denn auf einmal wieder her ? Hat er sich in Egypten ebenso gelangweilt , wie hier ? Die Contracte mit seinen Pächtern laufen nächsten Martini ab , ebenso wie auf einigen unserer Güter . Ich vermuthe , daß ihn dies zur Rückkehr bewogen hat . Er scheint noch menschenscheuer geworden zu sein , als er es schon damals war . Griebenow , unser Förster , ist ihm im Walde begegnet ; bei uns hat er sich noch nicht sehen lassen . Nun , diese Unaufmerksamkeit des Barons werden Sie ja leicht verschmerzen , liebe Anna-Maria ; Sie waren ja nie besonders gut auf ihn zu sprechen . Ich wüßte auch nicht , daß Oldenburg mir je Veranlassung gegeben hätte , das zu thun ; mir so wenig wie irgend Einem von uns . Ein Mann , welcher der Religion - ich möchte beinahe sagen , offen Hohn spricht , der die Würde seines Standes , die Interessen seiner Standesgenossen so weit vergißt , auf den Kreistagen , auf den Landtagen , bei jeder Gelegenheit die Partei der Neuerer zu ergreifen ; der unsere Societät nur aufzusuchen scheint , um sich über uns lustig zu machen - ein solcher Mann hat es sich selbst zuzuschreiben , wenn wir unser Interesse und unsere Theilnahme Anderen zuwenden , die es besser verdienen . Ei , an Interesse von Seiten der Anderen hat es , däucht mir , Oldenburg schon damals nicht gefehlt , und wird es , glaube ich , ihm auch jetzt wieder nicht fehlen . Ich weiß eigentlich nicht , weshalb sich alle Welt so viel um einen Mann bekümmert , der sich an die Welt im Großen und Kleinen so wenig kehrt . Das ist wohl sehr erklärlich , liebe Melitta . Die Oldenburgs gehören zu unseren ältesten Familien ; es kann uns nicht gleichgültig sein , ob der letzte Sprosse einer solchen Familie ein Plebejer wird , oder nicht . Oldenburg wird nie ein Plebejer werden , sagte die jüngere Dame mit einiger Wärme . Ei , ei , liebe Melitta ! Sie nehmen sich ja des Barons recht lebhaft an . Wollen Sie auch etwa seinen moralischen Lebenswandel vertheidigen , seine Liebesaffairen , mit denen er die chronique scandaleuse nicht nur unserer Gegend bereichert hat ? Ich habe nie , so viel ich weiß , etwas Unmoralisches gethan oder gut geheißen , sagte Frau von Berkow noch lebhafter wie zuvor . Und was Herrn von Oldenburg ' s Privatleben betrifft , so erlaube ich mir darüber gar kein Urtheil , da es mir vollkommen fremd ist . - Uebrigens , fuhr sie nach einer Pause und mit wieder ruhiger Stimme fort , sollte es mich doch wirklich wundern , wenn Oldenburg in der That der Don Juan wäre , zu dem man ihn durchaus machen will . Sie werden mir zugeben , liebe Anna-Maria , daß er weder die Schönheit noch die Gewandtheit besitzt , welche die nothwendigen Eigenschaften der Repräsentanten dieser Rolle sind . Darüber erlaube nun ich mir wieder kein Urtheil , sagte die Baronin , nicht ohne merkliche Ironie , das müßt Ihr jungen Frauen unter Euch abmachen . Junge Frauen , rief Melitta lachend . Sie ließ die Arbeit in den Schooß sinken und lehnte sich bequem in den Stuhl zurück , die Baronin , die unverdrossen weiter nähte , mit einem Blick betrachtend , in welchem sich ein gut Theil Schalkheit mit einem ganz kleinen Theil Böswilligkeit mischte , junge Frauen ! Wissen Sie , liebe Anna-Maria , daß ich noch in diesem Jahre dreißig werde ? Mein Julius wird im nächsten Monat zwölf , nur viel Jahre jünger wie Ihre Helene . Apropos , wie geht es denn dem lieben Kinde ? Soll sie denn ewig in dem Hamburger Pensionat bleiben ? Wie lange ist sie nun schon da ? Zwei , nein , es sind ja bereits drei Jahre ! Und nicht ein einziges Mal hier gewesen in der ganzen Zeit ! Sie werden Ihr eigenes Kind nicht wieder erkennen , liebe Grenwitz ! Das Hamburger Pensionat ist so ausgezeichnet , wird von Allen so gerühmt , daß ich mir ein Gewissen daraus machen würde , das Mädchen nicht so lange wie möglich dort zu lassen . Uebrigens haben Sie wohl vergessen , liebe Berkow , daß wir mit Helenen im vorigen Sommer in Ostende waren , und da Sie so große Sehnsucht nach der jungen Dame zu empfinden scheinen , will ich Ihnen auch in allem Vertrauen mittheilen , daß Sie dieselbe noch in diesem Sommer auf Grenwitz werden begrüßen können . Noch in diesem Sommer ! ei , sieh ! das hängt doch wohl nicht etwa mit Oldenburg ' s Rückkehr zusammen ? Verzeihen Sie meine Indiscretion ! aber ich erinnere mich , daß Sie vor einigen Jahren , als der Baron von seiner ersten großen Reise zurückkehrte , einmal äußerten , wie Ihnen eine Verbindung mit Oldenburg wohl conveniren würde . Damals kannte ich den Baron nicht , wie ich ihn leider seitdem kennen gelernt habe . Auch würde das Grenwitz ' Wünschen nicht entsprechen , der Helenen , glaube ich , nach einer andern Seite halb und halb versprochen hat . Nach einer andern Seite ? doch nicht etwa an Ihren vortrefflichen Cousin Felix ? Wie gesagt , ich weiß nichts Bestimmtes darüber ; Grenwitz ist so verschlossen ; aber ich vermuthe es fast daraus , daß er Felix bestimmt hat , auf ein Jahr Urlaub zu nehmen und dieses Jahr bei uns zuzubringen . Seine Gesundheit soll sehr angegriffen sein . Hoffentlich nicht so angegriffen wie sein Vermögen , sagte Melitta trocken . Sein Vermögen ? Was wissen Sie denn von Felix ' Privatverhältnissen ? Ich sage nur , was alle Welt sagt . Sie werden mir zugeben , Liebe , daß , wenn schon über Oldenburg die chronique scandaleuse nicht stumm ist , sie über Felix sehr viel zu sagen weiß , und an Stoff hat es ihr der Herr Lieutenant doch wahrlich nicht fehlen