in mir ! Drum liebes Kind bewach ' ich mich , und zügele stets den Drang nach Mittheilung und jenes innige Erwiedern des Empfundenen , die jedes Herz bewegen . Denn mir und Andern , das glaube nur , würde ich großen Schmerz bereiten , wollte ich dem brennenden Verlangen meiner Seele Gnüge leisten . Nur mir , sagte Marie , ganz hingerissen von der leutseligen Hingebung der Schwester , nur mir gönne den Reichthum Deines schönen Herzens . Ueberschütte , erdrücke mich damit , aber nimm mir nicht wieder , was Du mich ahnden ließest . Sieh ' meine Antonie , wir werden vielleicht nun bald ganz allein , von allem losgerissen , in fernen , fernen Landen leben ; wenn wir nun nicht aneinander hangen , uns nicht treu in Liebe bewahren , was soll aus mir , ja auch aus Dir Antonie werden ? Liebe Schwester , laß uns an die Mutter , an die arme liebe Mutter denken ! Das wollen wir ! erwiederte Antonie bewegt , und ihre Hand in die der Schwester legend , saßen beide Gedankenvoll und schweigend , als ein Getöse sie aufschreckte , das erst dumpf , dann immer anschwellender und lauter , zu ihnen herandrängte . Herr Jesus ! schrie Antonie , da sind sie schon ! Indem stürzte Bertrand die Stiegen herauf , und bleich und verstört rief er ihnen zu : daß ein Schwarm Republikaner das Schloß umzingele , und obgleich die Zugbrücken aufgezogen , sei es doch zu befürchten , daß sie durch die flachen Gräben dringen , den Wall erklettern , und Pforten und Riegel sprengen werden . Der Marquis sei außer Fassung , denn , da er sich nicht vertheidigen könne , woran er zuerst gedacht , wisse er auch kein Rettungsmittel zu finden . So wird er und wir Alle doch zu sterben wissen , sagte Antonie , welche voraneilend dem Vater zurief : Ist noch etwas zu thun , so lassen Sie uns nicht säumen , wo nicht , den Tod suchen . Noch ist es möglich , von der Wasserseite zu entfliehn , sagte Bertrand , es kommt allein darauf an , daß der Kahn auf dieser Seite des Ufers ist , und wir unbemerkt aus dem Schlosse entkommen können . Ich gehe , setzte er nach einigem Besinnen hinzu , das Nöthige zu erkunden . Marie drückte ihm sprachlos weinend die Hand , Antonie aber beschwor ihn , zu eilen , ungeduldig die Entscheidung ihres Schicksals zu erfahren . Alle blieben in gleichem Maaße unruhig zurück . Der Marquis lief heftig auf und nieder , fuhr sich oft mit beiden Händen in die Haare , und machte so gräßliche Geberden , als sähe er schon all die Greuel , die ihn bedroheten . Plötzlich fiel ein Büchsenschuß dicht vor dem Fenster , dann noch einer , und des Essenkehrers Stimme rief laut : nur mir nach , ich kenne hier Wege und Stege ! Herr des Lebens ! schrie die Köhlerfrau , Alexis , ihr fünfjähriges Söhnchen , in den Arm nehmend , nun sind sie herüber , nun ists vorbei mit uns ! Antonie aber zog alle mit sich fort in die hinteren Gemächer , sie hatte selbst keinen klaren Gedanken , sie wollte nur entfernt sein von den nahen Eingängen . Dasselbe Gefühl drängte alle immer weiter zurück , und so flüchteten sie von Zimmer zu Zimmer , und kamen endlich in jene Polterkammer , welche dem Marquis vor vielen Jahren das räthselhafte Buch und den Schlüssel zuführte . Antonie schob einen alten Schrank vor die einzige Thür , die zu diesem äußersten Schlupfwinkel führte . Und so blieben sie einander gegenüber , entsetzt , nichts mehr zu ihrer Rettung thun zu können . Indeß knisterten neben und über ihnen Flammen , welche durch hereingeworfene Feuerbrände im Schlosse angeschürt waren . Die fürchterlichste Angst , auf solche Weise dem Tode nicht mehr entgehen zu können , riß Alle aus sich heraus , und überwältigte jeden stilleren Ruf mahnender Gottesfurcht und Ergebung . Der Marquis schäumte vor Wuth , Antonie ging wie betäubt umher ; die Andern lagen kniend am Boden . Der Qualm und Rauch drang schon durch die verrammelte Thür , als Antonie jenen Schlüssel , welchen der Vater immer bei sich trug , aus dessen Tasche zog , ihn in eine schmale Thür , welche hinter einem Wust alten Bilder und zerbrochener Stühle verborgen war , hineinsteckte , mit großer Anstrengung in dem verrosteten Schlosse umdrehete , die Thür eröffnete , einzelne in der breiten Mauer eingehauene Stufen hinabstieg , und den Andern , ihr zu folgen , winkte . Worauf sie alle einen schmalen , dunklen Steg fortgingen , ohne zu wissen , was sie thaten , noch wohin sie gelangen würden . Doch ehe sie sich recht besannen , waren sie auf der andern Seite des Walles , dicht an der leuchtenden Rhone , die ihnen den silbernen Rücken großmüthig bot , sie aus den Flammen zu tragen . Dicht am Ufer stand Bertrand mit dem Nachen , und sah verzweifelnd auf das brennende Schloß . Doch kaum ward er ihrer ansichtig , als er auf sie zusteuerte , und die plötzlich Erretteten , zitternd vor Wonne und Angst , in das kleine Fahrzeug stiegen , sich einander in die Arme fielen , beteten und weinten , und halb ohnmächtig an den Mauern hingleiteten , aus welchen die Flammen wild hervorleckten , und die Fenster gräßlich erhellten , die klirrend über ihnen zersprangen , und die innere Verwüstung kund gaben . Bald nachher sahen sie einige ihrer Verfolger sich auf die Bäume der Wallbekränzung schwingen , und ihre Gewehre nach dem Wasser zu abfeuern . Ruhig glitt der Kahn indeß , von dem mächtigen Strome geschützt , weiter hinab , die Nacht verdeckte sie , wie die heimathliche Gegend , nur die Feuer warfen noch , hell aufleuchtend , scheidende Blicke vom Schlosse auf sie herüber . Zweites Buch Siebentes Kapitel Der feuchte , lösende