, hatte sie ein paar Hände voll junger Möhren aus dem Beete gezogen , die sie eifrig schabte und putzte . Elisabeth setzte sich zu ihr . Die Alte warf einen schelmischen Blick auf die schlanken weißen Finger , die neben ihren eigenen braunen , schwielenharten Händen erschienen und einige Möhren von ihrem Schoße nahmen . » Nichts da , « sagte sie abwehrend , » das ist keine Arbeit für Sie - Sie kriegen gelbe Finger . « » Daraus mache ich mir nichts ! « lachte Elisabeth . » Ich helfe Ihnen und Sie erzählen mir ein wenig . Sie sind hier aus der Gegend und wissen gewiß auch etwas von der Geschichte des alten Schlosses . « » I nu freilich , « entgegnete die alte Haushälterin ; » Lindhof , wo ich geboren bin , hat ja den Herren von Gnadewitz seit undenklichen Zeiten gehört , und sehen Sie , in einem so kleinen Orte da dreht sich nachher alles um die Herrschaft , der man unterthänig ist . Da geht nichts verloren , was besonderes im Herrenhause vorfällt ; das vererbt sich auf Kind und Kindeskinder ; und wenn den vornehmen Leuten schon lange kein Zahn mehr weh thut , da erzählen sich noch die Bursche und Mädchen im Dorfe ihre Geschichte . Da war meine selige Urgroßmutter , die ich noch recht gut gekannt habe , die wußte Dinge , daß einem die Haare zu Berge standen . Sie hatte aber einen heiligen Respekt vor denen auf Gnadeck und duckte mich mit ihren beiden zitternden Händen immer tief auf den Boden , wenn die Herrschaft vorbeifuhr ; denn ich war dazumal noch ein kleines Ding und konnte keinen rechten Knicks machen ... Sie wußte weit , weit in die uralte Zeit hinein die Namen von all den Herren , wie sie der Reihe nach da droben gehaust haben , und gar vieles , was dort wider Gott und Recht geschehen ist . Wie ich nachher auf das neue Schloß kam und die großen Säle fegen mußte , wo sie alle abgemalt waren , von denen vielleicht jetzt kein Staubkörnchen mehr übrig ist , da habe ich manchmal dort gestanden und mich gewundert , wie sie doch ganz und gar nicht anders ausgesehen haben als andere Menschenkinder auch , und haben doch ein Wesens von sich gemacht , als ob sie der liebe Gott in eigener Person auf die Welt ' runter gebracht hätte ... Von Schönheit war bei den Weibern auch nicht viel zu sehen . Ich meinte immer in meinen dummen Gedanken , wenn das schöne Lieschen , das schönste und feinste Mädchen im Dorfe , in den goldenen Rahmen ' naufgestiegen wäre , in der seidenen Schleppe und mit so viel Edelsteinen auf der Brust und in den Haaren und der Mohr mit dem silbernen Präsentierteller hätte hinter ihrem schneeweißen Gesichte gestanden , das wär ' tausendmal schöner gewesen , als die Dame , die eigentlich bitter häßlich war und zwei schwarze , dicke Striche über den Augen hatte , die sie bis unter die Haare hinaufzog vor lauter Hochmut . Aber gerade auf die war die ganze Familie stolz . Es sollte eine reiche , reiche Gräfin gewesen sein , aber hart und gefühllos wie Stein . Unter den Männern war auch nur einer , den ich gern ansehen mochte . Der hat aber gar ein liebes , treuherziges Gesicht gehabt und ein paar Augen , so schwarz wie die Schlehen ; und an dem ist ' s auch wieder wahr geworden , daß der Beste am meisten zu leiden hat in der Welt . Von allen anderen in der langen Reihe hat man nichts gewußt , als daß es ihnen gut gegangen ist ihr lebenlang ... Viele davon haben Unglück genug in die Welt gebracht , und haben sich doch nachher so ruhig auf ihr Sterbebett gelegt , als sei das alles von Rechts wegen geschehen ... Na , um wieder auf den Jost von Gnadewitz zu kommen , der hat ein recht trauriges Schicksal gehabt . Die Großmutter von meiner Urgroßmutter hat ihn selbst gekannt , als sie noch ein kleines Kind gewesen ist . Er hat dazumal nur der wilde Jäger geheißen , weil er den ganzen geschlagenen Tag nicht aus dem Walde gekommen ist . - Auf dem Bilde war er auch im grünen Rocke gemalt und hatte eine lange , weiße Feder auf dem Hute , was mir immer so gefallen hat zu seinen kohlschwarzen lockigen Haaren . Aber gut ist er gewesen und hat keinem Kinde was zuleide thun mögen . Dazumal ist es den Leuten im Dorfe gar gut gegangen , und sie haben gewünscht , es möchte immer so bleiben . Aber auf einmal ist er eine Zeit fortgewesen ; kein Mensch hat gewußt , wo er steckt , bis er endlich bei Nacht und Nebel wiedergekommen ist , ohne daß es jemand gemerkt hätte ... Von der Zeit an war er aber ganz verwandelt ... Den Leuten in Lindhof ist zwar nichts entzogen worden ; aber sie haben ihren Herrn nicht mehr zu sehen gekriegt . Er hat alle Dienerschaft fortgeschickt und ist im alten Schlosse mutterseelenallein mit einem Lieblingsdiener geblieben . Da haben denn endlich die Leute viel gemunkelt von der schwarzen Kunst , die er da oben treibe , und hat sich kein Mensch mehr bei hellem , lichtem Tage auf den Berg getraut , geschweige denn in der Nacht ... Die alte Großmutter ist aber in ihrer Jugendzeit gar ein keckes Ding gewesen und hat just erst recht ihre Ziegen bei den Schloßmauern grasen lassen ... Nun , und da hat sie einmal ganz still und in Gedanken unter einem Baume gesessen und hat hinübergesehen nach der Mauer , wie die doch so hoch sei , und was wohl dahinter stecken möchte . Und da ist mit einem Male da droben ein Arm , so weiß wie Schnee , hervorgekommen , nachher ein Gesicht - die Großmutter hat erzählt