darum die langen Nächte ihn bewacht und selbst dem Wilde mit dem Laufe dieser Flinte den Weg darüber gehindert , daß Du jetzt ihn verachten willst ? Nein , Du mußt hinab ! Ich werde Dir helfen . « - Er streckte wieder die Arme aus - Elmerice stieß abermals einen Angstschrei aus und drängte sich jetzt selbst in verzweifelter Hast einige Stufen herunter - doch jetzt hatte sie nur noch vier Stufen vor sich , jede wankte unter ihrem Fuße , und sie sah mit Entsetzen , wie er diese Schwierigkeit nicht bemerkte , nicht ahnete . - Sie blieb stehen und ihr Auge schweifte verzweifelnd umher . Da war es ihr , als sähe sie seitwärts , höher als sie selbst eben stand , eine männliche Gestalt gegen das Gebüsch sich bewegen . Augenblicklich lebte die Hoffnung in ihr auf - mit allem Muthe , den sie noch in sich trug , riß sie sich los , lief die Treppe zurück und rief mit größter Anstrengung nach Hülfe , während ihr Auge an der Steinwand hängen blieb , an der sich ihrem Rufe entgegen die Gestalt zu bewegen anfing und den Weg zu suchen schien , der hinüber führen könnte . Aber in demselben Augenblicke brach , durch den erfahrnen Widerstand gereizt , die volle Wuth des Wahnsinnigen hervor - er stürmte ihr nach , Verwünschungen brachen aus seinem Munde , er ergriff sie und versuchte sie die Treppe aufs Neue hinab zu ziehen , weil Miß Eton halb ohnmächtig vor Schreck sie nicht mehr zu steigen vermochte . Da hörte sie einen Schuß , einen wilden Schrei ihres Verfolgers , und fühlte , wie seine Arme nachließen und er , zur Erde sinkend , sie niederzog - noch ein Mal richtete sie sich mit der geringen Kraft , die ihr nach so vielen Erschütterungen geblieben war , empor und wehrte sich gegen das drohende Hinabstürzen , indem sie krampfhaft das kleine Geländer der Treppe ergriff . So mußte sie sich erhalten , bis sie einige Besinnung gesammelt . Ihre Lage hatte sich nur wenig gebessert - zu ihren Füßen war der Unglückliche niedergesunken , der , mit Blut bedeckt , zwar die Kraft verloren hatte , sich mit ihr in den Abgrund zu stürzen , aber , auf ihren Füßen liegend , ihren Shawl krampfhaft zwischen seiner zusammengeballten Hand haltend , in den unruhigsten Bewegungen , mit dem Bestreben , sich aufzurichten , jeden Augenblick das schwankende , zitternde Fräulein in den Abgrund zu reißen vermochte . Der Schuß , der als schnell nöthiges Rettungsmittel von ihrem unbekannten und jetzt ganz verschwundenen Wohlthäter abgefeuert ward , das niederströmende Blut , von dem sie ihr weißes Gewand bald gefärbt sah , die entsetzliche Vorstellung , vielleicht den Tod dieses Unglücklichen veranlaßt zu haben , dies Alles machte ihr eine nöthige Fassung , um die Umstände zu ihrer Flucht zu benutzen , fast unmöglich . Entzog sie ihren Shawl seiner Hand oder wickelte sie sich selbst davon los , so verlor er seinen einzigen Anhalt und mußte ohne Rettung in den Abgrund stürzen , da sie ihm , wenn auch nur schwach , doch als Stützpunkt diente . Es war ihr unmöglich , eine andere Auskunft zu entdecken - und eben so unmöglich , ihre Rettung um solchen Preis zu bewirken . Da hörte sie ein fernes Anrufen - bald wieder , und näher schon - sie faßte Hoffnung , es konnte Hülfe nahen - sie rief zurück und erhielt eine schnelle Antwort , obwohl die Bewegungen ihres Peinigers durch dieses Rufen noch heftiger wurden , und ihre Lage mit jedem Augenblicke gefahrvoller . Jetzt glaubte sie das Gebüsch durchbrechen zu hören , und plötzlich stand eine hohe Männergestalt am Rande der Treppe , die , ihre entsetzliche Lage schnell übersehend , rasch und geschickt hinabstieg , und in demselben Augenblicke neben dem Fräulein stehend , auch den Arm des Unglücklichen ergriffen hatte und , indem er ihn empor riß , dem Fräulein Freiheit gab , sich zu bewegen . So wie sie die Last von ihren Füßen gehoben fühlte , versuchte sie die Stufen hinan zu steigen , aber ihre Kräfte ließen mit jedem Schritte mehr nach , und auf der obersten angelangt , sank sie willenlos auf den Boden nieder . Der Fremde hatte indessen den Verwundeten erfaßt und schleppte ihn sich nach , bei dem Anblicke des Fräuleins ihn auf sicheren Boden niederlegend und zu ihrer Hülfe herbeieilend . - Er hob sie vom Boden empor und lehnte sich in den Steinsitz , indem er ihr den Hut abnahm , um ihr Luft zu verschaffen . Das Fräulein schlug die Augen auf - Beide blickten sich an und fuhren mit dem lebhaftesten Ausdrucke der Ueberraschung zurück . » Um Gottes Willen - Fräulein Eton ! « rief der Fremde - » in welcher Lage finde ich Euch ! welch ' ein entsetzlicher Augenblick macht mich so glücklich , Euch nützlich sein zu können ! « Das Fräulein stand auf - die Gemüthsbewegung , die ihr der Anblick des Fremden sichtlich in anderer Richtung gegeben , schien ihre geschwächte Kraft zurück zu rufen . - » Ich bin Euch großen Dank schuldig , « sagte sie hastig - » erlaubt , daß ich jetzt die mir wohlbekannten Wege durch diesen Wald nach Ardoise eile , diesem Unglücklichen von dort aus Hülfe zu senden . « » Das heißt so viel , « entgegnete der Fremde mit vorwurfsvollem Ton , » ich eile , mich Eurem Schutze , Eurer Hülfe so schnell , als möglich , zu entziehen . - Ja , Elmerice , ich ahnete , daß Ihr hier sein würdet - und der Freund , der , von seinem sehnsüchtigen Herzen getrieben , den Weg bis hieher fand , verdient er kein anderes Willkommen , als den Wunsch , seiner wieder los zu werden ? « » Ich habe nicht das Recht , Euch aufmerksam zu machen , ob Ihr diesen Weg finden durftet - Ihr