und Erkenntlichkeit . Und sie küßten die Kinder , ließen ihnen Kuchen backen und theilten Allen aus . Im Dorfe aber war viel eitles Geschwätz über die Hochzeit , und Jeder hatte seine Meinung darüber . Denn Niemand konnte begreifen , daß es dabei mit rechten Dingen zugegangen sein solle , sintemal unerhört war , daß der reichste Müller im Lande seine schöne Tochter und einzige Erbin einem armen Schulmeister zur Frau gegeben . Um die Elsbeth würden auch wohl vornehme Herren aus der Stadt gefreit haben , so schön und reich war sie . Man wollte daher gern wissen , warum der Müller einen so einfältigen Streich gemacht habe ? Aber der alte Siegfried lachte nur , und die Leute brachten von ihm nichts heraus . Auch die alte Müllerin ward von ihren Gevatterinnen sehr geplagt und geneckt mit dem armen , schlechten Schulmeister , und daß man einem hergelaufenen Kerl eine solche Tochter anhänge . Die Müllerin war bei aller Gottesfurcht doch eine stolze Frau . Daher thaten ihr die verächtlichen Reden weh , und als sie darüber einst vor Zorn fast weinte , sagte sie zur Adlerwirthin heftig : » Schweigt mit euerm dummen Geschwätz ; ihr wisset so viel als nichts . Der Oswald könnte wohl den Adlerwirth und Kreuzwirth auskaufen . Er hat mehr , als man glaubt . Das hab ' ich mit meinen leiblichen Augen gesehen . Wenn ich nur reden dürfte , ich könnte euch Dinge sagen , ihr solltet Maul und Nase aufsperren . « So sprach sie und schwieg plötzlich , und war verdrießlich , daß sie im Zorn mit etwas herausgeplatzt war , das sie verschweigen wollte . Auch erfuhr die Adlerwirthin weiter nichts , und mußte noch dazu versprechen , es Keinem wieder zu sagen . Die Adlerwirthin sagte es auch Niemandem , als ihrer Schwester und ihrem Manne , die vorher geloben mußten , das Geheimniß bei sich zu behalten . Aber sie erklärten die Reden der Müllerin so , als habe diese mit leiblichen Augen ganze Haufen Goldes und Silbers bei Oswald gesehen ; und Oswald könne , wenn er wolle , das ganze Dorf kaufen ; und es gingen im Hause Oswalds manchmal Dinge vor , daß , wenn man sie sagen dürfte , den Leuten die Haare zu Berge stehen würden . Dem Adlerwirth und seiner Schwägerin , als sie dies hörten , standen vor Entsetzen wirklich schon die Haare gen Berge , und sie konnten nicht anders , und vertrauten das Geheimniß nur einigen ihrer besten Freunde . Nach wenigen Tagen wußten die Leute in Goldenthal weit mehr , als die Müllerin gesagt hatte . Da hieß es , der Oswald stünde mit dem Fürsten der Hölle im Bündniß ; dem habe er mit eigenem Blute seine arme Seele verschrieben . Doch dreißig Jahre lang solle der Böse den Willen des Schulmeisters thun ; am Ende des letzten Jahres werde der Teufel Oswalds Seele in der heiligen Christnacht zwischen Eilf und Zwölf holen , und dem Unglücklichen den Kopf umdrehen , daß das Antlitz im Nacken stehen bleibe . Der Schulmeister habe Gold , so viel er begehre , und der schönen Elsbeth habe er einen Liebestrank beigebracht , daran sie hätte entweder rasend werden oder jämmerlich sterben , oder ihn heirathen müssen . Ferner , der Oswald könne Geister bannen , Schätze heben , das Fieber besprechen , den Kühen es anthun , daß sie blaue Milch oder wohl gar Blut geben müßten ; er könne das Feuer bannen , sich stich- und kugelfest machen , auf einem Besen durch die Luft reiten und viele andere Dinge mehr . Das habe er alles aus gefährlichen Büchern erlernt ; er habe Doktor Fausts Höllenzwang , Kaiser Caroli Halsgerichtsordnung und das Buch von Salomonis Siegelring . Von diesem Augenblicke an fürchteten sich die Leute in Goldenthal vor dem Schulmeister entsetzlich . Keiner that ihm etwas zu leid , aus Angst vor Oswalds Rache und höllischem Bundesgenossen . Sogar der grimmige Löwenwirth unterstand sich nicht , ihm oder dem Müller etwas in den Weg zu legen . Manche Leute schlugen heimlich ein Kreuz , wenn sie dem Oswald von ungefähr begegneten . 11. Elsbeth steht in gutem Ruf . Wenn aber die jungen Leute des Dorfes der Elsbeth begegneten , die da blühte wie eine Rose , schlug Niemand vor ihr ein Kreuz , sondern Jeder nickte ihr den freundlichsten guten Tag ; und wenn sie vorbei war , blieb wohl Mancher gar still stehen und sah ihr nach . Denn Elsbeth war eine schöne Frau , und sie schien mit jedem Tage schöner zu werden , daß sich selbst die Mädchen in Goldenthal darüber wunderten . Dennoch war sie nicht kostbarer gekleidet oder geputzter , als andere Frauen waren . Aber man mochte sie sehen Sonntags oder Werkeltags , Morgens oder Abends , sie war immer , als wollte sie zum Tanz gehen . Sie arbeitete in der Sonnenhitze auf dem Felde und im Garten ; sie ging in den Stall und besorgte Kuh und Schwein ; trug Gemüs und Eier zum Verkauf in die Stadt - und dabei war sie allezeit sauber und zierlich , und kein Fleck an ihren Kleidern . » Ich glaube beinahe , die kann auch schon hexen ! « sagte die Löwenwirthin , indem sie eine Prise Schnupftabak nahm , und sich die Nase mit dem Aermel wischte . » Ja wohl ! « sagten die jungen Männer alle : » Die kann es . Wenn Elsbeth nicht schon verheirathet wäre , sie würde uns allen die Herzen aus dem Leibe hexen , so schön ist sie ! « Und die verheiratheten Männer im Dorfe verfuhren gar oft grob mit ihren Weibern , und gaben ihnen Schmähworte und Ohrfeigen , daß sie nicht auch so schön geblieben waren , wie die Schulmeisterin . Dann heulten die Weiber und fluchten und schworen und zerkratzten ihren Männern das Gesicht mit ihren langgewachsenen Nägelkrallen . Zwei Mädchen , welche Elsbeths Freundinnen