, und schaute viel vor mir nieder . Wo sie , die Hedwig , stand , war mir immer , als wenn ein rötliches Licht , fast wie Morgenrot , in der Stube brannte , und was bemerkenswert ist , ich konnte wissen , ob sie im Zimmer zugegen sei oder nicht ; ich mochte die Augen auch ganz woanders haben und etwa mit dem Alten sprechen , ich fühlte es gleich , wann sie wegging , und wann sie wiederkam , es war , als wenn in mir Finsternis und Helligkeit wechselten ; und wenn sie weg war , sprach ich verwirrt und hatte Bangigkeit auf der Brust , so daß ich nicht genau wußte , ob ich eben zornig oder betrübt war . « » Das war ja die klare helle Verliebtheit , Herr Magister « , sagte Krummschuh . » Nicht also « , erwiderte der Gelehrte , » es war eine Art von Sympathia , denn ihr ist es gleicherweise so ergangen , wie sie mir nachher gestanden hat . Wir wechselten Reden , die andern rauchten mit dem Vater ; da ich nun immer dieses Kraut der Wilden verabscheut habe , so ging ich vor die Tür mich umschauen und sie stand schon im Sonnenschein draußen . Ob ich sie zu ihrer Freundin , der Försterin , begleiten wolle ? erging an mich die Frage . Ich konnte mir nichts Besseres wünschen , und wir gingen den schmalen Steig ganz nahe aneinander . Gesprochen wurde wenig , denn ich fürchtete , Dinge zu sagen , die ihr nicht gefallen möchten ; sie aber sah mich je zuweilen lächelnd von der Seite an worüber ich nur in Angst geriet , weil ich fürchtete , an den Haaren , oder der Halskrause bemerkte sie irgend etwas Ungeziemliches . Abseits unter einigen Bäumen lag das Häuschen des Oberförsters , wir traten in die dämmernde Stube ein , und niemand war zugegen . Meine Freundin muß ausgegangen sein , sagte sie , und wir stellten uns beide vor den Spiegel , der an der Mittelwand hing . Sind wir nicht von einer Größe ? sprach sie weiter indem sie sich an mir maß . Da war das Antlitz mir nun ganz nahe vor dem meinigen , und mir fiel ein , was ich wohl gehört , auch in Autoren gelesen , daß ein Kuß von besonderer Lieblichkeit sei . Ich konnte mir aber das Herz nicht fassen , so standen und gingen wir beide stumm nebeneinander . Noch einmal stellte sie sich vor mich und sagte : Sie sind doch etwas größer ; stand auf den Zehen , und faßte mit beiden Händen meinen Kopf in der Gegend der Ohren , und indem sich mir die Stube rundum drehte , gab sie mir einen rechten lieben zärtlichen Kuß . Wie ich hinauskam , weil ich nicht , es war fast dunkel geworden und wir gingen zurück ; ich hörte und sah nicht , und die Menschen in ihren Gesprächen und Gestikulationen kamen mir alle so wild und unbängig vor , und ich sehnte mich nach der Ruhe . Doch schlief ich in der Nacht nur halb ; der Spiegel , die Bäume , die weißen Hände und Arme und der Kuß waren immer vor mir und in mir . Am Morgen war eine neue Welt um mich her . Auf nichts konnte ich mit Verstand Rede und Antwort geben , meine Augen suchten die ihrigen , und schlugen sich doch nieder , wenn sie sich begegneten . Am Nachmittage ging ein Teil der Gesellschaft in einen nahen kleinen Weinberg , der der Familie zugehörte . Die Tochter , ein Bruder und ich saßen oben in dem kleinen Gartenhäuschen , sahen umher auf die sandige Gegend und das Städtlein unter uns , und tranken von dem selbstgezogenen säuerlichen Wein und dem besser schmeckenden Most . Bald verließ uns auch der Bruder . Da konnten wir uns nun recht ungestört unser Herz ausschütten , wenn wir nur erst die Rede hätten finden mögen , welches aber geraume Zeit nicht geschah , und noch dazu mußte sie den ersten Anfang machen . Wir erfuhren in diesem Gespräch , daß wir einander heiraten wollten , sowie ich Magister geworden und eine Stelle als Pfarrer oder Lehrer an einer Schule erhalten hätte . Vergnügt kehrte ich nach einigen Tagen nach Wittenberg zurück ; ich war von neuem Eifer zu meinen Studien durchdrungen , auch erhielt ich etliche kleine Schreiben von der Person , die ich jetzt im stillen für meine Braut ansah , obgleich noch nichts davon laut werden durfte . So ging der Winter ganz erfreulich hin . Um Pfingsten ging ich wieder hinaus , zu Fuß und allein ; für meinen künftigen alten Schwiegervater hatte ich den Gryphius und seinen Horribilicribrifax in meiner Tasche . O wie schön war das Wetter ! Mein Weg führte mich an den schönen Buchen und Eichen beim Luthersbrunn hinüber . Ich sprach mir vor die Ode Horatii : Integer vitae , welche mit Lalagen schließt , dulce loquentem , dulce ridentem . Dieses verstand ich nun erst , wie manches andere in meinen autoribus . Das war damals in der Tat ein Frühling , welcher sich sehen lassen durfte , diesen auserwählten Mai konnte man nicht schimpfen ; denn es war nicht anders , als wenn jedem rauhen Winde das Maul zugehalten wurde , und nur die artigsten Spielgesellen der Sommerkönigin unter Läubern und Blumen wie wohlgezogene Kindlein herumgaukelten . Auf halbem Wege gelangt man durch das Dorf Elster , welches an der Elbe liegt . Schön dünkte mir der Strom und die Schiffmühlen darauf , der weite Blick , die Frische des Wassers und dessen Geräusch . Nachher kommt man durch ein kleines stilles Dörflein , welches ich immer nur meine Sabbatsdörflein nannte , weil die Straße hinter den kleinen Häusern fortläuft , so daß man niemand gewahr wird , und von beiden Seiten Fruchtbäume die Hütten beschatten . Nachher kurz vor Jessen wandelt man