Haltung wieder . Es war noch einmal die überlegene Ruhe des allmächtigen Ministers , mit der er Schweigen gebietend der Frau die Rechte entgegenstreckte . » Du bist wieder einmal sinnlos vor Leidenschaft « , sagte er streng . » Ich habe dich in solchen Momenten stets wie ein verzogenes , unartiges Kind behandelt , dem man Muße läßt , sich auszuschreien . Dazu bleibt mir jetzt keine Zeit . « – Er verschränkte mit scheinbarer Gelassenheit die Arme über der Brust . » Wohl , du hast recht « – fuhr er fort – , » ich habe gefälscht und betrogen – ich bin ein Bettler ! Es bleibt uns nicht einmal das Kopfkissen , um das Haupt darauf zu legen , wenn sie alle kommen werden , die verbriefte Rechte an mich haben ... Nie hast du einen Vorwurf , ein Bedenken von mir gehört ; aber wenn du diese Stunde lediglich dazu benutzest , mich zu schmähen , dann muß ich dir auch sagen , für wen ich mich ruiniert habe ... Jutta , denke zurück und überzeuge dich , daß du mit jedem Jahr unserer Ehe mehr deine Ansprüche bis ins Maßlose gesteigert hast – selbst die Fürstin konnte zuletzt mit deinem glanzvollen Auftreten nicht mehr Schritt halten ... Ich habe ohne Widerrede stets herbeigeschafft , was du begehrtest – ich habe deine Hände buchstäblich im Gold wühlen lassen . Meine unselige , blinde Liebe zu dir hat mich zum gefügigen Werkzeug deiner schrankenlosen Verschwendungssucht gemacht ... Es klingt geradezu kindisch und lächerlich , wenn du die elf Jahre unserer Ehe als verloren beklagst ; sie haben dir Gelegenheit gegeben , das Leben mit seinen Genüssen bis auf die Neige auszukosten ; und daß du das gründlich verstanden hast , kann ich dir mit meinem Soll und Haben erschöpfend beweisen . « Die Baronin hatte bis dahin mit abgewendetem Gesicht in einer fernen Fensternische gestanden . Jetzt fuhr sie herum ; die dämonisch schönen Augen funkelten in tiefster Gereiztheit und Rachsucht . » Ach , du kannst es ja ganz vortrefflich , das alte Lied , das auch die zuvorkommende Welt stets anstimmt , wenn ein Haus zusammenbricht : › Die Frau ist schuld ! ‹ lachte sie auf . » Schade , mein Freund , daß ich so oft zugegen war , wenn du in Baden-Baden oder in Homburg , oder wie sie alle heißen mögen , die verführerischen grünen Tische , Unglück zum Verzweifeln hattest ! ... Ich habe mich bei dergleichen Gelegenheiten stets mit Befriedigung überzeugt , daß auch deine Hände vortrefflich im Golde zu wühlen verstanden ; aber willst du etwa leugnen , daß du zu allen Zeiten ein notorischer Spieler gewesen bist ? « » Es fällt mir nicht ein zu leugnen oder auch nur noch eine Silbe zu meiner Verteidigung zu verlieren ... Wer , wie ich , im Begriff ist , einen dunklen Weg anzutreten – « » Jawohl , dunkel , dunkel ! « unterbrach sie ihn und trat um einen Schritt näher an ihn heran . » Mit der Exzellenz ist ' s freilich aus und vorbei , « zischte sie . » Baron Fleury steigt herab von seiner Höhe und betritt den einzigen Weg , der ihm übrig bleibt , die Laufbahn des – Croupiers ! « » Jutta ! « stieß er hervor . Er ergriff die weißen Arme , die die Wonne seiner Augen gewesen waren , und schüttelte sie ingrimmig . Sie riß sich los und flüchtete nach einer Tür , aber ihre zurückgewendeten Augen hingen mit unverhohlenem Abscheu an den Händen , die sie zum erstenmal schonungslos gepackt hatten . » Du sollst mir nicht mehr nahe kommen – mir graut vor dir ! « rief sie hinüber . » Du fängst es schlau an ! Indem du mir die Schuld aufbürdest , willst du mich zwingen , in Gemeinschaft mit dir ihre Folgen zu tragen ! ... Aber täusche dich nicht ! Ich werde dir niemals in die Schande , die Dunkelheit und den Mangel folgen ! ... Ich habe dir gegenüber keine Pflichten mehr – sie sind erloschen in dem Augenblick , da du als ehrlos entlarvt wurdest ... Wenn etwas in diesen furchtbaren Stunden mich mit Genugtuung erfüllt , so ist es das Bewußtsein , daß ich dir geistig niemals verwandt gewesen bin – ich habe dich nie geliebt ! « Das war der letzte Schlag für den von der Sonnenhöhe einer beneideten Lebensstellung , eines angemaßten Glückes in den tiefsten Abgrund hinabstürzenden Mann – es konnte keiner mehr kommen ; aber auch keiner konnte sich in der Wirkung mit den letzten wenigen Worten messen , die der rote Frauenmund so unbarmherzig hinwarf . Der Minister taumelte nach der Tür zu , als wolle er das Zimmer verlassen , allein die Füße schienen ihm treulos zu werden – er lehnte sich mit bedecktem Gesicht an die Wand . » Du hast mich , trotz aller deiner Schwüre und Beteuerungen , nie geliebt , Jutta ? « fragte er nach einem minutenlangen tödlichen Schweigen in das Zimmer zurück . Die Frau schüttelte mit einer Art von wildem Triumph energisch den Kopf . Er stieß ein bitteres Hohnlachen aus . » O Weiberlogik ! ... Diese Frau setzt sich hoch auf den Richterstuhl strenger Tugend ; sie stößt den Betrüger erbarmungslos von sich und gesteht dabei mit liebenswürdiger Naivität ein , daß sie ihren Mann auf die empörendste Weise elf Jahre lang betrogen und – am Narrenseil herumgeführt hat ! ... Geh , geh , auch du wirst Karriere machen ! Noch liegen einige gerettete Jahre der Jugend und Schönheit vor dir ; aber das Ende dieser Karriere – nun , ich will diskreter sein als du und diesen Wänden nicht erzählen , wie die Karriere der Frau Baronin Fleury , Exzellenz , schließlich verlaufen wird ! « Er ging zur Tür hinaus ; aber beim Schließen derselben warf er noch einen Blick in das eben verlassene Zimmer . Die Frau