er » Flaus « , in zärtlichen Augenblicken wohl auch » Gottfried « nannte , und welchem er von Speisen und Getränken mitteilte ; dieser Gottfried Flaus reichte bis eine Spanne über das Knie und schloß sich eng um den ganzen Leib ; auf der Brust war er offen und zeigte , soviel die Krawatte sehen ließ , daß der Herr Studiosus mit Wäsche nicht gut versehen sein müsse . Weite , wellenschlagende Beinkleider von schwarzem Samt schlossen sich an das Oberkleid an ; die Stiefel waren zierlich geformt und dienten ungeheuern Sporen von poliertem Eisen zur Folie . Auf dem Kopfe hatte der Studiosus ein Stückchen rotes Tuch in Form eines umgekehrten Blumenscherben gehängt , das er mit vieler Kunst gegen den Wind zu balancieren wußte ; es sah komisch aus , fast wie wenn man mit einem kleinen Trinkglas ein großes Kohlhaupt bedecken wollte . Ich hatte Zachariäs unsterblichen Renommisten zu gut studiert , um nicht zu wissen , daß , sobald ich mir eine Blöße gegen den Herrn Bruder gebe , sein Respekt vor mir auf ewig verloren sei ; ich merkte ihm daher seine Augenbrauenfalten , sein ernstes , abmessendes Auge , soviel es ging , ab , und hatte die Freude , daß er mich gleich nach der ersten Stunde auffallend vor dem » Philister und dem Florbesen « , auf deutsch einem alten Professor und seiner Tochter , welche unsere übrige Reisegesellschaft ausmachten , auszeichnete . In der zweiten Stunde hatte ich ihm schon gestanden , daß ich in Kiel studiert und mich schon einigemal mit Glück geschlagen habe , und ehe wir nach ..... gen einfuhren , hatte er mir versprochen , eine » fixe Kneipe « das heißt eine anständige Wohnung auszumitteln , wie auch mich unter die Leute zu bringen . Der Herr Studiosus Würger , so hieß mein Gesellschafter , ließ an einem Wirtshaus vor der Stadt anhalten , und lud mich ein , seinem Beispiele zu folgen , und hier auf die Beschwerden der Reise ein Glas zu trinken . Die ganze Fensterreihe des Wirtshauses war mit roten und schwarzen Mützen bedeckt , es war nämlich eine gute Anzahl der Herren Studiosi hier versammelt , um die neuen Ankömmlinge , die gewöhnlich am Anfang des Semesters einzutreffen pflegen , nach gewohnter Weise zu empfangen . Würger , der alte » längst bemooste « Bursche , hatte sich schon unterwegs mit dem Gedanken gekitzelt , daß seine Kameraden uns für » Füchse « halten werden , und wirklich traf seine Vermutung ein . Ein Chorus von wenigstens 30 Bässen scholl von den Fenstern herab , sie sangen ein berühmtes Lied , das anfängt : » Was kommt dort von der Höh ! « Während des Gesanges entstieg mein Gefährte majestätisch der Chaise , und kaum hatte er den Boden berührt , so erhob er sein furchtbares Haupt , und schrie zu den Fenstern empor : » Was schlagt ihr für einen Randal auf , Kamele ! Seht ihr nicht , daß zwei alte Häuser aus diesem Philisterkarren gestiegen kommen ? « ( auf deutsch : lärmt doch nicht so sehr , meine Herren , Sie sehen ja , daß zwei alte Studenten aus dem Wagen steigen . ) Der allgemeine Jubel unterbrach den erhitzten Redner : » Würger ! du altes fideles Haus ! « schrien die Musensöhne , und stürzten die Treppen herab in seine Arme ; die Raucher vergaßen , ihre langen Pfeifen wegzulegen , die Billardspieler hielten noch ihre Queues in der Hand . Sie bildeten eine Leibwache von sonderbarer Bewaffnung um den Angekommenen . Doch der Edelmütige vergaß in seiner Glorie auch meiner nicht , der ich bescheiden auf der Seite stand , er stellte mich den ältesten und angesehensten Männern der Gesellschaft vor , und ich wurde mit herzlichem Handschlag von ihnen begrüßt . Man führte uns in wildem Tumult die Treppe hinan , man setzte mich zwischen zwei bemooste Häuser an den Ehrenplatz , gab mir ein großes Paßglas voll Bier und ein Fuchs mußte dem neuen Ankömmling seine Pfeife abtreten . So war ich denn in ..... en als Student eingeführt , und ich gestehe , es gefiel mir so übel nicht unter diesem Völkchen . Es herrschte ein offener , zutraulicher Ton , man brauchte sich nicht in den Fesseln der Konvenienz , die gewiß dem Teufel am lästigsten sind , umherzuschleppen , man sprach und dachte , wie es einem gerade gefiel . Wenn man bedenkt , daß ich gerade im Herbst 1819 dorthin kam , so wird man sich nicht wundern , daß ich mich von Anfang gar nicht recht in die Konversation zu finden wußte . Denn einmal machten mir jene Kunstwörter ( termini technici ) von welchen ich oben schon eine kleine Probe gegeben habe , viel zu schaffen ; ich verwechselte oft » Sau , « das Glück , mit » Pech « , was Unglück bedeutet , wie auch » holzen « , mit einem Stock schlagen , mit » pauken « , mit andern Waffen sich schlagen . Aber auch etwas anderes fiel mir schwer ; wenn nämlich nicht von Hunden , Paukereien , Besen oder dergleichen gesprochen wurde , so fiel man hinter dem Bierglas in ungemein transzendentale Untersuchungen , von welchen ich anfangs wenig oder gar nichts verstand , ich merkte mir aber die Hauptworte , welche vorkamen , und wenn ich auch in die Konversation gezogen wurde , so antwortete ich mit ernster Miene » Freiheit , Vaterland , Deutschtum , Volkstümlichkeit . « Da ich nun überdies ein großer Turner war , und eigentlich » teufelmäßige « Sprünge machen konnte , da ich mir überdies nach und nach ein langes Haar wachsen ließ , solches fein scheitelte und kämmte , einen zierlich ausgeschnittenen Kragen über den deutschen Rock herauslegte , mich auch auf die Klinge nicht übel verstand , so war es kein Wunder , daß ich bald in großes Ansehen unter diesem Volke kam . Ich benutzte diesen Einfluß soviel