, wobei er mich mit vieler Artigkeit bat , bei Gelegenheit einiger bevorstehenden Lustbarkeiten meinen Anzug so glänzend einzurichten , als ich es mit vollem Recht thun könnte . Sein Gesicht hatte sich nun ganz wieder in die feinen , verschloßnen Falten gezogen , die es gewöhnlich hat , und er verlies mich . Ich fühlte , es war vorbei ; er sah meine schwimmenden Augen und konnte mich verlassen . Ich fühlte mich in diesem Augenblick ganz einsam ; alle Gegenstände schienen weit von mir zurückzuweichen , und ein unermeßlicher Abgrund von Leere sich neben mir zu öfnen . - Ich lies mein Mädchen ausgehen , und meine Thür blieb vor der ganzen Welt , selbst vor dem Knaben , verschlossen . Ein bittrer , unmässiger Gram durchdrang das Innerste der Seele . Ach ! auf der ganzen Welt kannte ich kein liebendes Herz , das mich in den trüben Strom gereizter Empfindlichkeit erhalten , und durch freundliche Theilnahme wieder zum Licht der Hoffnung empor gehoben hätte ! - Selbst Du , meine Julie , entferntest Dich von mir ! ich fühlte nur allzuwohl , was ich Dir sei , obgleich ich Dir Alles bin , was ich Dir sein kann . Du hast Deinen Gatten , Deine Kinder , und Dein Herz zerschmilzt in Liebe für die Gegenwärtigen , während es für die Entfernte nur ein freundliches Andenken hat . - Anders war es , als wir zusammen lebten , und unsre Freuden und Leiden , wie verschlungne Ranken zusammen aufwuchsen . Damals , umgab mich die wahre , herzliche Liebe meines Vaters , gleich einem wohlthätigen Schutzgeist , damals schien es mir , hingen so viele an mir , schlug mir so manches Herz entgegen , und jetzt - Ich ging ans Fenster und kühlte meine brennenden Augen in der milden Abendluft . Es war ein lieblicher Abend , und alles suchte das Freie . Mit welcher Sehnsucht sah ich auf die Vorübergehenden ; ach ! Alle schienen mir glücklicher als ich . - Die Gärtnertöchter gingen in den schattigen Gängen mit einem jungen Mann . Sie waren dürftig gekleidet , ohne Grazie , ohne Liebenswürdigkeit , aber sie gingen so traulich ; ihre Herzen waren leicht wie die Lüfte und übereinstimmend wie die Farben des Abendhimmels - mit welcher quälenden Wehmuth sah ich ihnen nach ! Sieh ! so strebe ich , während die hier immer mehr anwachsende Menschenmenge sich munter um mich her treibt , und alles dem Vergnügen sich ergiebt , mit grausamer Erfindsamkeit mich selbst zu quälen und wie ein eigensinniges Kind alles Glück , das sich mir anbietet , zu verschmähen , weil mir das Einzige , nach dem ich mich sehne : geliebt zu werden , so wie ich mir es träume , versagt ist . Doch fühle ich , daß mir während dem Schreiben unvermerkt wieder leichter geworden ist , und daß der Quell der Hoffnung und Lebenslust , wie in jeder Menschenseele , unversiegbar auch in mir lebt . - Aber was soll ich thun ? ich fühle was ich einem andern sein könnte , und darum ist es mir so schmerzlich , Nichts für den zu sein , dem ich viel sein möchte . Warum kann ich den Weg zu seinem Vertrauen nicht finden , und stehe ewig fremd und unverstanden vor ihm ? - Als ich Albret kennen lernte , glaubte ich an ihm einen furchtbaren Gleichmuth , eine kalte Erhabenheit über Leidenschaften und Wünsche wahrzunehmen , die ihn in meiner Phantasie zu einem höhern Wesen erhoben und meine Ehrfurcht erregten . Aber in der Folge bemerkte ich , daß diese Stille von aussen , nur destomehr innre Stürme verbarg , Stürme , deren Natur mir nur Wiederwillen erregte - und da sah ich es gern , daß unsre Lebensart uns von einander entfernt hielt . Doch jetzt , da ich überzeugt zu sein glaubte , daß er menschlich empfindet , daß er leidet , daß er vielleicht mehr unglücklich als hart ist , jetzt , meine Julie , fing ich an , ihn zu lieben ! - Noch einmal den Versuch zu machen , mich in seine Geheimnisse einzudringen , halte ich für unwürdig , aber der Knabe ist mir nun noch lieber geworden . Es ist unverkennbar , daß hier ein , ihm nahe liegendes Geheimniß verborgen ist , und , wie es auch sei , dies Kind soll mir als das Pfand einer vergangenen , wahrscheinlich für ihn glücklichen Zeit vorzüglich werth sein . - Gute Nacht , meine Julie , mein Herz schlägt ruhiger nach diesem Brief . Neunter Brief Eduard an Barton Ich schreibe Dir nur , um Dir Dein langes Schweigen vorzuwerfen , Du Saumseliger ! - Als wenn Du nicht wüßtest , daß ich ohne Dich , ohne Zusammenhang mit Dir , noch nicht im Leben auskommen kann , nicht wüßtest , daß ich nur durch Dich , von dem mir alles Gute kömmt , auch Nachrichten von dem theuern Vater erhalte , nach denen ich mich immer sehne ! - Ich verlasse morgen diesen ländlichen Aufenthalt wieder , von dem ich viel Nützliche und angenehme Erinnerungen mit hinweg nehme . Einige Ideen über Dinge , die ich hier erlernt und überdacht , lege ich Dir noch besonders bei , und da ich weiß , wie sehr Du Eigenthümlichkeit zu schätzen weißt , in welcher Gestalt sie sich auch zeigen mag , so will ich Dir , da ich selbst heute nicht zum Schreiben tauge , einen Brief von Nanetten abschreiben , den ich vor ein paar Tagen erhielt . » Eduard , « schreibt sie , » wenn Du nicht im Augenblick Dein Altes verwünschtes Schloß , und Deine Kenntnisse und sogenannten Zwecke , mit denen Du Dir selbst und andern , doch nie eine einzige frohe Minute machen wirst , verläßt , und hieher eilst , wo alles frohes , warmes , erquickliches Leben athmet , so sterbe ich vor Ungeduld . Du mußt sie sehen , und