Juliane , als das Lied geendigt war , » wie schön weiß er die Seligkeit und die Schmerzen eines liebenden Herzens auszusprechen ! Florentin , Sie lieben ! gewiß Sie lieben ! Sie sollten uns die Geschichte Ihres Glücks mitteilen ! oder , wenn Sie nicht glücklich lieben ... armer Florentin ! « - Sie nahm seine Hand in ihre beiden Hände . Er seufzte und lehnte seine Stirn auf ihre Hand . » So öffnen Sie uns Ihr Herz « , fuhr sie mit bewegter Stimme fort , » wir sind es beide wert . « - Florentin richtete sich auf . - » Wie mich eure Teilnahme rührt , ihr Guten . Es ist das erste Von-Herzen-zu-Herzen-Gehende , dem ich begegnet bin ! Wohl trage ich Liebe in meiner Brust , Juliane , aber ein Weib , dem sie eigen gehörte , die sie mit mir teilte ... die fand ich noch nie ! « - » O das ist unglaublich . Sie entziehen sich uns . « - » Nein , bei Gott , nein ! « » Sie werden es weder glückliche noch unglückliche Liebe nennen wollen , wenn Sie hören , daß ich von meinem sechzehnten Jahre an der Erziehung der berühmtesten schönen Frauen in Venedig überlassen war . Ich lernte jeden Sinnenrausch kennen , früher als ich das geheime Feuer im innersten meines Herzens kannte und verstand , und keine Verderbnis der verderbtesten Welt hat es daraus vertilgen können . Die Schönheit betete ich an , wo sie sich mir darbot , ein glückliches Naturell unterstützte mich ... kurz , ich ward nirgend grausam behandelt . Nachher lebte ich eine Zeitlang von aller schönen feinen Welt entfernt bei armen Hirten in den Gebirgen ; dieser schönen Tage werde ich immer mit Freude gedenken . Ich lebte mit lieben holden Kindern zusammen , wahren Kindern der Natur , und der ersten Unschuld ; bei ihnen heilte meine Phantasie wenigstens wieder ... Einen Gegenstand der Liebe aber , die bis jetzt mir nur unbelohnt , aber tief im Herzen lebt , wo würde ich den wohl finden ? Er existiert irgendwo , das weiß ich , von dieser frohen Ahndung werde ich im Leben festgehalten ; aber wo er existiert ? wo ich ihn finde ? « - » Aber welche Forderungen werden Sie auch machen ? « sagte Juliane . » Was wird der Herr verlangen von einer Frau , die ihm die rechte sei ! « - » Unwiderstehlich reizend sind Sie , Juliane , wenn Sie die kleine Lippe so trotzig aufwerfen , und das Näschen höhnisch rümpfen ! « - » Welche Anmaßung ! « - » O keinen Zorn , wenn ich meinen Kopf behalten soll , er kleidet Sie viel zu schön ! Was hilft es denn , daß ich in einer alles vereinigt fand , was meine Wünsche fassen ? Sie ist ja die liebende Braut des Glücklichen dort ! « - » Sie sind ausgelassen , Florentin ! « - » Nun seht , ihr Lieben , ich fordre wenig , ihr werdet es vielleicht nicht glauben , recht sehr wenig ; doch scheint es eine große Forderung zu sein , denn ich fand sie nie erfüllt . Nichts als ein liebenswürdiges Weib , die mich liebt , liebt wie ich sie , die an mich glaubt , die ohne alle Absicht , bloß um der Liebe willen , die meinige sei , die meinem Glück und meinen Wünschen kein Vorurteil und keine böse Gewohnheit entgegensetzt , die mich trägt wie ich bin , und nicht erliegt unter der Last ; die mutig mit mir durch das Leben , und , wenn es sein müßte , mit mir in den Tod schreiten könnte ... Sehen Sie Juliane , das ist alles ! ... und ich habe es nicht gefunden , obgleich schöne Frauen jedes Standes mir überall und ohne Bedenken , die unzweideutigsten Beweise ihrer Liebe , wie sie es nannten , gaben . « - » Mit welchen Frauen haben Sie gelebt , Florentin ! « - » In der besten , der feinsten Gesellschaft mitunter , sein Sie versichert , gute Juliane . « - » Sie sollten uns doch bald mit Ihren Schicksalen und Abenteuern bekannt machen « , sagte Eduard . - » O tun Sie es « , sagte Juliane , » Ihr Lebenslauf muß sehr interessant sein ! « - » Interessant ! « rief er aus ; » ich bitte euch , was nennt ihr denn interessant ? Ich weiß wahrhaftig nicht , ob er das sein wird . Ich wollte , mein Lebenslauf gehörte irgendeinem andern zu , vielleicht würde ich ihn dann auch ergötzlich finden : als mein eigner Lebenslauf aber gefällt er mir eben nicht . Euch will ich auch einmal die Lust verschaffen , nur jetzt nicht , denn mich dünkt , es ist Zeit , daß wir uns nach einer Mahlzeit umsehen . « - » Wenn Sie es zufrieden sind « , sagte Juliane , » so gehen wir , während die Mittagssonne brennt , nicht von diesem Platz ; er ist schattig und kühl . Geben Sie her , was von kalter Küche da ist , unser grünes Lager mag zugleich unsre Tafel sein . « - » Sehen Sie , auch für ein sauberes Tuch hat man gesorgt , um es aufzudecken . « - » Sogar Wein findet sich hier « , sagte Florentin , indem er die Flasche hervorzog . - » Stellen Sie ihn dort an den Bach hin , damit er abkühle . « - » So reichlich fanden wir uns noch nie auf unsern Zügen versorgt . « - » So hat die Umständlichkeit , die meine Begleitung verursachte , doch wieder etwas Angenehmes erzeugt . « - » Wie oft mußte ich nicht schon die Annehmlichkeiten eines bequemen Lebens entbehren ! konnte ich mir aber nur eine größere Unabhängigkeit damit erkaufen , so geschah es mit tausend