, da ich selbst ihre Gunst mir nicht durch Heuchelei erwerben möchte . Leben Sie wohl für immer , denn für mich ist nun nichts mehr hier zu thun . Sie werden meiner Tante bezeugen , daß es nicht an mir lag , wenn ihr sehnlicher Wunsch unerfüllt blieb , und daß ich Erna meine Hand bot - aber mit Geringschätzung zurückgewiesen wurde . Suchen Sie um des eignen Bestens Ihrer Freundin willen ihre romantischen überspannten Ideen zu berichtigen , und sie der wirklichen Welt anzupassen , in der sie leben soll , denn diese idyllische Sentimentalität zerstört die Wurzeln eines gesunden Daseyns , und macht sie am Ende zu einer - Candidatin des Irrenhauses . Mit diesen Worten , die er voll des empörendsten Hohns in seinen Mienen aussprach , verließ er das Zimmer , und Auguste blieb , halb betäubt von der plötzlichen , so schrecklichen Verwandelung eines Charakters , den sie geschätzt hatte , und zitternd vor den Folgen die es auf Erna ' s liebendes Gemüth haben werde , zurück . Als Alexander zu seiner Tante kam , entdeckte er ihr mit allen Zeichen wohlerkünstelter Kränkung und fehlgeschlagener Hoffnung , daß er Erna in Augustens Gegenwart seine Hand angetragen , aber eine abschlägliche Antwort von ihr erhalten habe , und auf eine verächtliche Weise von ihr verlassen worden sei . Umsonst strebte die Generalin , sich dies Räthsel zu erklären , umsonst erbot sie sich zur Vermittlerin , - da sie Erna ' s Liebe zu ihm so wenig wie ihre vortheilhafte Meinung von seinem Werth bezweifeln konnte - sein Stolz lehnte sich , wiewohl scheinbar mit tiefem Schmerz kämpfend , gegen jedes Anerbieten ihrer Einmischung auf , und noch demselben Tag trat er , ohne sich durch Bitten und Zureden halten zu lassen , äußerlich zerstört , und tief ergriffen , innerlich aber frohlockend , daß er , wie er glaubte , mit so guter Art seinen Nacken aus der Schlinge gezogen habe , den Rückweg zur Residenz an . XIX So lange Erna wähnte , ein schwerer Traum habe sie dem Himmel ihrer Hoffnung entrückt , so lange ruhte der wohlthätige Nebel der Betäubung , nicht das Centnergewicht der Verzweiflung auf ihrer Seele . Als aber nach und nach Klarheit wieder in ihre Besinnung zurückkehrte , und sie sich nicht mehr verhehlen konnte , daß sie wirklich auf immer von dem Ideal ihres höchsten Glücks geschieden sei , da bemächtigte sich ihrer ein Schmerz , der ihr armes Leben aller seiner Blüthen beraubte . Wenn gleich ein dunkles Gefühl ihr sagte , sie müsse den Kummer verbergen , unter dessen Druck sie fast erlag , um ihre Mutter zu schonen , so vereitelte die Unfähigkeit , sich zu verstellen , und die Neuheit einer solchen Bürde doch ihr inniges Streben , allein zu tragen , was der freie Blick in das Herz des Jünglings , den sie liebte , ihr auferlegt hatte . Aus ihrem Daseyn war das Paradies verschwunden - das Schöne aus ihren Träumen - das Göttliche aus ihrer Hoffnung . Denn wie ein Blitz , ungeahnet und unbegriffen , von wannen ? woher ? war die Liebe aus des Himmels Höhen in ihr Gemüth gesunken , aber nicht , wie sie in frommer Kindlichkeit geglaubt hatte , um es zu erwärmen , und zu erhellen , sondern um jede Kraft zu lähmen , jede Freudigkeit zu vernichten . Sie befragte sich selbst in der Bangigkeit ihrer Zweifel , ob es Gottes Hand sei , die diese schwere , dunkle Wolke über ihr Leben herauf führte , oder der Dämon eigner Schuld - aber ihr Bewußtseyn war rein , und warf ihr nur ein zu blindes , nur so bitter hintergangenes Vertrauen , nur eine zu innige , jetzt so grausam getäuschte Neigung , keinen Fehler vor , der Alexanders rauhes Abwenden von ihr hätte rechtfertigen können . Der Sturm , den betrogener Glaube , gemisbrauchtes Zutrauen , und das unheilbare Gift einer ewigen Hoffnungslosigkeit in ihrer Seele erregt hatte , näherte sie fast dem Wahnsinn , indem er ihre körperliche Kraft sichtbar aufrieb . Ihre Mutter , die nur durch Augusten , nicht durch die von der Größe ihres Schmerzes verschloßnen Lippen ihres Kindes das Vorgefallene erfuhr , vergaß der eignen Leiden , um den Kummer der geliebten Tochter lindern und tragen zu helfen . Längst hatten ihr die Aerzte bei der Zartheit ihrer Constitution einen Aufenthalt in südlichen Ländern verordnet . Aber die Beschwerden einer so weiten Reise , das Gefühl ihrer Schwäche , die Anhänglichkeit an ihren Wohnort und an den freundlichen Kreis , der sie dort umgab , und so manche Schwierigkeiten mehr , die der Kränkliche mühsam überwindet , weil er , der Energie und des Muthes beraubt , leicht in der spielenden Mücke einen drohenden Elephanten erblickt , hatten sie bisher abgehalten , um ihrentwillen diesen heilsamen Rath zu befolgen . Aber kaum hatte man ihr gesagt , daß Erna , krank an Leib und Seele , der Zerstreuung und einer mildern Luft bedürfe , um zu genesen , als das liebevolle Mutterherz Entschlossenheit genug in sich fand , allen Hindernissen Trotz zu bieten . Mit einer Eil , die sich selbst nicht Ruhe vergönnte , wurden die Anstalten zur Abreise betrieben . Seit Jahren in einem völlig leidenden Zustand , und aller Thätigkeit entwöhnt , überließ sie sich jetzt einer so eifrigen Betriebsamkeit , daß sie gleichsam in diesem Streben noch einmal wieder aufglühte , wie die hinsterbende Lampe kurz vor dem Erlöschen höher aufflackert . Denn sie konnte die Sorge für das Mittel , durch welches sie ihr größtes Kleinod zu retten hoffte , niemand , sogar der treuen Auguste nicht überlassen und die mühevollsten Anstrengungen , deren sie sich unterzog , gaben durch ihren heiligen Zweck ihren erschlafften Nerven wieder Spannung , ihrem hinfälligen Körper wieder Kraft . Sie ordnete alles selbst , und da sie weder Mühe noch Geld sparte , so war das Ziel ihres Strebens bald erreicht , und wenig