lange schwarze Trauerkleider in dem Schnitt der vornehmeren Stände wahrnehmen , und die Arme und Hände , die vor den Füßen der Herzogin ausgestreckt lagen , waren , neben der zartesten Jugend , von einer so außerordentlichen Schönheit , daß die Herzogin sich gestehen mußte , nie etwas Vollkommeneres gesehen zu haben . Was aber ihr peinliches Erstaunen noch erhöhte , war , daß wahrscheinlich Gastons Bemühung an dem obern Theil des linken Armes ein Armband halb enthüllt hatte , welches in einer bedeutenden Breite von den prachtvollsten Juwelen an einander gereiht war . Jetzt nahte die ersehnte Hülfe . Mortons sanfte Stimme ließ sich hören , und die Herzogin streckte ihr , voll Schmerz , die Hände entgegen . O Morton ! Morton ! rief sie , was geschah hier ? Welch ' ein Unglück , welch ' ein Verbrechen , vielleicht im Bereiche des Schlosses ! Laß sie sanft anfassen , aber nur von Deinen Frauen . Wo ist Stanloff , daß er mir sage , ob sie lebt oder hier ohne Hülfe verscheiden mußte ? - Mistreß Morton sah fast noch mit größerer Bewegung , als der weisen und erfahrenen Frau das sonderbare Ereigniß abnöthigen konnte , die wohlthätige Einwirkung , welche die Stimmung ihrer Gebieterin erlitten ; denn von sich selber abgelenkt schien ihr Herz in den Gefühlen der Menschlichkeit und der Theilnahme ganz aufgelöst , und Thränen , die das Uebermaaß ihres eigenen Grames bisher zurück gehalten hatte , flossen wohlthuend , durch ein fremdes Leiden hervorgerufen . Mortons sanfte Worte suchten ihre Gebieterin zu beruhigen , und während die Kammerfrauen ihren Winken folgten , führte sie die Herzogin zur Terrasse zurück . Doch weiter ging ihre Ueberredung nicht ; denn sie wollte selbst sehen , ob nichts versäumt werde , und an die Brustwehr der Terrasse gelehnt , blickte sie mit höchster Unruhe hinab und sah , wie Gaston sich zu den Füßen der Unglücklichen niedergelegt hatte , und ihre nackten mit blutenden Wunden bedeckten Sohlen sorgsam nach allen Seiten hin mit seiner großen Zunge leckte . O Morton ! rief die Herzogin überwältigt , welch ' ein Herz in diesem Thiere , welch ' ein Beispiel für uns alle ! Die Kammerfrauen näherten sich jetzt mit ihrer sorgfältig emporgehobenen Bürde und legten sie sanft auf die bereitstehende Bahre , als Morton , von der Herzogin gesendet , heran trat , um das Haar von dem Gesicht zu entfernen , worauf sich ein vom Tode beschlichenes , aber wunderbar schönes jugendliches Angesicht enthüllte . Sinnend blieb sie , von einer dunkeln Erinnerung ergriffen , stehen , als das ehrerbietige Auseinanderweichen der Diener die Herzogin verkündigte , welche rasch herangetreten war . Morton wandte sich zu ihr , die Haare zurücklegend , und ward von Angst um ihre Gebieterin ergriffen , welche mit allen Zeichen der höchsten Erschütterung zurück schauderte , nachdem sie das bleiche Todtenbild einen Moment betrachtet hatte , und , indem sie fast wild in dem Kreis ihrer Diener umherblickte , mit einer lauten und heftigen Stimme rief : Heiliger Gott ! wer ist dieses Weib ? Niemand wußte diese Frage zu beantworten , und Alle standen erschüttert von dem Zustande ihrer Gebieterin , bis Morton , die keine weitern Zeugen wünschte , einen Wink ertheilte , sich mit der Bahre zu entfernen . Einige Augenblicke vergingen im tiefen Schweigen ; langsam richtete sich die Herzogin alsdann empor , und als ob alle Spannung aus ihrem Körper gewichen , sagte sie mit matter Stimme : Führe mich , liebe Morton ; ach ! es ist zu viel , ich bin krank , ich will mich niederlegen . Ach ! was geschieht um mich her ; wie soll ich leben , wie ausempfinden , was über alles Maaß ist - kannst Du es begreifen ? Morton hütete sich wohl , die zerstreute und traurige Gedankenreihe ihrer Gebieterin durch Antworten zu unterbrechen . Seit der schrecklichen Todesnachricht hatte die Unglückliche bis auf wenige nöthige Befehle kein Wort freiwillig gesprochen , keine Thräne geweint , kein Bedürfniß der Ruhe geäußert , und der treue Doktor Stanloff hatte mit Angst die Entwickelung dieser gänzlichen Erstarrung erwartet . Morton , die seine Besorgnisse getheilt hatte , sah nun mit einem Male diese gefürchtete Katastrophe durch ein sonderbar von Außen kommendes Ereigniß herbeigeführt : ihre geliebte Gebieterin weinte , hatte gesprochen , fühlte selbst das Bedürfniß der Ruhe . Dies schienen alles glückliche Zeichen , und die treue Dienerin empfand eine Freude und einen Trost , wogegen die sonderbare und geheimnißvolle Veranlassung ganz in den Hintergrund trat . Man näherte sich langsam den Schloßhallen , und Morton hätte viel darum gegeben , wenn sie die Herzogin , die sich wankend stützte , durch einen andern Weg nach ihrem Zimmer hätte führen können , denn sie mußte fürchten , daß die schwermüthigen Trauerzurüstungen , welche diese Hallen erfüllten , die unglückliche Frau aufs Neue in ihren trostlosen Zustand versenken würden . Aber es schien etwas anderes tief in der Seele Erwecktes dem heftigen Schmerze der Herzogin das Gleichgewicht zu halten . Morton fühlte , je näher sie den Hallen kamen , ihren Schritt sich befestigen und beschleunigen , und sie richtete sich mit ihrer gewöhnlichen Strenge empor , als Stanloff am Eingange ihr hastig entgegen schritt , und ihn mit der Hand zurückweisend , sagte sie fest : Wir bedürfen Eurer Hülfe nicht ; aber wo waret Ihr , da Ihr so nöthig hattet hier zu sein , um die Ungewißheit über Leben und Tod einer Unglücklichen von uns zu nehmen ; die Ungewißheit , sage ich , Gott verhüte es , daß hier in der nächsten Nähe unseres Schlosses ein unerhörtes Verbrechen begangen worden sei . Sie schritt während dessen , Mortons Arm verlassend , fest in den mittlern Saal . Jepson ! rief sie und winkte die Hand des Doktors zurück , als er den schwarzen Schleier , der als ein Theil ihrer Bekleidung von den Dienerinnen beim Aufheben abgedeckt und jetzt über sie geschlagen war ,