beklemmte Brust hinein : Vergiß anjetzt , was du gelitten , In Kurzem schwindet deine Last , Was du umsonst gesucht in Hütten , Das wirst du finden im Palast . * Du nahst dem höchsten Erdenlohne , Bald endigt der verschlungne Lauf ; Der Myrthenkranz wird eine Krone , Dir setzt die treuste Hand sie auf . Ein Herz voll Einklang ist berufen Zur Glorie um einen Thron ; Der Dichter steigt auf rauhen Stufen Hinan , und wird des Königs Sohn . * So weit war er in seinem Gesange gekommen , und ein sonderbares Erstaunen hatte sich der Versammlung bemächtigt , als während dieser Strophen ein alter Mann mit einer verschleyerten weiblichen Gestalt von edlem Wuchse , die ein wunderschönes Kind auf dem Arme trug , das freundlich in der fremden Versammlung umhersah , und lächelnd nach dem blitzenden Diadem des Königs die kleinen Händchen streckte , zum Vorschein kamen , und sich hinter den Sänger stellten ; aber das Staunen wuchs , als plötzlich aus den Gipfeln der alten Bäume , der Lieblingsadler des Königs , den er immer um sich hatte , mit einer goldenen Stirnbinde , die er aus seinen Zimmern entwandt haben mußte , herabflog , und sich auf das Haupt des Jünglings niederließ , so daß die Binde sich um seine Locken schlug . Der Fremdling erschrak einen Augenblick ; der Adler flog an die Seite des Königs , und ließ die Binde zurück . Der Jüngling reichte sie dem Kinde , das darnach verlangte , ließ sich auf ein Knie gegen den König nieder , und fuhr in seinem Gesange mit bewegter Stimme fort : * Der Sänger fährt aus schönen Träumen Mit froher Ungeduld empor ; Er wandelt unter hohen Bäumen Zu des Pallastes ehrnem Thor . Die Mauern sind wie Stahl geschliffen , Doch sie erklimmt sein Lied geschwind , Es steigt von Lieb ' und Weh ergriffen Zu ihm hinab des Königs Kind . * Die Liebe drückt sie fest zusammen Der Klang der Panzer treibt sie fort ; Sie lodern auf in süßen Flammen , Im nächtlich stillen Zufluchtsort . Sie halten furchtsam sich verborgen , Weil sie der Zorn des Königs schreckt ; Und werden nun von jedem Morgen Zu Schmerz und Lust zugleich erweckt . * Der Sänger spricht mit sanften Klängen Der neuen Mutter Hoffnung ein ; Da tritt , gelockt von den Gesängen Der König in die Kluft hinein . Die Tochter reicht in goldnen Locken Den Enkel von der Brust ihm hin ; Sie sinken reuig und erschrocken , Und mild zergeht sein strenger Sinn . * Der Liebe weicht und dem Gesange Auch auf dem Thron ein Vaterherz , Und wandelt bald in süßem Drange Zu ewger Lust den tiefen Schmerz . Die Liebe giebt , was sie entrissen , Mit reichem Wucher bald zurück , Und unter den Versöhnungsküssen Entfaltet sich ein himmlisch Glück . * Geist des Gesangs , komm du hernieder , Und steh auch jetzt der Liebe bey ; Bring die verlorne Tochter wieder , Daß ihr der König Vater sey ! - Daß er mit Freuden sie umschließet , Und seines Enkels sich erbarmt , Und wenn das Herz ihm überfließet , Den Sänger auch als Sohn umarmt . Der Jüngling hob mit bebender Hand bey diesen Worten , die sanft in den dunklen Gängen verhallten , den Schleyer . Die Prinzessin fiel mit einem Strom von Thränen zu den Füßen des Königs , und hielt ihm das schöne Kind hin . Der Sänger kniete mit gebeugtem Haupte an ihrer Seite . Eine ängstliche Stille schien jeden Athem festzuhalten . Der König war einige Augenblicke sprachlos und ernst ; dann zog er die Prinzessin an seine Brust , drückte sie lange fest an sich und weinte laut . Er hob nun auch den Jüngling zu sich auf , und umschloß ihn mit herzlicher Zärtlichkeit . Ein helles Jauchzen flog durch die Versammlung , die sich dicht zudrängte . Der König nahm das Kind und reichte es mit rührender Andacht gen Himmel ; dann begrüßte er freundlich den Alten . Unendliche Freudenthränen flossen . In Gesänge brachen die Dichter aus , und der Abend ward ein heiliger Vorabend dem ganzen Lande , dessen Leben fortan nur Ein schönes Fest war . Kein Mensch weiß , wo das Land hingekommen ist . Nur in Sagen heißt es , daß Atlantis von mächtigen Fluten den Augen entzogen worden sey . Viertes Kapitel Einige Tagereisen waren ohne die mindeste Unterbrechung geendigt . Der Weg war fest und trocken , die Witterung erquickend und heiter , und die Gegenden , durch die sie kamen , fruchtbar , bewohnt und mannichfaltig . Der furchtbare Thüringer Wald lag im Rücken ; die Kaufleute hatten den Weg öfter gemacht , waren überall mit den Leuten bekannt , und erfuhren die gastfreyste Aufnahme . Sie vermieden die abgelegenen und durch Räubereien bekannten Gegenden , und nahmen , wenn sie ja gezwungen waren , solche zu durchreisen , ein hinlängliches Geleite mit . Einige Besitzer benachbarter Bergschlösser standen mit den Kaufleuten in gutem Vernehmen . Sie wurden besucht und bey ihnen nachgefragt , ob sie Bestellungen nach Augsburg zu machen hätten . Eine freundliche Bewirthung ward ihnen zu Theil , und die Frauen und Töchter drängten sich mit herzlicher Neugier um die Fremdlinge . Heinrichs Mutter gewann sie bald durch ihre guthmüthige Bereitwilligkeit und Theilnahme . Man war erfreut eine Frau aus der Residenzstadt zu sehn , die eben so willig die Neuigkeiten der Mode , als die Zubereitung einiger schmackhafter Schüsseln mittheilte . Der junge Ofterdingen ward von Rittern und Frauen wegen seiner Bescheidenheit und seines ungezwungenen milden Betragens gepriesen , und die letztern verweilten gern auf seiner einnehmenden Gestalt , die wie das einfache Wort eines Unbekannten war , das man fast überhört , bis längst nach seinem Abschiede es seine tiefe unscheinbare Knospe immer mehr aufthut , und endlich eine herrliche Blume in allem Farbenglanze dichtverschlungener Blätter zeigt , so daß man es