von dem einen Lichte erhellt war . Sie brannte ein zweites an , setzte sich in den Schaukelstuhl und wartete . Aber der Zeiger der Uhr wies schon auf zehn , und Helmstedt war noch nicht zurückgekehrt . Unruhig hatte die junge Frau zu verschiedenen Malen sich erhoben , die Vorhänge zurückgeschlagen und in die dunkle , stille Nacht hinausgesehen ; jetzt verließ sie von Neuem ihren Sitz , zog die seinen Augenbrauen zusammen und schien mit einem Entschlusse zu kämpfen . Langsam löschte sie eins der Lichter aus und begab sich mit dem andern nach ihrem Schlafzimmer im oberen Stock . Es war das erste Mal seit sie verheirathet war , daß sie diesen Weg allein antrat . Als sie durch die » Halle « schritt , erklang aus der Küche einer der eigenthümlichen Negergesänge , mit welchen sich Cäsar die Zeit vertrieb : » Der alte Tommy wußte wohl Mit Mädchen umzugehn ; Und kam sein Schatz um sechse nicht , So harrt ' er bis um zehn . Bei Frauenzimmern heißt ' s : subtil , Wenn man ihr Herz gewinnen will . O Tommy , Tommy , Tommy , Tommy War ein kluger Mann . « Ellen horchte einen Augenblick auf das Lied , das sie so oft von dem Schwarzen in dem Hause ihres Vaters hatte singen hören , zog dann die Lippen in einer sonderbaren Mischung von Spott und Bitterkeit zusammen und verschwand in ihrem Schlafgemach . Als Helmstedt sein Haus verlassen , war er eine Strecke zwischen den Feldern hinter dem Städtchen fortgeschlendert . Er wollte mit sich selbst klar werden , ehe er nach Hause zurückkehrte - und es lag mancherlei auf seiner Seele , was des ordnenden Gedankens und des kräftigen Entschlusses bedurfte , mancherlei , von dem die eben durchlebte Scene mit seiner jungen Frau nur einen Theil bildete . Als Isaac , der alte Pedlar , der so vielfach in sein Leben eingegriffen und dem er so Manches zu verdanken hatte , in dem Hause seines Freundes Morton gestorben war , hatte es Helmstedt gern zugesagt , der Vollstrecker seines letzten Willens zu sein , wie es der Verblichene gewünscht , aber jetzt fanden sich Schwierigkeiten in der Ausführung dieses Versprechens , die sich im ersten Augenblick nicht voraussehen ließen . Ein unmündiger Schwestersohn des Verstorbenen , in New-York wohnhaft , war sein Erbe , und wollte Helmstedt sein Interesse nicht in fremde , vielleicht unzuverlässige Hände geben , so mußte er selbst nach dem Osten reisen , um die ganze Angelegenheit zu einem sichern Abschluß zu bringen . Dazu gehörte aber Geld - Geld für die Reise und den Aufenthalt in New-York , sowie für den Unterhalt seines Hausstandes , während er abwesend war und seinem Broderwerb als Musiklehrer in der » Akademie « des Städtchens nicht nachgehen konnte . Bei seiner Verheirathung hatte Ellen wol ein Capital von etwa eintausendeinhundert Dollars gehabt , das von ihrem Vater als » Sparbüchse « nach und nach für sie angesammelt und von diesem an Helmstedt überliefert worden war ; davon war aber der größte Theil für ihre Einrichtung darauf gegangen und der Rest in Ellens Händen für ihre Garderobe und anderweitige kleine Bedürfnisse geblieben , und Helmstedt hätte wol lieber selbst still die größten Entbehrungen ertragen , ehe er von dieser Summe einen Cent zurückverlangt hätte . Aber er besaß zwei Reitpferde von ausgezeichneter Race , welche ihm gleichfalls bei seiner Verheirathung von Ellens Vater übermacht worden und von denen ihm wenigstens eins schon längst ein unnützer Fresser geschienen hatte , besonders jetzt , wo ihm nichts zuwuchs und er jeden Bushel Futter kaufen mußte . Ellen war freilich seit frühester Jugend an den Luxus eines eigenen Reitpferdes gewöhnt - und sie ritt gern - während die Verhältnisse des Landlebens ein Pferd für ihn selbst nothwendig machten . Er hatte gerade bei ihr heute sondiren wollen , wie groß das Opfer sei , das sie ihm durch die Abschaffung des ihrigen bringen würde . Der Ertrag desselben hätte ihm das augenblicklich benöthigte Geld herbeigeschafft , das , da die Wiedererstattung desselben aus der Hinterlassenschaft nicht lange auf sich warten lassen konnte , ihm zugleich ein Reservecapital für Krankheiten oder unvorhergesehene Fälle geworden wäre . Denn was er mit angestrengter Arbeit jetzt verdiente , ging Null für Null in seinem Hausstande auf . Er hatte heute nicht mit Ellen über diese Dinge reden können - und ob er dies jemals zu thun im Stande wäre , wußte er jetzt nicht ; es drückte ihn jedoch , mehr als die ganze Angelegenheit , die Ursache , die eine gegenseitige Aussprache verhindert hatte . Im Hintergrunde seiner Seele stand , seit er sein Haus verlassen , ein Gespenst , das er mit Macht zurückdrängen wollte und doch nicht los werden konnte . Dies war die empordämmernde Ueberzeugung , daß nicht die Liebe zu ihm das Alles durchdringende , jeden andern Einfluß ausschließende Element in Ellens Seele war , das Element , welches ihre Gedanken und Handlungen leitete , wie er es sich in den Stunden stiller Träumereien vorgestellt - da ihre Gefühlsweise , wie die Auffassung ihrer jetzigen Verhältnisse eine durchaus andere war als die seinige - daß er sich nicht mit ihr verstand . Er sah einen Menschen in seinen Kreis treten , gegen welchen ihn ein Gefühl , von dem er sich selbst keine Rechenschaft geben konnte , auf seiner Hut zu sein hieß - er sah diesen augenscheinlich das Vertrauen seiner Frau gewinnen und sein Anstreben dagegen machtlos - er fühlte eine fremde Macht , den Einfluß von Ellens Eltern , sich zwischen ihn und seine Frau , auf deren Festigkeit er den Plan seines ganzen künftigen Lebens gebaut , drängen , eine Macht , deren Einfluß sich schon soweit geltend machte , daß darüber selbst die gewöhnlichste Rücksicht gegen ihn , die der einfachste Arbeiter in seinem Hause verlangt : eine pünktliche Mahlzeit , wenn er von der Arbeit zurückkehrt , vergessen wurde . - Er stand still und