Nürnberger Meister ungern that , fremde Leute in sein Haus nahm . Die Mutter Hieronymus ' hatte noch ein kleines Gemach für sich , das eine Herdstelle , wo sie für den Sohn kochte , und ihre Schlafstätte in sich vereinigte . Dort saß sie meist und spann , weil sie sich von ihrer Hände Arbeit ernähren mußte . » Wir sind zwar alle Brüder « sagte Hieronymus zu Ulrich , » und ein Streben beseelt uns Alle , ein gemeinsames Band verbindet uns Alle ; aber es ist doch ein Anderes , ob der Geist unserer Lehre in uns lebendig geworden oder nur ihr Buchstabe , ob wir die Sache selbst erfassen oder nur das Symbol - nur einen solchen Bruder möcht ' ich immer um mich haben , und weil mich dünkt , ich habe ihn in Dir gefunden , so möcht ' ich Dich immer um mich haben . « Ulrich drückte nach diesen Worten Hieronymus lebhaft die Hand und fragte : » Aber wodurch bist Du über mich zu einem so günstigen Schluß gekommen ? « » Wie Du das Maßbrett verschmähtest , « antwortete Hieronymus , » erkannt ' ich , daß Du kein gewöhnlicher Steinmetzgeselle warst , nicht nur daß Du genug Augenmaß und Geschicklichkeit besaßest , es entbehren zu können , sondern daß Du den Muth hattest , bei einem ersten Probestück vom Gewöhnlichen abzuweichen . Und ich bewunderte Dich um so mehr , als ich erfuhr , daß Du eben erst ermüdet von der Wanderschaft kamst . « » Darum ist mir ja auch heute zu ruhen gestattet , « antwortete Ulrich , » und ich werde von dieser Erlaubniß Gebrauch machen und die müden Glieder auf Deinem Lager ausstrecken , damit ich , wenn Du aus der Hütte kommst , mit Dir die Stadt durchwandern kann , die mich anzieht , wie keine andere deutsche Stadt . Ich hoffe denn also gleich Dir , daß wir als rechte Brüder zusammen leben , und wenn ich Deine Wohnung theile , so theilst Du meinen Lohn mit mir . « Hieronymus mußte bald scheiden , denn wer nicht zur rechten Zeit in der Hütte war , bekam Abzug am Tagelohn , und eine härtere Strafe als dieser Verlust war die damit verbundene Mißbilligung . Als er beim Abendläuten zurückkam , fand er den neuen Kameraden am Tisch sitzen und zeichnen . » Schon beschäftigt ? « fragte Hieronymus , » ich glaubte , ich würde Dich erst wecken müssen . « » Ich habe geschlafen , « antwortete Ulrich , » drei auch vier Stunden vielleicht , länger hielt ich ' s nicht aus , das war genug geruht von der Wanderschaft . Und wie ich die Augen wieder aufschlug und mich besann , wo ich war , lockten mich diese Zeichnungen , ich wollte Dich dadurch kennen lernen ! Hast Du das Alles selbst gemacht ? « » Sonntags , in meinen Mußestunden , « antwortete Hieronymus ; » ist etwas darunter , das Dir gefällt ? « » Ja , dies hier , « sagte Ulrich , indem er einen Bogen Papier auseinander rollte . Wenn auch mit ziemlich rohen Strichen , so sah man doch an den darauf gezeichneten Figuren , daß sie ein jüngstes Gericht vorstellten , wo unter den Verdammten sich auch eine stürzende Gestalt befand , die nach der vor ihr fallenden dreifachen Krone langte . Hieronymus sagte : » Das ist die Zeichnung eines großen Steinbildes , das sich am Münster von Bern am Haupteingange im Westen befindet . Darunter stehen in kleinen Säulennischen zu beiden Seiten der Hauptpforte , auf der einen die fünf klugen , auf der andern die fünf thörichten Jungfrauen , erstere im bloßen Haarschmuck , letztere mit lauter hochpriesterlichen Kopfbedeckungen bekleidet . An diesem Portale bin ich zuletzt mitbeschäftigt gewesen . Noch ist der Bau des Münsters dort nicht vollendet , aber da ich hörte , daß es in meiner Vaterstadt Arbeit gebe , kehrte ich hierher zurück , um ihr meine Kraft zu widmen . « Ulrich lächelte beifällig und sagte : » Ich sehe , wir verstehen uns ; auch ich habe schon da und dort solch ' ein Wahrzeichen zurückgelassen , der Welt zu verkünden : daß wir Diener sind der göttlichen Kunst , Diener des Höchsten , dessen Tempel wir bauen , aber daß wir nicht blinde Werkzeuge sind dieser Menschen , die sich selbst Kirchendiener nennen , aber zumeist nur sich selbst dienen ; daß unser Hohenpriesterthum der Kunst ein höheres ist denn das der Kirche , und daß wir freie Maurer sind , nicht arbeitende Knechte ! - Wie lange warst Du in der schönen Schweiz ? « fragte er , sich selbst unterbrechend . » Drei Jahre hab ' ich dort gearbeitet , « antwortete Hieronymus ; » es war eine große Zeit ! Die Schlachten von Granson und Murten hab ' ich mit erlebt ! Da wir in Bern die Kunde von dem Sieg der Eidgenossen über den stolzen Burgunderherzog empfingen - es war vor zwei Jahren am dreiundzwanzigsten Juni , dem Tage nach der Schlacht - läuteten die Glocken des Münsters , an dem wir noch bauten , zum schönsten Siegesfest , drängten sich Tausende in ihn hinein zum jubelnden Dankgebet . Eine große Seelenmesse ward darin gehalten für die fünfzehntausend Erschlagenen , deren Gebeine nun im Beinhaus von Murten ruhen , ein Denkmal für alle Zeit , daß Gott mit diesem freien Landvolk streitet , dem er die Alpen als Hochwächter der Freiheit gesetzt hat , und die Gletscher , daß die Tyrannei auf ihnen ausgleite und sich nimmer erhalten könne . Wahrlich ! ich habe Großes gesehen und erlebt in diesen Tagen , und seit ich die Freiheit dieses einfachen Hirtenvolkes gesehen , das , wie es auch zuweilen selbst in Kleinlichkeiten versinkend untereinander hadern mag , doch gleich die kleine Eifersucht und den nachbarlichen Streit vergißt und vereinigt , groß und stark aufsteht gegen den Unterdrücker von Außen ,