meint Irene Everstein , eine der gewohntesten Redensarten ihres Freundes Ewald sich aneignend . Nun fahren wir über . » Nicht schaukeln ! Bitte , bitte , nicht schaukeln , Irene ! « fleht Eva , wie sie vorhin » Nicht schütteln ! « ängstlich gerufen hat . Die Strömung ist ziemlich heftig und das » Schaukeln « in der Tat durchaus nicht notwendig . » Ja , lassen Sie es lieber , junge Herrschaft « , meint der Vater Klaus . » Erst vor acht Tagen habe ich da ein bißchen weiter unten eine herausgeholt . Die mußte ziemlich weit von oben her zugereist sein ; hier herum , und so weit unsere Gerichtsherren hinreichen , hat sie niemand gekannt . In Bodenwerder haben wir sie denn auch unbekannterweise beerdigt , und ich bin auch der einzigste gewesen , der mit ihr gegangen ist ; und das ist nicht das erstemal in meinem Leben gewesen . So ' n alter Fischersmann will doch nicht so ganz als ein Vieh an seinem Wasser sitzen , sondern sie geben sich , mit Respekt zu sagen , gegenseitig alle Ehren . Ja , so ' nen Wasserlauf soll man nur recht kennen durch die Jahre und Tage und Nächte und alle Witterungen - das ist wohl was Nachdenkliches , junge Herrschaften ! « Wir sahen alle nach dem Weidenbusch hinüber , wo die unbekannte Fremde anlandete nach ihrer langen Reise . Irene schaukelt nicht mehr ; aber nun sind wir mitten im Strom , und wo ist der Sonnenschein heller als mitten auf den Wassern ? Die Wellen flimmern , silberne Flossen schnellen rundum auf , um blitzschnell wieder in der Tiefe zu verschwinden . Wir lassen alle eine Hand in die laue Flut herniederhängen und sie um die erhitzten Pulse spülen . » Na aber , Fritze , dein zarter Teint ! « grinst Ewald ... » Nun guckt nur , ob seine liebe Nase bei der Temperatur nicht schon abblättert wie eine Zwiebel . Von euch zwei Backfischen sage ich gar nichts ; denn ihr seid ja ganz in eurem Elemente , und übrigens wird es euch auch Fritzchens Mama heute abend schon sagen und morgen früh noch einmal . « Die beiden Mädchen unter ihren breiten Sommerstrohhüten glühen freilich wie die Pfingstrosen ; aber von der unbekannten Leiche , welcher neulich unser alter Fährmann in Bodenwerder allein das letzte Ehrengeleit zu Ehren seines Flusses gab , ist nicht weiter die Rede . Wir landen auf dem anderen Ufer , der Vater Klaus bekommt seinen Fährlohn und ruft uns nach : » Also auf das schriftliche Attestat verlasse ich mich . Nachher wünsche ich mir nichts Besseres als die junge Herrschaft bei mir zu Gaste , wenn mal der Mond voll im Kalender steht und der Fisch zutunlich gewesen ist . Und mitsingen tu ich auch . In meinen jungen Jahren habe ich immer über der Bratpfanne alle hübschen jungen Mädchens hüben und drüben in den schönsten Liedern vom Jahrmarkt mit besungen . « Es schlägt eben in der Ferne , in Bodenwerder , elf Uhr , als wir lachend , die Mützen und die Taschentücher schwenkend , unseren Weg auf dem Schifferpfade durch Weiden , Röhricht , über die harten Kiesel und Flußmuscheln fortsetzen stromabwärts . Unser grauer Charon bleibt noch eine ziemliche Weile auf seine Ruderstange gelehnt stehen und sieht uns nach - lächelnd , kopfschüttelnd und eine Prise nehmend . Er hat zu allen diesen drei Äußerungen seiner Meinung und Ansichten über uns vollkommen die Berechtigung und braucht sich nicht im geringsten auf irgend etwas Schriftliches einzulassen . Siebentes Kapitel Es ist , als schwände der Vetter in immer unbestimmtere , idealere Ferne Aber wir erreichen ihn und das Seinige doch ; und wenn wir ihn haben werden , so wird er hoffentlich um so näher zu Sinn und Herzen wirken und also in der einzig wahren Weise ganz realistisch dasein . Mein Wort darauf , wir wissen Bescheid und stehen mit den echten Wirklichkeiten oder Realien in dieser Welt auf ganz gutem Fuße und verkehren miteinander nicht bloß in Schlafrock und Pantoffeln - denn das will nicht viel bedeuten ! - , sondern auch dann und wann im Fest- und Feiertagskleide , und das will viel sagen ! Nun querlandein durch die Sommerglut ! Wir haben jedoch glücklicherweise nur noch eine kleine halbe Stunde zu marschieren , bis wir den Steinhof erreichen , und wir legen den Weg nunmehr rasch genug zurück , denn jetzt hält uns nichts mehr auf demselbigen auf . Die Mädchen wollen zwar anfangen , ihre Füße nachzuziehen ; aber Ewald , im kurzen Trabe sich zu mir wendend , meint grinsend : » Jetzt ist es ein wahres Glück , daß sie ihren Magen geradesogut als wir spüren , sie drehten sonst richtig noch um und gingen nach Hause . - Alle Donner , Rührei und Schinken , Kinder , ich sage euch , so fressig wie jetzt ist ' s mir - seit gestern mittag noch nicht im Leibe zumute gewesen ! Ho , jetzt will ich nur wünschen , daß dem Vetter diese letzte Nacht recht lebendig von mir geträumt hat