- sagte die Gräfin zu mir . - » Höre , Robert ! « - fuhr sie , sich zu ihm wendend , fort . - » Milly wollte sich da eben in das Lob meines Mannes vertiefen ; du , hoffe ich , wirst ein bessers Gedächtniß haben . Nicht wahr ? du hast es noch nicht vergessen : wie ich von ihm gepeinigt worden bin ? « Robert . Nun ja , das ist wahr ! Mylady hat viel ausgestanden ! - Die Gräfin . Den ganzen Tag eingesperrt ! - Rob . Und die immerwährenden Klagen ! - Die Gräf . Ja , und Vorwürfe oben drein ! wenn ich einmal ausgehen wollte - Rob . Und ein ganzes Heer Wächter ! - Die Gräf . Als ob ich gleich davon laufen würde ! - Rob . Ach Gott ja ! Mylord war sehr wunderlich ! aber er liebte Mylady von ganzer Seele . - Die Gräf . Ja , so sehr , daß er mir beynahe die Luft zugemessen hätte ! - Rob . Freilich ! Freilich ! - aber nun sollte Mylady das doch endlich einmal vergessen , und Unsereinen .... Die Gräf . Nun ? - was Unsereinen ? - heurathen und auch ein Mädchen unglücklich machen lassen ? - Rob . Großer Gott ! würde ich dann Milly unglücklich machen ? Die Gräf . Nun ! nun ! macht mir den Kopf nicht zu warm ! sonst könnt ihr ' s noch erleben , daß ich euch zusammenkuppeln lasse ! wenn ihr ' s denn schlechterdings nicht besser haben wollt . Aber das sage ich euch ! kommt mir nachher nicht mit Klagen ! - » Nimmermehr ! nimmermehr Mylady ! « - rief Robert , und küßte ihr mit Inbrunst die Hand . Milly hatte gehorcht , und stürzte sich jetzt auf die andre Hand ihrer Gebietherin . » Schon gut ! schon gut ! « - sagte die Gräfin - » eßt mich nur nicht ganz auf ! Jetzt geht an Eure Arbeit , und daß ich euch heute nicht wieder zusammen erblicke ! Siebentes Kapitel » Aber das war doch hart ! liebe Gräfin ! « - sagte ich , als Milly und Robert uns verlassen hatten . - » Nichts weniger ! « - antwortete sie - » hätte ich nicht aus allen Kräften dagegen gearbeitet , so wären sie seit zwey Jahren verheurathet , und einander schon so überdrüßig , daß sie sich kaum mehr sehen möchten . « » Dieß ist die schönste Zeit ihres Lebens . Ich habe sie so viel als möglich zu verlängern gesucht ; aber die kleine Gans hat mich den ganzen Tag mit ihrem Geschnatter verfolgt . Sie meynt : daß wenn ich nur erst einmal ordentlich liebe , ich ganz anders von der Ehe denken , und minder streng gegen Robert seyn würde . « Ich . Sollte sie so ganz unrecht haben ? liebe Gräfin . - Sie . Ach wie kann ich denn das wissen ! ich habe ja niemals ordentlich geliebt . Ich . Niemals ! - Sie . Nun ja ! manchmal kam es mir freilich so vor , aber in kurzer Zeit sah ich , daß ich mich geirrt hatte . Sie schwieg , und ich war zu empfindlich , um antworten zu können . » Mit Ihnen « - hub sie endlich wieder an - » dünkt es mich nun freilich etwas Anderes ; aber eine Heurath möchte ich doch um alles in der Welt nicht darauf wagen ! - Ich . Und das sagen Sie mir so ohne alle Schonung ! - Sie . Warum nicht ? - Möchten Sie lieber , daß ich Sie betröge ? - Ich . Um des Himmels Willen nicht ! Sie . Nun sehen Sie wohl ! - Glauben Sie mir ! überlassen Sie das alles der Zeit . Nur sie kann uns lehren , wie viel wir uns werden können . » Aber mit dem Grafen « - sagte ich ziemlich unmuthig - » waren Sie nicht so vorsichtig . « - » Nein , wahrhaftig nicht ! « - antwortete sie - » aber ich war ein Kind , und mein Vater , ein westindischer Pflanzer , glaubte mich und sein ungeheures Vermögen keinen bessern Händen anvertrauen zu können . Aber die Trennung von mir kostete ihm das Leben ; während ich von nichts als von Bällen , Assembleen und neuen Moden träumte , und die Reise nach England so leicht wie eine Spatzierfahrt machte . « Jetzt meldete Milly einen sehr vornehmen Besuch , und ich war froh , unter diesem Vorwande mich entfernen , und meine üble Laune den Augen der Gräfin entziehen zu können . Achtes Kapitel » Wie ist es denn ? « dachte ich , als ich zu Hause kam - » liebst du dieses sonderbare Wesen ? oder liebst du es nicht ? - Willst du dich der Gefahr aussetzen , wie ihre Vögel und Hühner verabschiedet zu werden , oder kannst du dir mit Hannibals glücklichem Schicksale schmeicheln ? « - » Poßierlich ! « - rief ich lachend - » Hannibals Nebenbuhler ! - müssen doch sehen : ob wir ihm den Rang abgewinnen können ! « Jetzt erwachte meine Eitelkeit , und nun dachte ich nicht mehr daran , mir Rechenschaft von meinen Empfindungen zu geben . Meine Besuche bey der Gräfin wurden häufiger , und mit jedem fühlte ich mein Herz , oder vielmehr meine Sinnlichkeit , mehr angezogen . Sie war zu lebhaft , und ich zu jung , als daß wir nicht bald alle mögliche Arten , uns unsre sogenannte Liebe zu beweisen , versucht haben sollten . Muß ich der Neuheit des Vergnügens , der Jugendkraft meines Körpers , oder der reizenden Zauberin allein , den unaussprechlichen Wonnetaumel danken , in den ich versank ? - ich weiß es nicht ! - aber , mit einer Art von Dankbarkeit bekenne ich noch jetzt