sich plözlich auflösende Räthsel des Oedipus . Dann verließen ihn die Sinne , und er sank bewußtlos auf den Stein nieder . Als er wieder erwachte , fand er sich allein , und nur der stumme ernste Jüngling war bei ihm zurük geblieben . Sturm und Aufruhr im Innern , stürzte er hinaus ins Freie . - Und alles war um ihn her verwandelt und anders worden ; die alte Zeit schien sich wiederzugebähren , und das graue Schicksal erwachte aus seinem tiefen Schlafe , und herrschte wieder über Erde und Himmel . Eine Furie verfolgte ihn , wie den Orestes , auf jedem Schritte , und hob oft tückisch das Schlangenhaar , und zeigte ihm ihr schönes Antliz . - Ponce mußte auf längere Zeit Sevilla verlassen , da schlich Don Juan aus seiner tiefen Verborgenheit hervor , wie ein lichtscheuer Verbrecher . In seiner Seele war alles fest und entschieden , doch floh er seinen eigenen Umgang , um dem dunkeln Gefühle keine Worte zu geben , und sich nicht gegen sich selbst erklären zu müssen . So suchte er , gegen sich geheimnißvoll , Ponces Landgut auf , und trat in Donna Ines Zimmer ; sie erkannte ihn rasch , und die weiße Rose blühete zum erstenmale roth und glühend auf , und die Liebe belebte Pygmalions kaltes Wunderbild . Die Abensonne brannte durch Laub und Blüthen , und Ines schob kindlich schuldlos den Wangenpurpur dem Himmelsfeuer zu , das sie anstrahlte : dann ergriff sie bebend die Harfe , und wie Juan ihr Spiel mit der Flöte begleitete , hub das verbotene Gespräch ohne Worte an , und die Töne bekannten und erwiederten Liebe . So bliebs bis Juan kühner wurde , die mystische Hieroglyphe verschmähete , und die schöne geheimnißvolle Sünde in heller Rede offenbarte . Da schwand die Dämmerung vor der Unschuldigen , sie schien erst jezt wie durch einen feindlichen Fackelglanz alles um sich her zu erkennen , und nannte zum erstenmale schaudernd und erschrocken den Namen » Bruder ! « Die Sonne ging in demselben Augenblicke unter , und das eben noch gefärbte Antliz war schnell wieder blaß wie zuvor . Juan verstummte ; Ines zog die Klocke , und eben jener Page , schön wie der Liebesgott , trat in das Zimmer . - Juan entfernte sich ohne ein Wort zu reden . Es war schon ganz finster draußen im Walde , er schritt gedankenlos vor sich hin , plözlich stand Don Ponce dicht vor ihm , rasch zog er den Dolch und führte wild den Stoß , - jezt kam er zur Besinnung ; der Dolch stekte tief in dem Stamme eines Baumes , und nur seine Phantasie hatte den Brudermord begangen . Ponce kehrte endlich zurück , aber Ines gedachte der Stunde nicht gegen ihn , und verhüllte Liebe und Vergehen tief in ihre Brust . Juan haßte den Tag , und lebte von jezt an nur in der Nacht , denn was in ihm vorging war lichtscheu und gefährlich . Sobald es finster wurde wandelte er jedesmal von dem Orte seines Aufenthalts hin nach Ponces Landgute , und blikte nach Ines Fenstern , doch wenn der Morgen wieder grauete , entfernte er sich wild und grollend . Einmal sah er Ines und den Pagen beim Lichtscheine , und seine Phantasie schuf ein Mährchen , wie Ines ihn , des Jünglings wegen , zurückgesezt habe , und nur diesem die süßen Stunden der Nacht heimlich weihe ; da schwur er in wilder Eifersucht dem schönen Knaben den Tod , und beschloß die erste Gelegenheit zur Ausführung zu ergreifen . - Das Licht auf ihrem Zimmer erlosch nicht , er wähnte den Pagen noch immer an ihrer Seite , harrte bebend vor Wuth und Liebe bis zur Mitternachtsstunde , dann schlich er , seiner nicht mehr mächtig , ein halb Wahnsinniger , hervor bis zur Thür des Hauses und fand sie nur angelehnt . Mit ungewissen wankenden Schritten ging er vor sich hin , und kam vor Ines Zimmer - ein rascher Druck , und es war geöffnet . Da lag die Blasse wieder wie an dem Sarkophage , das Nachtgewand war nur leicht um sie her gewunden , und in das Saitenspiel , das sie , noch schlummernd , an die Brust lehnte , schlangen sich braune Lockenkränze . Juans Lippen entfuhr unwillkührlich der Name seines Bruders , da glaubte er plözlich in der Schlafenden die Furie zu erblicken , die zwischen ihnen beiden aufgestiegen , und die Locken die das schöne Antliz umwallten , schienen sich in Schlangen zu verwandeln . Dann war sie aber wieder das Weib seiner Liebe , und er sank , außer sich , zu ihren Füßen nieder , und drükte seine heißen Lippen in ihre Brust . Sie taumelte erschrocken empor , erkannte ihn beim Scheine des Nachtlichts , stieß ihn mit heftiger Kraft von sich , und ihr Blik drückte Schauder und Entsezen aus . Der einzige Blick zerschmetterte ihn , doch erhob sich schnell sein böser Dämon , und er stürzte fort , bewußtlos was er thun wollte - ein blutiger Vorsatz lag dunkel vor seiner Seele . Von dem Geräusche erweckt taumelte der Page schlaftrunken aus einem Zimmer im Vorsaale , er ergriff ihn und sagte rasch : » Deine Gebietherin verlangt nach dir , sie will in die Frühmesse ! « Der Page rieb sich die Augen , er blikte ihm nach , und sah noch wie er in Ines Zimmer verschwand . Das Schicksal hatte die Katastrophe tückisch vorbereitet ; Don Juan fand des Bruders Schlafgemach , riß ihn aus dem ersten Schlummer , und rief ihm die Untreue seines Weibes zu . Ponce fuhr rasch auf und wollte Erklärung , aber er zog ihn heftig mit sich fort , und drükte ihm nur auf dem Wege seinen Dolch in die Hand ; dann schob er ihn in das Zimmer . Es war todtenstill um Don Juan , er stand furchtbar einsam in der Nacht , und suchte