Hüte und Mützen rückten , und sothane Ehrfucht auf sie Beide sogar überging , da sie mit dem geehrten Mann herangekommen waren . Stolz trabten sie und staunend durch das Thor . » Ich fürchte , ich habe einen thörichten Streich gemacht , « flüsterte Gerhard dem Begleiter zu : » Der Mann ist wohl mehr , als wir Beide . « - » Möglich ; « versetzte Dagobert lächelnd , und verwies den Neugierigen an den Knecht , der mit dem gestürtzten Gutfreund hintendrein kam . » Wie nennt sich Dein Herr , guter Gesell ! « fragte auch Gerhard den Knecht , und verstummte kleinlaut , als dieser erwiederte : » Seine fürstl . Gnaden ist ' s , der gnädigste Herzog Friedrich von Oestreich-Tyrol . « Drittes Kapitel . Ein dreitausendjähriges Gesetz ! Seine Wurzel , in den Pyramiden , seine Wipfel allenthalben Schatten werfend : ein vom Blitz gespaltner Stamm , grünend dennoch durch die Thränenströme ausgestoßner Sclaven ! ... Die zwischen dem Mainstrom und der Domkirche gelegene Judengasse zu Frankfurt war mit ihren alterthümlichen Häusern in das Dunkel eines späten Freitags Abends versunken . Still und einsam war die enge und krumme Straße , und es wimmelte nicht mehr das geschwätzige Volk darin umher , das wohl zu den Zeiten Ludwigs des Baiern sich darin bewegte . Das Geschick dieses Volks hatte sich seit dem Tode jenes Fürsten nach und nach gewaltig umgestaltet , und in Folge des harten Drucks , der sogar dann und wann in offene Schlachten ausbrach , war der israelitische Stamm zu Frankfurt ausgegangen bis auf wenige Geschlechter . Diese hausten nun abgezogen von der übrigen bürgerlichen Welt in ihren halbverfallnen Gebäuden , deren Nachbarhäuser in Ermanglung der ehemaligen jüdischen Besitzer die blutärmsten Einwohner der Reichsstadt inne hatten . Diese Letzteren , dem bittern Mangel unterthan , belauerten mit eifersüchtigen Blicken das Thun und Treiben der Juden , die Bedürfniß und Gewinnsucht auf den Handel anwies , und die alle List anzuwenden hatten , ihren wachsenden Wohlstand vor den neidischen Augen ihrer Nachbarn zu verbergen . Darum ließen sie ihre Wohnungen von Aussen verfallen , darum schlichen sie umher in der zerlumpten Tracht mit Zwerchsack und Wanderstab , darum ließen sie den seltenen Gästen , die sich in ihre Häuser wagten , nur die in Elend und Schmutz versunkene Unterstube sehen ; darum schloßen sie sorgfältig am Sabbath ihre Fensterladen und Hausthüren , daß nicht durch die Ersteren der Lichter Schein , durch die Letzteren der Geruch der Festspeisen dringen und einen Schimmer von Wohlhabenheit verrathen möge , der ihnen hätte gefährlich werden können . - So waren auch heute ihre Fenster und Pforten verliegelt und der Feierabend eingekerkert zwischen vier Mauern . Das Haus des Ältesten unter ihnen , der in der ganzen Umgegend wegen seines Alters , seiner Leiden und Erfahrungen hochgeachteten David Ben Jochai , machte keine Ausnahme . Schwarz und düster sah es gleich den Übrigen in die Straße , aber , hatte man den endlosen finstern Hausgang durchmessen , die dunkle Wendelsteige überschritten , und sich durch die Nacht nach dem Hintergebäude fortgegriffen , so trat man plötzlich in einen heiter geschmückten Ort , wo der Sabbath walten durfte in prächtiger Heimlichkeit . Eine im länglichen Viereck gebaute Stube , getäfelt an den Wänden , und geschmückt mit Vorhängen und buntem Schnitzwerk war der Haustempel . Ein großblumiger Teppich bedeckte den größten Theil des Fußbodens . Von der Decke schwebte der siebenarmige Leuchter , unter welchem der runde Tisch stand , überhangen mit einer rothwollenen Decke , über die erst wieder eine andere kleinere gebreitet war , von weißem feinem Linnenzeuge . Um den Tisch , - den drei silberne und reich gearbeitete Becher schmückten , auf einer silbernen Kredenzplatte aufgestellt , - standen drei Stühle mit hohen goldverzierten Lehnen und Polstern von geschornem Sammet . Unfern von der Tafel glänzte aus einer Nische der Mauer das silberne Waschbecken , in welches , sobald man den oben angebrachten vergoldeten Hahn umdrehte , das klare Wasser sprudelte . Feine Linnentücher lagen zum Abtrocknen bereit . In der Ecke war der Tisch zu schauen , der die Festspeisen trug und den blinkenden Weinkrug . Der Hintergrund der Stube nahm aber ein auf morgenländische Weise geordnetes Lager von bequemen Seidenpolstern ein , überlegt mit einem köstlichen gewirkten Stück . Auf diesem Lager ruhte nun die Enkelin des Hausherrn , Esther , die an Schönheit ihres Gleichen nicht hatte am ganzen Rhein- und Mainstrom ; angethan mit prächtigen Gewändern nach der Sitte des Vaterlands geschnitten , glänzende Gehänge in den Ohren , und viele kostbare Ringe an den Fingern . Sie hielt eine Schnur von farbigen Glaskugeln in den Händen , und ließ sie gedankenlos auf- und niedergleiten , - ein erlaubtes Spielwerk . Aber aufmerksam lieh sie ihr Ohr dem Großvater , der zu ihren Füßen saß , in eine schön gefütterte Pelzschaube gehüllt , das silberweiße Haar mit einem Sammetkäpplein bedeckt . Wer ihn betrachtet hätte , den alten Mann , wie er so da saß , gebückt von den Jahren , die Ellenbogen auf die Kniee gestützt , und die Hände lebhaft bewegend wie die redende Lippe , und den schneeigen , bis über den Gürtel fallenden Bart , hätte ihn für die Zeit selbst halten sollen , die der Frau Venus Mährlein erzählt von vergangenen Tagen . Und in der That war es auch die Zeit , die auf den Lippen des Alten saß , und die Vergangenheit gab er wieder in eifrigen Worten . Das Geschick hatte ihn bereits durch einen Kreis von hundert Lebensjahren geführt , und hundert bittre Jahre waren es , von denen er Kunde geben konnte . Nun ist die Zeit des Leidens die unerschöpflichste ; denn während ein frohes Jahr vorüberschäumt wie der brausende Geist feurigen Weins , schleichen die trüben Tage gleich Jahrhunderten dahin , schauckelnd auf langsamer fauler Woge , und lassen dem Mitschwimmer Muse genug , in die Tiefen zu schauen - in die Klüfte die sich