die weibliche Natur , die sie nicht zu würdigen wissen . Wer jemals ein Weib geliebt hat , wen jemals auch nur ein Weib wahrhaft beglückt hat , der wird ihre Lügen und Albernheiten höher als Aristoteles , Wahrheit und Platons Weisheit schätzen . Und so - kann ich den Morgenstern kritisieren ? Verlang ich Tugend oder Moral von ihm ? O du ewige , unbegreifliche Schönheit , du himmlisches , unsterbliches und doch so vergängliches Kleinod der Liebe und Wollust , wie roh gehn auch mit dir die Menschen um , und hantieren so abgeschmackt mit der Göttlichkeit , als wenn es eben auch ein Brett oder hölzernes Gestell wäre , um alten vergessenen Plunder darauf aufzubewahren . « » Werdet nicht so ernsthaft « , sagte die Mutter , » und erzählt uns lieber , was Ihr in Rom Neues erfahren habt . « - » Potz Blitz ! « rief der Poet aus , » das ist eben das Kennzeichen unsers Jahrhunderts , daß es gar nichts Neues gibt . Wenn Ihr das nicht etwa so nennt , wodurch jeder Quark eine Neuigkeit wird . So bastelt unser Heiliger Vater Gregor immer und ewig an seinem neuen Kalender , als wenn wir damit ein reelles Gut gewönnen , daß das Dümmste und Unbegreiflichste der Schöpfung , die Zeit , neu eingeteilt würde . Das neue Jahr soll nun nicht mehr mit Ostern und dem Frühling , sondern mit dem kalten trivialen ersten Januar anheben ; und so mehr dergleichen . Bis jetzt glaubten wir , daß die Päpste nur für die sogenannte Ewigkeit sorgten , aber jetzt werfen sie sich auch in die irdische Zeit , um da aufzuräumen . - Neues in Rom ? Nun , daß die Kardinäle gegeneinander intrigieren , daß viele Fremde wegen des Jubiläums nach Rom gekommen sind , daß die Kirchen und die heiligen Orter besucht werden , daß man erzählte : der ruchlose Ambrosio sei mit einer ganzen Bande eingefangen worden . « » Ambrosio ? « fragte die Mutter ; » wo ist der Bösewicht gefangen worden ? « » Man sagt in Subiaco « , antwortete der Dichter ruhig : » die Bande hatte dort in der Nacht das Haus der Magistratsperson erbrochen und geplündert , den Mann aber selbst höher in das Gebirge hinaufgeschleppt , um an ihm Rache zu nehmen , weil er sich im Verfolgen der Räuber besonders tätig erwiesen hatte . Doch haben die freiwilligen Milizen sie in ihrem Schlupfwinkel überrascht und das ganze Nest aufgehoben . « Die Matrone ward nachdenkend , und Caporale begriff nicht , wie diese Neuigkeit sie so verstimmen könne . » Es ist furchtbar « , nahm Vittoria das Wort , » wie diese Räuberscharen sich in unsrer Zeit vermehren und noch täglich anwachsen . Von den Großen und Mächtigen beschützt , hat fast jede Familie ihre Bande , man bekämpft sich öffentlich , wie in einem Kriege . « » Ja « , sagte Cesare : » diese Orsini , Colonna , die Florentiner , die Ferrareser , alles hat seine geworbenen kleinen Heere in unserer Stadt und dem römischen Gebiet . Der Heilige Vater sieht durch die Finger und fühlt sich zu schwach , dem Unwesen zu steuern . Rache und Meuchelmord werden als Edeltat angesehn und es herrscht eigentlich nur so viel Sicherheit , als jene Mörder uns gönnen wollen . Auch der Privatmann ist fast gezwungen , mit dieser oder jener Bande einverstanden zu sein , um nicht von allen beschädigt zu werden . « » Ich mag an alles dies gar nicht denken « , warf jetzt die Mutter ein ; » denn ein Grauen befällt mich , als wenn unser Eigentum und Leben nur vom Zufall abhingen und wir jedem Entsetzen preisgegeben wären . Alle Gespenstergeschichten , die ich in meiner Jugend hörte , erwachen dann in meinem Innern , und unser Geist ist der Sklave von nichtswürdigen Vorstellungen , die in unsern Nerven auf und ab rieseln und uns das Haar emporsträuben . « » Nein , Mutter « , rief Vittoria : » scheltet mir nicht auf meine lieben Gespenster und das poetische Grauen , das bei Anhören dieser Geschichten unsern Geist gefangennimmt . Das ist wie kühler Morgenwind , der durch den Eichenwald braust und alle Blätter in zitternde Bewegung setzt . So erfrischend und wundersam sind auch die Legenden von wiederkehrenden Gestorbenen , von den dunkeln Dämonen , die an einsamen Seen ihr Wesen treiben , jener seltsamen Kobolden , die uns in gefährliche Sümpfe , oder im Gebirge an Abstürze locken sollen ; dann die Orakelstimmen in einsam abgelegenen Tälern , die Fähigkeit Wahnsinniger oder Kranken , die Zukunft deutlich zu sehn , oder in fernen Gegenden den Freund wahrzunehmen , und alle die Märchen von Zauberern und Beschwörern , von den Bündnissen mit bösen Geistern . Schon des wunderlichen und rätselhaften Abano oder Pietro Apone wegen möcht ich gar zu gern einmal nach Padua reisen , um mir sein Haus mit dem großen Saal und seinen Brunnen zu betrachten . Käme so ein großes oder kleines Gespenst in mein einsames Zimmer , so würde ich freilich erschrecken , aber mich auch dieses Erschreckens freuen , und es recht bis in meine innersten Kräfte hinein mit meinem Bewußtsein durchgenießen . Ansehn würd ich mir das Wesen , das mich seiner Bekanntschaft würdigte , und gewiß ohne fieberhaftes Entsetzen von ihm Abschied nehmen . Ich habe mir den Fall oft genau durchgedacht und bin meiner Fassung gewiß . Nein , das Geisterreich bietet uns die Schrecken nicht , die der Wirklichkeit zu Gebote stehn . « » Wie meint Ihr das , Ihr poetische Amazone ? « fragte Don Cesare . » Eine Vorstellung « , antwortete die Jungfrau , » verfolgt und ängstigt mich von meiner frühesten Jugend . Ich bin allein in der tiefen Nacht , meine Familie ist schlafen gegangen , meine Dienerin ist verabschiedet , ich will mein Lager besteigen und die Lampe löschen