aber nicht finden können . Dann schaffen sie sogar Gott ab , nämlich , weil sie ihn wahrhaftig nicht verstehen . Es ist auch schwer , Antonie ! Die Schöpfung - schon gut ; aber woher ? womit ? warum ? Der Mensch , der Affe , der Polyp , die Sinnpflanze , das Moos , der Stein , der Kristall , das Wasser , die Luft , der Wind , nichts : wo ist Gott ? Oder wollt ihr nicht den Weg des Wassers gehen : so geht den des Feuers ! Der Vulkan , das Licht , die Wärme , die Elektrizität , der Magnetismus : wie kann Gott in der Voltaschen Säule stecken ? « Hier mußte Wally laut auflachen bei all ihrem Schmerz und Unglück . Der komische Konflikt der Schulweisheit mit ihrer Melancholie , die Vergleichung Gottes und jenes kleinen Professors der Physik , der sie mit Papinianischen Töpfen , Herobrunnen und Luftpumpen so tief in die Natur hatte sehen lassen wollen , ob er gleich selbst nur ein Auge hatte , das waren zu drollige Erinnerungen . Sie zuckte mitleidig mit sich selbst über sich selbst die Achsel und ging Cäsar entgegen , der viel ungereimtes Zeug mit ihr zu sprechen hatte . 12 Ein Begegnis , das Wally kurze Zeit darauf erlebte , machte den ersten Abschnitt in ihrem Leben . Es schien , als könnte sie in ihrem jetzigen Aufenthalte die Heiterkeit nicht wiedergewinnen , welche ihrem Charakter entsprach . Ein Umstand aber veranlaßte bald die Abreise von Schwalbach . Wally war eines Abends spät und unmutig zu Bett gegangen . Die Lampe brannte noch auf ihrem Tische ; aber sie konnte nicht schlafen . Ihr Blut war in fieberhafter Aufregung . Sie warf sich unruhig hin und her , aber ihre Sinne wollten sich nicht lösen . Da sprang sie auf , setzte sich an den Tisch und fing all die Mittel zu prüfen an , welche die Leute anraten , um in gleichmäßige Bewegung des Bluts zu kommen . Sie zählte die zwölf Glockenschläge an der Kirchturmuhr , sie zählte das Einmaleins her , von vorn und hinten , deklamierte das einzige Gedicht , welches sie bei ihrem schlechten Gedächtnis auswendig wußte : » Eine kleine Biene flog emsig hin und her und sog. « Nichts half . Da erblickte sie auf dem Tisch die Anordnungen , welche sie neulich gemacht hatte , um an ihre Freundin zu schreiben . Sie ergriff die Feder und schrieb : » Meine teure Antonie , Deine geschmackvollen Muster , das sehr hübsche Diadem , was aber wohl zu meinem Haare nicht stehen wird , auch die englischen Nadeln und die neuen Touren zum Cotillon hab ' ich erhalten . Ich danke Dir , liebe Antonie ! Verzeih mir nur - « » Abscheulich ! « rief sie aus und trat an das Fenster . Der Mond beleuchtete hier und dort einen Teil des engen Tales und seiner Umgebungen . Er war mit Wolken bedeckt , die aber nicht eilten , sondern schwer auf ihm hafteten . Es wehte kein Wind . In sanfter , nächtlicher Stille ruhte die malerische Natur . Ein tannenschwarzer Bergrücken begrenzte auf der einen Seite die ovale Rundung des schlummernden Tales . Nirgends die Ahnung eines menschlichen Wesens . Wally hüllte sich in einen leichten Nachtüberwurf . Ihr Zimmer lag zur ebnen Erde . Mit einem Tritte war sie draußen im Freien . Ohne mehr zu wollen , als die Hitze ihres Blutes abkühlen , stieg sie zur linken Hand die Straße hinauf , dann wieder hinunter zum Alleesaal hin . Sie wird nur einige Schritte unter den Bäumen auf und ab gehen . Als sie ein weniges weitergekommen war , vernahm sie ein sonderbares Geräusch , welches man für das Seufzen einer schwankenden Pappel hätte halten können , wäre ein starker Wind gegangen . Sie erschrak , wie diese Laute sich immer deutlicher als Gestöhn und schmerzliche Klage zu erkennen gaben . Es war wie das Jammern eines Verwundeten , der sich fürchtet , durch übergroßen Schmerzausdruck des Mundes vielleicht die brennenden Leiden seines Schadens desto stärker zu machen . Wally blieb betroffen stehen . Ihr siedendes Blut gerann , und die Fieberhitze wich einer kalten Erstarrung , in die der Schreck ihre Glieder versetzte . Sie sahe , daß sich im Hintergrunde der Allee etwas bewegte , das auf sie heranzukommen schien . Die Angst hatte sich ihrer Seele so sehr bemächtigt , daß sie nicht einmal wagte zu entfliehen . Wie angewurzelt blieb sie stehen und wankte nur , als eine menschliche Figur immer näher trat , mechanisch hinter einen Baum , von dem sie glaubte , daß er ihr Schutz gewähren könne . Ein Weib kam mit händeringenden Gebärden . Sie wandte sich oft gespenstisch um und suchte etwas , was man nicht sehen konnte , von sich abzuwehren . Dann fuhr sie mit einer grauenerregenden Vehemenz und sie begleitendem Geheul in die Gegend ihres Kopfes , als wolle sie etwas bedecken oder irgendeinen übergroßen Schmerz stillen . Wally zitterte . Jetzt stand die Unglückliche , welche nicht im Fieber zu sein , sondern das volle Bewußtsein zu haben schien , dicht vor ihr . Wally sahe , wie sie schwankte und zu Boden stürzte . Mit einem fürchterlichen Geschrei wühlte das entsetzliche Weib ihren Kopf in den losen Sand und rang , ihre Hände gleichsam zu vervielfältigen , um den Kopf von allen Seiten bedecken zu können . Dabei stöhnte sie wieder und sahe sich , wie tief sie auch den Kopf in den Sand hineingewühlt hatte , um und fuhr mit einem gräßlichen Schrei auf , als hätte sie einen Geist erblickt , bis sie ohnmächtig und besinnungslos in dieser gräßlichen Lage verstummte . Wally wagte nicht , einen Laut von sich zu geben . Als das Wesen sich beruhigte , versuchte sie aufzutreten , ob man sie auch nicht hören könne , wagte dreistre Schritte und floh , als sie eine Strecke