Wohnort . Noch eh ' er sie selbst gehend von Berlin mit ihr entzweit , und sie waren nicht in friedlicher Stimmung von einander geschieden , ging er mehrmals an dem Hause vorüber , das man ihm als ihre Wohnung bezeichnet hatte . Er hoffte , auf diese Weise sie zufällig zu sehen , einen Wink , einen Ruf von ihr zu erhalten - lange war es aber vergebens , bis endlich eines Abends eine Rose zu seinen Füßen fiel , an welcher ein Zettel befestigt war . Wo anders her als von Bella konnte dieses Zeichen kommen , er drückte es entzückt an seine Lippen und las dann bei ' m Schein der nächsten Laterne den Zettel . Es war offenbar hastig und mit zitternder Hand geschrieben - es war nicht Bella ' s zierliche Handschrift - aber in der Eile war es wohl möglich , daß sie so nachlässig geschrieben hatte . Er las verwundert lächelnd : » Wir dürfen uns einander nicht nähern , aber mein Herz bewahrt für Jaromir unverändert dasselbe Gefühl . « Er wußte sich diese Worte nicht recht zu deuten - hatte Bella irgend ein andres Verhältniß angeknüpft , daß er sich ihr nicht nähern dürfe ? Er mußte darüber Gewißheit haben , und eilte am nächsten Morgen zu ihr . Sie empfing ihn mit fröhlicher Ueberraschung . Er wollte endlich Ausschluß über die Rose - das war vergebens , denn sie war nicht von Bella gekommen - diese vermuthete endlich , eines ihrer Kammermädchen habe sich vielleicht einen schlechten Spas damit machen wollen - man ließ die Sache auf sich beruhen , und vergaß sie bald in den ersten frohen Tagen zärtlichen Wiedersehens . Aber Wochen waren vergangen , und Jaromir erlag wieder dem Dämon , der ihn unaufhörlich verfolgte , seitdem er in der vornehmen Welt lebte : der Langeweile . Auch Bella war ihm langweilig geworden . In solcher Stimmung erhielt er Thalheims Billet . Er las den Namen : Amalie - und die Erinnerungen seiner frühen Jugend wachten wieder auf . Nicht Amaliens Bild war es , was ihn jetzt am Meisten bewegte , denn er hatte längst aufgehört , sie zu lieben - ihn bewegte das Bild dessen , der er selbst in jenen Tagen gewesen war : glücklich und zufrieden bei allen Sorgen , denn er nannte ein Herz sein , für das er sich mühen , und an dem er dann ausruhen konnte - er hatte stolz und selbstbewußt in ' s Leben schauen können - er hatte markige Jugend- und Geisteskraft in sich gefühlt , die ganze Welt zu erobern , er hatte sich vertrauend in die Arme des bewegten Lebens geworfen , und fröhlich auf die eigne Kraft gebaut - er hatte wohl Schmerz und Kümmerniß empfunden - aber nie Langeweile - er hatte nie mit seinen Gefühlen gespielt , nie über das eigne Herz sich lustig gemacht , wie er es jetzt so oft that . Und er streckte jetzt sehnend seine Arme aus nach dieser Vergangenheit , und er hatte sie für ewig verloren . Amalie , die erste , die einzige reine und allmächtige Liebe seiner Jugend , war eine Sterbende - und sterbend , wie sie , das fühlte er , war sein besseres , unentweihtes Selbst ! Er drückte die Hände vor die Stirn und versank wieder in lange , bange Gedanken . IV. Nr. 18 in der Klosterstraße » Die Kette , die die Herzen band , ist nun zerstückt , zerschellt « Otto v. Wenkstern . Die beiden Pensionärinnen , Elisabeth von Hohenthal und Aurelie von Treffurth , waren im Begriff , ihr Vorhaben auszuführen , welches sie in später Nacht beschlossen hatten . Sie wollten zu der Blumenmacherin gehen , welche mit Thalheim in einer Etage wohnte . Elisabeth , sonst nicht gewohnt , viel Zeit auf ihre Toilette zu verwenden , machte sie heute mit besondrer Sorgfalt . Sie war ganz in Weiß gekleidet , nichts Farbiges war in ihrem Anzug . Als sie in den Garten trat , wo Aurelie sie erwarten wollte , und die andern Mädchen versammelt waren , blieb Elisabeth in der Thüre stehen , weil sie die Gefährtinnen in Aufregung , wie es schien , in einem Streit gewahrte , und erst von fern sehen und hören wollte , was es gäbe , ehe sie sich in eine Sache mische , für welche sie vielleicht kein Interesse hatte . Sie ehnte sich an das von Ephen umrankte Portal des Einganges , die rechte Hand auf das zierliche Sonnenschirmchen gestützt , und blieb in lauschender Stellung . Pauline Felchner stand in der Mitte der andern jungen Mädchen , welche theils mit hohnlachenden , theils hochmüthigen , zürnenden Blicken auf sie sahen . » Solches Gesindel in unsre Gesellschaft zu bringen ! « » Ich habe es immer gesagt , sie taugt besser zu dem Bettelvolk , als zu uns - es ist ja ihres Gleichen . « » Ihr Geld ist ja das Einzige , worauf sie stolz sein kann ! « So und ähnlich schallten die Reden von Paulinen ' s Gefährtinnen . Sie selbst brach endlich in Thränen aus und sagte : » Ihr mögt mich schelten , wie Ihr wollt , hättet Ihr nur das arme Mädchen in Frieden gelassen - ich bin es ja schon gewohnt , um Nichts von Euch verachtet zu werden . « » O , sie thut noch hochmüthig - « sagte Aurelie , » aber dort steht Elisabeth - es ist Schade , daß sie nicht da war - ein Wort von ihr würde Paulinen so imponirt haben , daß sie nicht zu antworten wagte . « » Elisabeth ist kalt und stolz , aber sie ist nicht ungerecht , sie hat mich niemals beachtet , aber sie ist nicht fähig , Jemandem absichtlich Unrecht zu thun , « sagte Pauline entschieden . Elisabeth trat vor - sie sah Paulinen groß und verwundert an - womit hatte sie es verdient , um