ihnen ihre Mühewaltung als eine Ehrensache anzurechnen . Er versicherte daher dem Caplan , daß er volles Zutrauen zu seiner Einsicht und zu seiner Freundschaft hege ; daß er zu jeder Forderung , welche Pauline für ihre äußeren Umstände mache , im Voraus seine Bewilligung ertheile , und daß er also die ganze Leitung und Läuterung der peinlichen Verhältnisse dem Freunde überlasse . Ich habe Ihnen heute den höchsten Beweis von Vertrauen gegeben , lieber Freund , den ein Mann dem andern zu geben im Stande ist , sagte er . Ich habe Sie gebeten , in einer mir äußerst wichtigen und schmerzlichen Angelegenheit statt meiner zu handeln . Was Sie für nöthig erachten , werde ich unbedenklich thun , was geschehen wird , wird allein Ihr Werk sein ! - Er betonte dieses Letztere , als gebe er im Voraus seinen Dank zu erkennen ; aber der Caplan wußte , daß der Baron sich dieser Wendung ohne Zweifel sehr wohl erinnern würde , wenn es etwa darauf ankommen sollte , dem Vermittler die ganze Verantwortlichkeit für ein Mißlingen oder für irgend eine unangenehme Verwicklung zuzuwenden , und als wolle er ihm gar nicht Zeit zu irgend einer Entgegnung einräumen , fügte der Baron mit wiedergekehrtem Gleichmuthe leichtfertig hinzu : Nur das Eine halten Sie fest , daß der Gedanke an das arme Geschöpf mir wehe thut , weil es mich in der That mehr liebt , als Männer meiner Art eigentlich in ähnlichen Verbindungen geliebt zu werden wünschen . Darauf gab er einige Aufträge , die er hier im Schlosse während seines Aufenthaltes in der Stadt vollzogen zu sehen wünschte , und empfahl dieselben dem Caplan eben so angelegentlich , als er ihm Pauline empfohlen hatte . Seine Wiederkehr und die Abreise zur Hochzeit wurden auf Tag und Stunde festgesetzt , und in aller Frühe des nächsten Morgens brach der Freiherr von seinem Schlosse auf . Es war noch nicht völlig hell , als er durch Rothenfeld fuhr und an Paulinen ' s Haus vorüberkam . Er bog aus Gewohnheit den Kopf ein wenig hervor ; die Hausthüre , die Fensterladen waren noch geschlossen . Er hatte in ihrem Schutze manche Stunde voll Genuß durchlebt . Die Erinnerung daran bewegte ihn , aber in einer Weise , als läge die Zeit , in der es geschehen war , ein halbes Menschenleben hinter ihm . Er hatte jetzt nur die nächsten Tage , nur die Verbindung mit Gräfin Angelika im Sinne . Mit der Vergangenheit hatte er sich gestern abgefunden , als er dem Caplan davon ausführlich gesprochen hatte . Pauline zu befriedigen und zu trösten war nun dessen Sache . Als der Wagen um die Ecke bog , sah der Baron das Haus noch einmal von der andern Seite vor sich . Es fiel ihm ein , daß es , wenn Alles nach seinen Wünschen gehe , bei seiner Heimkehr bereits verlassen sein werde , und noch einmal überschlich ihn die Wehmuth , die ihn gestern zu den Mittheilungen an den Caplan bewogen hatte . Aber er verscheuchte sie schnell mit dem erfreulichen Gedanken , daß er für sein Alter doch noch eine große Frische der Empfindung besitze . Als feiner Egoist verstand er es vortrefflich , sich selbst seinen Schmerz in eine gewisse Befriedigung zu verwandeln , und wie er sich am gestrigen Tage im Hinblicke auf seine junge Verlobte , seiner Wohlgestalt gefreut hatte , so erfreute es ihn jetzt , daß die Trennung von einer Geliebten ihn noch wirklich im Gemüthe leiden mache . Seine Braut konnte sich nach seiner Meinung des Besten zu einem Manne versehen , der neben den Erfahrungen der reifen Jahre alle Vorzüge der Jugend bewahrt hatte . Was aber Pauline anbetraf , so gestand er es sich im Vertrauen , daß sie an Anziehungskraft für ihn verloren habe , daß sie nicht mehr dieselbe sei , als vor fünf Jahren . Was sie an Entwicklung gewonnen , das hatte sie an Ursprünglichkeit eingebüßt , und es war im Grunde nicht übel , daß seine Heirath ihm die Pflicht auflegte , sich von ihr zu trennen . Daß es ewig währen könne zwischen ihr und ihm , hatte sie ja selbst nicht glauben können . Aber er wollte in jeder Weise für sie sorgen , für sie und für sein Kind , und wenn er das that , so war ihr doch immer ein ganz anderes Loos gefallen , als ihr ohne sein Dazwischentreten jemals hätte zu Theil werden können . Er war also beruhigt und durchaus mit sich zufrieden . Drittes Capitel Die Hälfte der Zeit , welche der Baron für seine Abwesenheit angesetzt hatte , war bereits verflossen , ohne daß der Caplan zu einem befriedigenden Abschlusse mit Pauline hätte gelangen können . Denn mit dem Eigensinn des Herzens , welchen die Halbbildung sich als Charakterstärke auslegt , wies sie Alles von sich , was ihrem Empfinden widersprach , hielt sie an ihren Vorstellungen fest , und alle diese Vorstellungen kamen ihr von dem Baron ; nur daß in seiner Geliebten sich zu einem Ganzen gestaltet hatte , was in ihm unverbunden neben einander herging , und daß in ihr zur Glaubenssache geworden , was in ihm stets mehr oder weniger ein Spiel und die Wirkung zufälliger Stimmungen geblieben war . Der Baron war kein Wüstling , kein gewöhnlicher Lebemann , kein herzloser Aristokrat , kein schwärmender Phantast . Er hatte aber von allen diesen Arten einzelne Züge in seinem Charakter , und dabei eine Eitelkeit , welche seine Herzensgüte , seinen Verstand beeinflußte und es ihm zu einem Bedürfnisse machte , immerdar Etwas vorzustellen und dafür mindestens von sich selbst Bewunderung einzuernten . In der großen Welt hatte er früher durch seine Prachtliebe und durch seine Abenteuer geglänzt , im Felde oder im Staatsdienste würde seine Eitelkeit ihn vielleicht zu Anstrengungen getrieben haben , die ihm Ehre gebracht und Ruhm erworben hätten . In der Stille des Landlebens konnte es ihm geschehen , daß er sich , wenn es