, unterbrach die Stille und klang in hellen Nächten weit über die Wälder weg . Der Ritter hatte ein junges Töchterlein , die machte ihm viel Kummer , denn sie war ganz anderer Sinnesart , als ihr Vater und all ihr Trachten ging nur auf weltliche Dinge . Wenn sie abends am Spinnrocken saß , und er ihr aus seinen alten Büchern die wunderbaren Geschichten von den heiligen Märtyrern vorlas , dachte sie immer heimlich bei sich : Das waren wohl rechte Toren , und hielt sich für weit klüger , als ihr alter Vater , der alle die Wunder glaubte . Oft , wenn ihr Vater weg war , blätterte sie in den Büchern und malte den Heiligen , die darin abgebildet waren , große Schnurrbärte « - Rosa lachte hierbei laut auf . - » Was lachst du ? « fragte Leontin Spitzig , und Faber fuhr in Seiner Erzählung fort : » Sie war sehr schön und klüger , als alle die andern Kinder in ihrem Alter , weswegen sie sich auch immer mit ihnen zu spielen schämte , und wer mit ihr sprach , glaubte eine erwachsene Person reden zu hören , so gescheit und künstlich waren alle ihre Worte gesetzt . Dabei ging sie bei Tag und Nacht ganz allein im Walde umher , ohne sich zu fürchten , und lachte immer den alten Burgvogt aus , der ihr schauerliche Geschichten vom Wassermann erzählte . Gar oft stand sie dann an dem blauen Flusse im Walde und rief mit lachendem Munde : Wassermann soll mein Bräutigam sein ! Wassermann soll mein Bräutigam sein ! Als nun der Vater zum Sterben kam , rief er die Tochter zu seinem Bette und übergab ihr einen großen Ring , der war sehr schwer von reinem Golde gearbeitet . Er sagte dabei zu ihr : Dieser Ring ist vor uralten Zeiten von einer kunstreichen Hand verfertigt . Einer deiner Vorfahren hat ihn in Palästina , mitten im Getümmel der Schlacht , erfochten . Dort lag er unter Blut und Staub auf dem Boden , aber er blieb unbefleckt und glänzte so hell und durchdringlich , daß sich alle Rosse davor bäumten und keines ihn mit seinem Hufe zertreten wollte . Alle deine Mütter haben den Ring getragen und Gott hat ihren frommen Ehestand gesegnet . Nimm du ihn auch hin und betrachte ihn alle Morgen mit rechten Sinnen , so wird sein Glanz dein Herz erquicken und stärken . Wenden sich aber deine Gedanken und Neigungen zum Bösen , so verlöscht sein Glanz mit der Klarheit deiner Seele und wird dir gar trübe erscheinen . Bewahre ihn treu an deinem Finger , bis du einen tugendhaften Mann gefunden . Denn welcher Mann ihn einmal an seiner Hand trägt , der kann nicht mehr von dir lassen und wird dein Bräutigam . - Bei diesen Worten verschied der alte Ritter . Ida blieb nun allein zurück . Ihr war längst angst und bange auf dem alten Schlosse gewesen , und da sie jetzt ungeheure Schätze in den Kellern ihres Vaters vorfand , so veränderte sie sogleich ihre Lebensweise . « - » Gott sei Dank « , sagte Rosa , » denn bis jetzt war sie ziemlich langweilig . « - Faber fuhr wieder fort : » Die dunkeln Bogen , Tore und Höfe der alten Burg wurden niedergerissen und ein neues , lichtes Schloß mit blendendweißen Mauern und kleinern , luftigen Türmchen erhob sich bald über den alten Steinen . Ein großer , schöner Garten wurde daneben angelegt , durch den der blaue Fluß vorüberfloß . Da standen tausenderlei hohe , bunte Blumen , Wasserkünste sprangen dazwischen , und zahme Rehe gingen darin spazieren . Der Schloßhof wimmelte von Rossen und reichgeschmückten Edelknaben , die lustige Lieder auf ihr schönes Fräulein sangen . Sie selber war nun schon groß und außerordentlich schön geworden . Von Ost und West kamen daher nun reiche und junge Freier angezogen , und die Straßen , die zu dem Schlosse führten , blitzten von blanken Reitern , Helmen und Federbüschen . Das gefiel dem Fräulein gar wohl , aber so gern sie auch alle Männer hatte , so mochte sie doch mit keinem einzigen ihren Ring auswechseln ; denn jeder Gedanke an die Ehe war ihr lächerlich und verhaßt . Was soll ich , sagte sie zu sich selbst , meine schöne Jugend verkümmern , um in abgeschiedener , langweiliger Einsamkeit eine armselige Hausmutter abzugeben , anstatt daß ich jetzt so frei bin , wie der Vogel in der Luft . Dabei kamen ihr alle Männer gar dummlich vor , weil sie entweder zu unbehülflich waren , ihrem müßigen Witze nachzukommen , oder auf andere , hohe Dinge stolz taten , an die sie nicht glaubte . Und so betrachtete sie sich in ihrer Verblendung als eine reizende Fee unter verzauberten Bären und Affen , die nach ihrem Winke tanzen und aufwarten mußten . Der Ring wurde indes von Tage zu Tage trüber . Eines Tages gab sie ein glänzendes Bankett . Unter einem prächtigen Zelte , das im Garten aufgeschlagen war , saßen die jungen Ritter und Frauen um die Tafel , in ihrer Mitte das stolze Fräulein , gleich einer Königin , und ihre witzigen Redensarten überstrahlten den Glanz der Perlen und Edelgesteine , womit ihr Hals und Busen geschmückt war . Recht wie ein wurmstichiger Apfel , so schön rot und betrüglich war sie anzusehen . Der goldene Wein kreiste fröhlich herum , die Ritter schauten kühner , üppig lockende Lieder zogen hin und wieder im Garten durch die sommerlaue Luft . Da fielen Idas Blicke zufällig auf ihren Ring . Der war auf einmal finster geworden , und sein verlöschender Glanz tat nur eben noch einen seltsamen , dunkelglühenden Blick auf sie . Sie stand schnell auf und ging an den Abhang des Gartens . Du einfältiger Stein sollst mich nicht länger mehr stören ! sagte sie , in ihrem Übermute lachend , zog den Ring vom Finger und warf