gilt , und wenn ' s doch nur wollt gelten , denn ich möcht nichts lieber , als mein Leben für Dich einsetzen . Es ist ein Glück - ein unermeßliches , zu großen heroischen Taten aufgefordert sein . Für meinen Platon , den großen Lehrer der Welt , den himmlischen Jünglingsgeist mit breiter Stirn und Brust , mit meinem Leben einstehen ! Ja , so will ich Dich nennen künftig , Platon ! - Und einen Schmeichelnamen will ich Dir geben , Schwan will ich Dich rufen , wie Dich der Sokrates genannt hat , und Du ruf mir Dion . - Es wächst hier viel Schierling in dem feuchten Moorgrund , ich fürchte es aber nicht , obschon ' s Gift ist ; es ist mir ein geheiligt Kraut , ich breche es ab im Vorübergehn und berühre es mit meinen Lippen , weil der Sokrates den Schierlingsbecher getrunken . Lieber Platon , es ist meine Reliquie , die mich von bösen Schwächen heilen soll , daß ich vor dem Tod nicht verzagen muß , wenn es gilt . - Gute Nacht , mein Schwan , gehe dort schlafen auf dem Altar des Eros . - Am Sonntag - Schlangenbad Hier ist auch eine Kapelle und eine kleine Orgel , die hängt an der Wand , die Kapelle ist rund , ein mächtiger Altar nimmt fast den ganzen Platz ein , ein großer goldener Pelikan krönt ihn , der einem Dutzend Jungen sein Blut zu trinken gibt . Das Ende der Predigt hörte ich aus , als ich hineinkam , ich weiß nicht , war ' s der goldne Pelikan , die mit vielen Spinnweben überflorten Zieraten und Kränze von Golddraht , die frischen Sträußer daneben von Rosen und gelben Lilien und die düsteren Scheiben , wo oben grad über dem Pelikan die dunkelroten und gelben Scheiben die Sonnenstrahlen färben . Der Geistliche war ein Franziskaner aus dem Koster bei Rauental . » Wenn ich jetzt von Unglück sprechen höre , so fallen mir immer die Worte Jesu ein , der zu einem Jüngling sagte , der unter seine Jünger wollte aufgenommen werden : Die Füchse haben Gruben , die Vögel des Himmels haben ihre Nester , aber des Menschen Sohn hat keinen Stein , da er sein Haupt hinlege . - Ich frage euch , ob durch diese Worte allein nicht schon alles Unglück gebannt ist ? - Er hatte keinen Stein , um auszuruhen , viel weniger einen Gefährten , der ihm sein irdisch Leben heimatlich gemacht hätte , und doch wollen wir klagen , wenn uns ein geliebter Freund verloren geht , wollen uns nicht wieder aufrichten , finden es nicht der Mühe wert , ins Leben uns zu wagen , werden matt wie ein Schlaftrunkner . Sollten wir nicht gern die Gefährten Jesu sein wollen , wenn die Not uns trifft ? Sollten wir nicht Helden sein wollen neben diesem großen Überwinder , der ein so weiches Herz hatte , daß er aus liebendem Herzen die Kinder zu sich berief , daß er den Johannes an seiner Brust liegen hieß ? Er war menschlich , wie wir menschlich sind , was uns zu höheren Wesen bildet , nämlich das Bedürfnis der Liebe , und zu selbstverleugnenden Opfern befähigt , das war die Grundlage seiner göttlichen Natur , er liebte und wollte geliebt sein , bedurfte der Liebe ; weil nun die Liebe auf Erden nicht zu Hause war , so fand er keinen Stein , da er sein Haupt ruhen konnte , da verwandelte sich dieses reine Bedürfnis der Liebe in das göttliche Feuer der Selbstverleugnung , er brachte sich dar , ein Opfer für die geliebte Menschheit , sein Geist strahlte wieder himmelwärts , von wo er in seine Seele eingeboren war , wie die Opferflamme hinaufsteigt ein Gebet für den Geliebten , und dies Gebet ist erhört worden , denn wir fühlen uns allzumal durch diese Liebe geläutert , und wenn wir uns ihrer Betrachtung weihen , so werden wir göttlich durch ihr Feuer , und dieses ist wie der Odem Gottes , der alles ins Leben ruft , jeden Keim des Frühlings , so auch ruft nun die Liebe Jesu , die auf Erden nicht begnügt und beglückt konnte werden , zu sich alle , die mühselig und beladen sind , sie sind verschlossne , tränenschwere Knospen , die mächtige Sonne der göttlichen Liebe wird sie zum ewigen Leben der Liebe wecken , denn dies ist alles Lebens , alles Strebens Ziel auf Erden . Amen . « Diese schönen Worte waren die einzigen , welche ich von der Predigt hörte , aber sie waren mir genügend , um mich den ganzen Tag zu begleiten , sie klangen wie ein himmlisch Geläut in mein Ohr , wie ein schöner Sonntagmorgen ; als alles zum Tempel hinaus war , ging ich von der Emporkirche herab in die runde Kapelle , ein andrer Priester hatte eben die Messe gelesen , es kam ein alt Mütterchen , die löschte die Kerzen und räumte auf ; ich frug , ob sie Sakristan sei , sie sagte , ihr Sohn sei Küster , aber der sei heut über Land , ich frug , wo sie die vielen Blumen hernehme , da ich doch nirgend einen Blumengarten gesehen , sie sagte , die Blumen sind aus unserem Garten , mein Sohn pflegt sie alle ; ich hatte eine rechte Lust , mit in den Garten zu gehen , das war sie zufrieden ; das ist ein Garten , so groß wie der Hof von unserem Haus , an der weißen Wand des Hauses wachsen Trauben und ein paar hohe Rosenbüsche sind dazwischen verflochten , Rosen und Trauben , ich kann mir keine schönere Vermählung denken , Ariadne und Bacchus . Ein hölzern Bänkchen war da an der Mauer , ich setzte mich ganz ans End und die Frau neben mich , es war kaum groß genug , daß wir Platz hatten , ich mußte recht dicht an